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Frauenrechte in Kambodscha

  • 7. Apr.
  • 13 Min. Lesezeit

Bevor ich ausgereist bin, hat mich eine gute Freundin gefragt, wie es eigentlich in Kambodscha mit Gleichberechtigung so aussieht. "Damals" musste ich passen, weil ich nicht wirklich etwas darüber gelesen und keine Ahnung davon hatte. Inzwischen habe ich mich ein bisschen mit Sreng, meinen Kolleg:innen und Freund:innen ausgetauscht und auch im Internet recherchiert, sodass ich ein paar Dinge dazu schreiben kann. Deshalb dachte ich mir, ich nehme den internationalen Frauentag zum Anlass, um genau das zu tun.

Selbstverständlich heißt es aber nicht, dass das, was ich schreibe, immer und überall zutrifft. Wie überall gibt es Familien, die bspw. die Care-Arbeit stärker aufteilen oder Unternehmen, die sich stärker für Frauenrechte einsetzen als andere.

Frauenrechte in der kambodschanischen Verfassung

Fangen wir einmal damit an, wie Gleichberechtigung in der kambodschanischen Verfassung geregelt ist. Dafür habe ich eine Übersetzung der Konrad-Adenauer-Stiftung verwendet, denn auf Khmer kann ich sie noch nicht lesen😅. Aber Spaß beiseite, allgemein lässt sich sagen, dass Frauen und Männer laut der Verfassung gleichgestellt sind. So ist in Artikel 31 die Gleichheit vor dem Gesetz geregelt, in Artikel 34 das aktive und passive Wahlrecht und in Artikel 35 das Recht, sich aktiv in das politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben Kambodschas einzubringen. (Q10, S. 120-122). Daneben sollen alle kambodschanischen Staatsbürger:innen die Freiheit der Wahl eines Berufes haben, für gleiche Arbeit gleichen Lohn bekommen, das Recht zur Gründung oder Mitgliedschaft in Gewerkschaften haben und Care-Arbeit genauso wertschätzen wie Arbeit außerhalb des Zuhauses (Q10, S. 122).

Neben den eben genannten Artikeln, die sich jeweils auf beide Geschlechter beziehen, gibt es auch einige Artikel, die konkret die Rechte von Frauen ansprechen. So steht in Artikel 31:

"Das Königreich Kambodscha erkennt die in der Charta der Vereinten Nationen, der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und den Vereinbarungen und Konventionen in Bezug auf Menschenrechte, Frauenrechte und Kinderrechte festgelegten Menschenrechte an und respektiert sie." (Q10, S. 120)

Dieser Artikel is noch recht allgemein gehalten - er steht auch relativ am Anfang der Verfassung - in Artikel 45 geht es sehr konkret darum, Frauen zu schützen:

"Alle Formen von Diskriminierung von Frauen sollen beseitigt werden.

Die Ausbeutung von Frauen am Arbeitsplatz ist verboten.

Männer und Frauen sind in allen Bereichen gleichgestellt, vor allem in Bezug auf Heirat und Familienangelegenheiten.

Die Ehe soll gemäß der Gesetze auf Basis beiderseitigem Einverständnis zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden." (Q10, S. 125)

Wie Artikel 45 beschäftigt sich auch Artikel 46 konkret mit den Bedürfnissen von Frauen:

"Menschenhandel, Ausbeutung und Prostitution, die dem Ruf von Frauen schaden, sind verboten.

Die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses aufgrund einer Schwangerschaft ist verboten.

Eine Frau soll das Recht haben, bezahlten Mutterschaftsurlaub zu nehmen, ohne dass sie ihre Position verliert.

Der Staat und die Gesellschaft sollen Frauen, vor allem aus ländlichen Gebieten und ohne adäquate soziale Unterstützung, Möglichkeiten bieten, einen Arbeitsplatz und medizinische Versorgung zu erhalten, ihre Kinder zur Schule zu schicken und ein würdiges Leben zu führen." (Q10, S. 126)

Wie sich an diesen Beispielen erkennen lässt, ist die Verfassung Kambodschas in Bezug auf Gleichberechtigung recht modern und auch die Tatsache, dass Frauenrechte in Artikel 31 separat genannt werden, zeigt die Wichtigkeit, die die Regierung ihnen beimisst.

Allerdings gibt es eine Sache in der Verfassung, die dem diametral entgegensteht. Gemäß Artikel 15 trägt die Frau des amtierenden Königs den Titel "Königin des Königreichs Kambodscha". Ihre Aufgaben sind nach Artikel 16:

"Die Königin des Königreichs Kambodscha hat nicht das Recht, sich politisch zu engagieren, Staatsoberhaupt oder Regierungschefin zu werden oder andere Ämter in der Verwaltung oder Politik anzunehmen.

Die Königin des Königreichs Kambodscha führt Pflichten aus, die sozialen, humanitären oder religiösen Interessen dienen und unterstützt den König in seinen diplomatischen und Protokollfunktionen." (Q10, S. 116)

Soviel zur Verfassung, jetzt geht es darum, wie die Realität aussieht. Gemäß dem UNDP Gender Inequality Index aus dem Jahr 2023 liegt Kambodscha mit einem Wert von 0.506 auf Platz 136 von 193 (1), die Realität ist also bei weitem nicht so rosig wie die Verfassung es vorsieht.


Politik

Im Jahr 2024 waren nur 13,6% der Parlamentssitze von Frauen besetzt (1) und auch bei den Ministerien sieht es nicht viel besser aus. Es gibt zwei Ministerinnen, und diese sind - so hat Sreng es formuliert - auch nur in dem Amt, weil ihre Väter es schon innehatten und sie es dann übernommen haben. Auf lokaler Ebene sind Frauen noch weniger vertreten: 8% der Provinzgouvernements unterstehen Frauen und nur 3,43% der Gemeinde bzw. Bezirke werden von Frauen geleitet (7).

Im Dezember 2024 fand ein Medienforum zum Thema Gleichberechtigung statt, organisiert vom Ministerium für Information und vom Ministerium für Frauen. Das Ziel dieses Forums bestand darin, Bewusstsein für die Schlüsselrolle, die Medien in der Förderung von Gleichberechtigung und Prävention von Gewalt gegen Frauen innehaben (4). Während des Forums stellten die beiden Ministerien Strategien vor, die die Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung im Journalismus stärken sollen, dazu zählt die Charta für professionellen Journalismus und die "Joint Prakas on Media Code of Conduct for Reporting on Violence against Women" (4). Das ist auch wichtig, denn in Kambodscha sind nur 9,4% der Journalist:innen weiblich, noch viel weniger davon besetzen Führungspositionen. Die fehlende Präsenz tendiert dazu, dass ihre Bedürfnisse nicht gesehen werden, was für junge Frauen wiederum den Weg in den Journalismus generell erschwert. (4)


Wirtschaft

Kambodscha hat eine "female labor force participation rate" von 74% - und damit eine der höchsten Südostasiens. Diese zeigt, dass Frauen in der kambodschanischen Wirtschaft eine sehr große Rolle spielen (3). Allerdings arbeiten sie sehr häufig im Niedriglohnsektor und statistisch gesehen arbeiten sie weniger Stunden in bezahlten Jobs als Männer (Q5, S. 27), während tendenziell letztere die hohen Positionen in Unternehmen besetzen.


Wie (fast) überall auf der Welt gibt es auch in Kambodscha ein Gender Pay Gap, 2012 verdienten Frauen im Schnitt 71% dessen, was Männer verdient haben (Q6, S. 1). Die gute Nachricht: 2019 lag das durchschnittliche Monatsgehalt von Frauen bei 440.000 KHR (111 USD), das von Männern bei 510.000 KHR (127 USD), die Lücke hat sich also verkleinert (Q6, S. 3). Die Gründe für diese Lohnunterschiede sind vielfältig. Diskriminierung am Arbeitsplatz und institutionelle Faktoren wie Gesetze und gesellschaftliche Erwartungen spielen hierbei genauso eine Rolle wie persönliche Eigenschaften, Motivation und persönliche Einstellung (Q6, S. 3). Ein weiterer Faktor ist die Bildung. Durchschnittlich haben Mädchen 7,27 Schujahre, während Jungen 8,15 Jahre lang Schulbildung genießen. Neben Bildung spielt auch die Arbeitserfahrung eine große Rolle. Da Frauen wegen Kindern, Haushalt und Care-Arbeit häufig in Teilzeit arbeiten, haben sie weniger Arbeitserfahrung und geringere Chancen auf eine Gehaltserhöhung. Als dritten Punkt möchte ich an dieser Stelle die Berufswahl nicht unerwähnt lassen. Frauen arbeiten häufiger in Niedriglohnsektoren wie der Textilindustrie, wodurch ihr Einkommen branchenbedingt unter dem von Männern liegt (Q6, S. 3). Aber auch wenn diese strukturellen Gegebenheiten außer Acht gelassen werden, verdienen Frauen in Produktion, Dienstleistungen und Landwirtschaft durchschnittlich nur 87 bzw. 85 bzw. 76 Prozent des Durchschnittsgehalts eines Mannes (Q6, S. 1).

In diese Situation kommt jedoch Bewegung. Insbesondere Millenials und Frauen der Gen Z haben durch den Zugang zu höherer Bildung den Sprung auf den Arbeitsmarkt in allen Ebenen geschafft - auch wenn sie für ihre Position deutlich härter arbeiten müssen als Männer. Damit dienen sie jungen Mädchen als Vorbild und zeigen, dass es möglich ist, gesellschaftliche Rollenbilder zu durchbrechen, wenn man dafür kämpft (Q8, S. 4).


Neben den ganzen Zahlen haben wir mit Sreng über einige Tendenzen gesprochen bezüglich der Art der Arbeit, die von Frauen bzw. Männern ausgeführt wird. Männer gehen typischerweise eher körperlicher Arbeit nach, Frauen arbeiten (aufgrund der Care-Arbeit) häufig von zu Hause, bspw. indem sie ein kleines Geschäft im Wohnhaus der Familie eröffnen. Gerade in hohem Alter lässt sich auch ein Unterschied feststellen: Während Männer weiterhin eher in der Landwirtschaft arbeiten, tendieren Frauen dazu, einen Marktstand zu betreiben, z.B. Obst zu verkaufen. Werden diese traditionellen Rollenbilder gebrochen, heißt es bspw. "der Mann ist ja wie eine Frau", was in der gesellschaftlichen Wahrnehmung mit einer negativen Bewertung einhergeht. Dennoch ist es, wie Sreng meinte, schon in Ordnung, wenn Frauen "Männerjobs" übernehmen, z.B. Tuktuk fahren. Es ist einfach nicht üblich. Außerdem hat Sreng erzählt, dass es viel Bewegung gibt und Frauen in der Privatwirtschaft deutlich mehr Möglichkeiten haben als im öffentlichen Dienst. So gibt es bspw. einige Banken, die von Frauen geleitet werden.


Bildung

In Sachen Bildung gilt in Kambodscha grundsätzlich Schulpflicht und es gibt öffentliche Schulen, die den Zugang zu Bildung ermöglichen sollen. Allerdings ist die Qualität des öffentlichen Bildungssystems verbesserungswürdig und wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder auf eine Privatschule.

Vor allem in der höheren Bildung stehen Frauen schlechter da als Männer. Laut Daten von UNDP haben nur 16,4% der Frauen über 25 sekundäre Bildung erhalten, bei Männern sind es 29% (1). Auch der Zugang zu Universitäten, insb. im Bereich der Naturwissenschaften und Jura, ist für Frauen sehr schwer, was zu einer starken Unterrepräsentation von Frauen in den Führungspositionen aller Wirtschaftsbereiche führt (9).

Woran liegt das? Vor der französischen Kolonialherrschaft war Bildung jahrhundertelang Jungen vorbehalten, da ausschließlich in den Pagoden gelehrt wurde. Im Buddhismus können Frauen allerdings keine Mönche werden, somit blieb ihnen der Zugang zu Bildung verwehrt. Während der französischen Kolonialherrschaft wurde ein staatliches Bildungssystem aufgebaut. In diesem Sinne sind die Bildungschancen für Mädchen und Jungen gleich - zumindest, solange die Familie ausreichend Geld hat. Geld spielt dahingehend zwei Rollen: Zum einen müssen viele Kinder und Jugendliche aus ärmeren Familien arbeiten, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen und zum anderen fallen spätestens ab der Universität Studiengebühren an, die die Familie bezahlen muss. Kann sich eine Familie nicht leisten, alle Kinder zur Schule zu schicken, muss eher ein Mädchen seine Schullaufbahn abbrechen als ein Junge.

Mögliche Maßnahmen, um diesem Gender Education Gap entgegenzuwirken, könnten laut UNDP Cambodia der Ausbau und die Verbesserung von Schulen sein. Gebe es bspw. mehr Dormitories und/oder Stipendien, könnten mehr Mädchen eine bessere Schulbildung genießen. Neben den rein praktischen Dingen kann es auch helfen, mehr Bewusstsein für die hohe Relevanz von Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft zu schaffen, um ein gesellschaftliches Umdenken zu erwirken (Q5, S. 27).


Familie

In Kambodscha sind traditionelle Rollenbilder noch stark in der Bevölkerung verankert. Von Geburt an wird häufig der traditionelle Verhaltenskodex Chbab Srey (für Mädchen und Frauen) bzw. Chbab Proh (für Jungen bzw. Männer) gelehrt. Er schreibt Frauen Eigenschaften wie Sanftmut, Gehorsam und Bescheidenheit zu. Mädchen sollen sich unterordnen und ein "easy kid" sein, das keine Probleme macht. Demgegenüber sollen Jungen stark sein und bspw. keine Emotionen zeigen. Dieser Verhaltenskodex stärkt das patriarchale System, in dem Männer Frauen übergeordnet sind (Q8, S. 1).

Über Generationen hinweg wurde der Verhaltenskodex mündlich weitergegeben, im 19. Jahrhundert wurde er verschriftlicht und bis 2007 als fester Bestandteil des Curriculums an kambodschanischen Schulen gelehrt (Q8, S. 2).

Der Chbab Srey soll Mädchen Verhaltensweisen lehren, damit sie 'anständige Frauen' werden. Dazu zählen nicht nur Regeln im Umgang mit anderen Menschen (der Familie, Älteren, Fremden), auch Vorschriften zu Kleidung und Sprache sowie moralische Ansichten zu richtig und falsch sind Teil des Chbab Srey (Q8, S. 2).

Im Gegensatz dazu ist der Chbab Proh nicht ganz so restriktiv. Er beschreibt das optimale Verhalten von Männern und Jugen als stark, organisiert, vorbereitet, verantwortungsbewusst und respektvoll gegenüber Älteren und Lehrenden. Besonders hervorgehoben werden außerdem die Führungsrolle des Mannes sowie seine Aufgabe, für die Familie zu sorgen (Q8, S. 2).

A propos Führungsrolle: laut einer Studie von "Partner for Prevention" (2014) denken 62,6% der Männer und 57,1% der Frauen, dass der Mann in Familienangelegenheiten das letzte Wort haben sollte (Q8, S. 2). Das empfand ich persönlich als überraschende Zahl, vor allem weil unter anderem Sreng erzählt hat, dass Frauen innerhalb der Familie eine sehr starke Position haben. Er meinte, dass sie es sind, die sich um alles - inklusive Finanzen - kümmern, die Erziehung regeln und beispielsweise entscheiden, was ein Kind darf und was nicht.

Seit den UN-gestützten Wahlen im Jahr 1993 hat die Frauenrechtsbewegung in Kambodscha schon große Fortschritte erzielt. Dazu zählt bspw. die Streichung des Chbab Srey aus dem Lehrplan im Jahr 2007 (Q8, S. 3). Es haben sich zahlreiche lokale und internationale NGO's angesiedelt/gegründet, die jeweils mit unterschiedlichem Fokus alle daran arbeiten, mehr Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen.

Vor allem jüngere Frauen aus einem urbanen, mittelständischen Umfeld brechen immer häufiger mit den traditionellen Rollenbildern. Das zieht allerdings meist nicht nur familiäre Spannungen nach sich, auch ist es für sie häufig nicht so einfach, einen Partner zu finden, da viele junge Männer weiterhin die traditionellen Rollenbilder vertreten (Q8, S. 5). So hat auch Sreng erzählt, dass sich viele Frauen kleiner machen, weil es für starke, unabhängige Frauen schwieriger ist, einen Partner zu finden.

Dazu gibt es noch eine weitere interessante Entwicklung: Sreng hat erzählt, dass es in der Generation seiner Großmutter gesellschaftlich gesehen "in Ordnung" war, unverheiratet zu sein. Unter anderem durch die sozialen Medien hat sich dieses Bild aber verändert und auf den jungen Menschen lastet ein gewisser Druck, eine:n Partner:in zu finden.

Früher wurden haupsächlich arrangierte Ehen geschlossen, das hat allerdings stark abgenommen und ist nur noch in einigen indigenen Gruppen und Minderheiten weit verbreitet. Bis heute ist es aber so, dass traditionell der Mann bei der Hochzeit für die Frau zahlt, um damit Respekt und seine Dankbarkeit gegenüber der Familie der Frau auszudrücken - denn auch wenn die arrangierte Ehe ein Auslaufmodell ist, hat die Familie weiterhin eine große Bedeutung und Mitspracherecht in der Partnersuche.

Aus verschiedensten Gründen können Ehepartner:innen die Entscheidung treffen, sich scheiden zu lassen. Scheidungen sind juristisch möglich und gesellschaftlich weniger verpönt als noch vor einigen Jahren/Jahrzehnten, aber es ist für Frauen strukturell nicht einfach - selbst wenn sie unter häuslicher Gewalt leiden. Institutionell werden bspw. Mediations- und Versöhnungsverfahren auf lokaler Ebene gefördert und es gibt keine staatlichen Mittel, um Frauen darin zu unterstützen, finanziell unabhängig zu werden (9). Ist eine Scheidung aber einmal durchgeführt, können sowohl der Mann als auch die Frau noch einmal heiraten.

Noch eine Sache zum Thema Scheidung, die Sreng erzählt hat: Er meinte, dass Frauen meist diejenigen sind, die nach während und nach der Scheidung mehr Stress haben (u.a. durch die Kindererziehung), aber dem Mann wird in der Regel die Schuld für die Scheidung gegeben.


häusliche Gewalt

Laut Zahlen des "Cambodia Demographic and Health Survey 2021-22" berichtet jede fünfte Frau in Kambodscha von emotionaler, physischer oder sexueller Gewalt durch ihren Partner (2). Ein Problem für diese hohen Zahlen an vor allem physischer Gewalt besteht darin, dass toxisches Verhalten von Männern tendenziell eher toleriert wird. So gilt es bspw. als akzeptabel, wenn ein Mann seine Frau in bestimmten Situationen schlägt (das ist bei Kindern übrigens häufig auch der Fall) und viele Frauen nehmen es um des Familienfriedens Willen hin (Q8, S. 2). Aus diesem Grund arbeiten einige NGO's gezielt mit Jungen und Männern, um Bewusstsein für das Thema sexuelle Gewalt zu schaffen und sie dazu anzuregen, soziale Normen und ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen (2).

Um mehr Frauen zu ermutigen, ihre Gewalterfahrungen anzuzeigen und Hilfe einfacher zugänglich zu machen, hat der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) in Kooperation mit dem Ministerium für Frauenangelegenheiten digitale Plattformen entwickelt. Dazu zählt ein Chatbot, der in die Facebook-Seite des Ministeriums integriert ist sowie eine App, die Hotlines und weiterführende Kontakte für Opfer sexueller Gewalt bietet (2). Wie Sreng erzählt hat, kann sexuelle Gewalt nach kambodschanischem Strafrecht hart bestraft werden - allerdings ist das mit den Verurteilungen nicht so einfach, weil es häufig keine Beweise gibt, somit Aussage gegen Aussage steht, und die Gerichte teilweise beeinflussbar oder korrupt sind.


Abtreibungen

In Kambodscha sind Abtreibungen unter bestimmten Umständen legal. Das entsprechende Gesetz wurde 1997 verabschiedet und trat 2002 in Kraft. Im ersten Trimester der Schwangerschaft sind Abtreibungen grundsätzlich legal. Später sind sie legal, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Missbildung des Fötus besteht oder die Schwangerschaft ein Risiko für die Mutter darstellt, das Baby an einer unheilbaren Krankheit leiden wird oder die Schwangerschaft aus einer Vergewaltigung hervorgegangen ist. Trifft einer dieser Punkte zu, kann eine Abtreibung stattfinden, wenn eine Gruppe von zwei bis drei medizinischen Fachkräften diese unterstützen (9).

Trotz dieser grundsätzlichen Legalität zögern viele Frauen, Abtreibungen vornehmen zu lassen, unter anderem wegen heftiger Stigmatisierung nach einem solchen Eingriff. Ein weiteres Problem besteht auf praktischer Ebene darin, dass es nur recht wenige Ärzt:innen gibt, die Abtreibungen vornehmen. Das hängt damit zusammen, dass mehr als 95% der Kambodschaner:innen dem Theravada-Buddhismus folgen und ihr Leben danach ausrichten. Eines der fünf Gebote hält dazu an, Nächstenliebe zu zeigen und keine Lebewesen zu verletzen, was für viele in einem moralischen Widerspruch zu Abtreibungen steht. Daraus folgt laut dem "National Maternal and Child Health Center", dass in den letzten fünf Jahren 40% der Abtreibungen von nicht lizenziertem Personal durchgeführt wurden, was ein hohes gesundheitliches Risiko für die Schwangere darstellt (9).


zivilgesellschaftliches Engagement

Nach den Khmer Rouge waren knapp zwei Drittel der kambodschanischen Bevölkerung Frauen (7). Zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen setzten sich seitdem für Frieden und Wiederaufbau ein - gleichwohl wurden sie nicht an den offiziellen Friedensgesprächen der frühen 1990er Jahre beteiligt (7).

Nichtsdestotrotz konnten die Organisationen schon einiges erreichen. Bereits 1993 wurde ein Gremium gegründet, nach mehrfacher Namensänderung heißt es heute "Nationaler Frauenrat" und setzt sich für die Belange von Frauen ein. Daneben wurden Frauen mit der Gründung des Ministeriums für Frauenangelegenheiten Teil der offiziellen Politik. Ebendieses Ministerium stellte im Jahr 2024 den Nationalen Strategieplan für die Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung der Rolle der Frau 2024-2028 vor. Mit diesem verpflichtet sich die Regierung, sich für Gleichstellung einzusetzen und Frauenrechte zu stärken. Einige Organisationen sehen diesen Plan allerdings kritisch, da er keine Situationsanalyse beinhaltet und keine Fortschrittsprotokolle vorsieht, sodass dieses Nationale Strategiepapier zwar existiert, seine Wirksamkeit aber unklar bleibt (7).

Im Bereich des außerparlamentarischen Engagements zeigt der CIVICUS Monitor von 2024 eine zunehmende Unterdrückung des zivilgesellschaftlichen Raumes durch restriktive Gesetze, Zensur oder willkürliche Verhaftungen von u.a. Menschenrechtsaktivist:innen, die die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen erheblich erschwert (7).

Ein weiteres Problem im zivilgesellschaftlichen Engagement ist die Kürzung von Geldern aus der Entwicklungszusammenarbeit. Zum Ende des Jahres 2024 lief das schwedische Programm aus, im Februar 2025 stoppte der neu gewählte US-Präsident Donald J. Trump die Gelder von USAID, auch Großbritannien, Frankreich, Deutschland und die Niederlande kündigten Kürzungen ihrer Gelder an. Gerade die us-amerikanischen Gelder stellten allerdings ein wichtiges Standbein für verschiedenste Organisationen dar. Seit den 1990er Jahren sind über 3 Milliarden US-Dollar nach Kambodscha geflossen. Das plötzliche Aussetzen dieser Finanzierung stellt viele lokale Organisationen vor Existenzprobleme, neben dem Einsatz für Gleichberechtigung leiden dadurch unter anderem Organisationen der Demokratieförderung, Minenräumung und der öffentlichen Gesundheit (7).


Fazit

Auf Basis dessen, was ich bisher über die Stellung der Frau in der kambodschanischen Gesellschaft mitbekommen habe und was ich jetzt recherchiert habe, ist mein Eindruck, dass Frauen eine sehr ambivalente Position in der Gesellschaft innehaben. Einerseits ist ihre Position innerhalb der Familie sehr stark und sie haben dort die Entscheidungsgewalt, andererseits sind Frauen auf politischer Ebene stark unterrepräsentiert und ihre Belange spielen im öffentlichen Raum kaum eine Rolle.

Dennoch habe ich auch festgestellt, dass diese fehlende öffentliche Präsenz nicht bedeutet, dass Frauen weniger respektiert oder wertgeschätzt werden - zumindest in meinem Umfeld habe ich nicht das Gefühl, dass es so ist. Wie aber auch am Anfang schon erwähnt, sind das meine persönlichen Einschätzungen und die Lebensrealität von Frauen und Mädchen variiert stark, abhängig von der eigenen wirtschaftlichen Situation und dem familiären Umfeld mit seinen Prägungen.


Wer bis hierhin gelesen hat: Herzlichen Glückwunsch! Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Einblick geben und einige Informationen teilen. Eine Sache möchte ich zum Abschluss noch loswerden: Vielleicht haben sich manche gefragt, warum ich dieses Bild als Hintergrund für diesen Blogartikel gewählt habe. Schließlich stammt es nicht aus Kambodscha, da - wie im Artikel selbst erwähnt - der zivilgesellschaftliche Raum eingeschränkt ist und Demonstrationen dementsprechend nicht das Mittel der Wahl politischen Engagements sind. Deshalb habe ich versucht, mir mittels künstlicher Intelligenz ein passendes Symbolbild generieren zu lassen (selbstverständlich hätte ich es als solches gekennzeichnet). Allerdings musste ich feststellen, dass jegliche KI rassistischer ist, als ich bisher dachte, denn sie war nicht in der Lage, zwischen Kambodscha, Thailand, Ghana oder dem Kongo zu unterscheiden. Aus diesem Grund habe ich mich letztlich für dieses Bild mit einem Plakat entschieden, da es relativ unabhängig der Nationalität ist.


Quellen:


(1) UNDP Cambodia: Gender equality. UNDP Cambodia, URL: https://www.undp.org/cambodia/gender-equality.

(2) UNFPA Cambodia: Gender-based Violence, Human rights & gender equality, URL: https://cambodia.unfpa.org/en/topics/gender-based-violence-human-rights-gender-equality.

(3) International Women's Development Agency: Cambodia, URL: https://iwda.org.au/cambodia/.

(4) UNESCO (05.12.2024): Spotlight on Cambodian Media: Break the Silence to Promote Gender Equality and Combat Gender-Based Violence, URL: https://www.unesco.org/en/articles/spotlight-cambodian-media-break-silence-promote-gender-equality-and-combat-gender-based-violence.

(5) UNDP Cambodia (09.07.2021): The Gender Wage Gap in Cambodia, URL: https://files.acquia.undp.org/public/migration/kh/Gender-Wage-Gap-in-Cambodia.pdf.

(7) Suyheang Kry (06.11.2025): Kambodscha. Wie die Zivilgesellschaft Frieden und Sicherheit für Frauen fördert, URL: https://www.boell.de/de/2025/11/06/kambodscha-wie-die-zivilgesellschaft-frieden-und-sicherheit-fuer-frauen-foerdert.

(8) Kong Sreynou (08.10.2025): Was machen wir mit den Männern?, in: südostasien. Zeitschrift für Politik, Kultur, Dialog, 2025 (2), URL: http://hasp.ub.uni-heidelberg.de/journals/soa/article/view/28672/28084.

(9) Chamrong Chuon (16.03.2021): Abtreibungen zwar legal, aber unsicher. Interview mit Bunn Rachana, URL: https://www.boell.de/de/2021/03/16/unsichere-abtreibungen-kambodscha-trotz-legaler-gesetzesgrundlage.

(10) Verfassung des Königreichs Kambodscha, zitiert nach der Übersetzung der Konrad-Adenauer-Stiftung, URL: https://www.kas.de/documents/252038/253252/7_dokument_dok_pdf_13444_1.pdf/cbaa668f-dffe-7239-264c-46ad55e7b1f4?version=1.0&t=1539670743630.


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