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Recap Woche 39: Unsere Ausstellung

  • 16. Juni
  • 5 Min. Lesezeit

Diese Woche ist der Mai zu Ende gegangen. Und das bedeutet auch, dass meine Mitfreiwilligen und ich wieder das Vergnügen hatten, einen Quartalsbericht zu schreiben🫠 Auf jeden Fall führte mir dieser dritte Quartalsbericht vor Augen, wie schnell die Zeit hier vergeht. Vor allem die letzten drei Monate waren wie im Flug vorbei...

Und weil inzwischen gar nicht mehr so viel Zeit bis zur Eröffnung ist und wir unsere Ausstellungstexte inzwischen soweit fertig geschrieben haben, dachte ich mir, ich nutze die Gelegenheit, um mal ein bisschen mehr über unsere Ausstellung zu schreiben (jetzt, wo auch ein paar Hintergrundinformationen zu den Khmer Rouge auf meinem Blog zu finden sind 😉).

Die Sonderausstellung trägt den Titel "Rückkehr ins Demokratische Kampuchea: eine zerbrochene Hoffnung". Sie reiht sich in eine Reihe verschiedener temporärer Ausstellungen ein, die in der Regel für ein Jahr gezeigt werden und jeweils einen Aspekt der Khmer-Rouge-Herrschaft beleuchten. Vergangene Themen waren bspw. Frauen und Zwangsehen im Demokratischen Kampuchea oder Kindheit unter den Khmer Rouge.

Dieses Jahr beschäftigt sich die Sonderausstellung mit Returnees. Das sind Kambodschaner:innen, die vor der Herrschaft der Roten Khmer im Ausland gelebt haben (bspw. zum Studium oder als Diplomat:in) und sich nach der Machtübernahme der Roten Khmer dazu entschieden haben, nach Kambodscha zurückzukehren. Wie viele Kambodschaner:innen insgesamt zurückgekehrt sind, oder wie viele im Ausland gelebt haben, ist uns nicht bekannt, weil es darüber keine genauen Aufzeichnungen gibt. Ebenso können wir nicht mit Gewissheit sagen, wie viele der Returnees das Regime überlebt haben, weil es auch dazu keine Listen gibt.

Bislang sind Returnees noch nicht wirklich erforscht, von daher bestand ein großer Teil unserer Arbeit darin, zu recherchieren und Informationen zu finden. Ein bisschen hatte ich ja davon immer mal wieder erzählt. Es war für uns gar nicht so einfach, Informationen zu finden, weil - dadurch, dass es eben noch kaum Forschung zu dem Thema gibt - man nicht einfach nach Publikationen suchen und diesen dann die passenden Infos entnehmen kann. Deshalb möchte ich ein bisschen mehr über ein paar der für uns zentralen Quellen erzählen:


Im Archiv der ECCC habe ich das Interview von Neou Sarem gefunden. Sie ist aus Frankreich zurückgekehrt und hat die Khmer-Rouge-Herrschaft überlebt. In dem Interview gibt Neou Sarem zum einen einen tiefen Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt vor, während und nach ihrer Rückkehr nach Kambodscha und zum anderen berichtet sie sehr viel und sehr detailreich über das Leben der Returnees im Demokratischen Kampuchea. Über sie und ihre Geschichte schreibe ich demnächst noch einen separaten Artikel :). Natürlich ist dieses Interview "nur" eine einzelne, persönliche Perspektive und wie bei allen Zeitzeug:innengesprächen darf es nicht unhinterfragt bleiben; dennoch hat es für uns eine große Bedeutung.

Außer dem Interview mit Neou Sarem, haben wir Kontakt zu Sonny Thet bekommen. Manche kennen ihn vielleicht als Cellisten der Band "Bayon". Er kam aus Kambodscha 1969 in die DDR und hat sich entschieden, nicht zurück nach Kambodscha zu gehen. Mit ihm konnten wir selbst ein Zeitzeugengespräch führen, das war ein ganz besonderer Moment (und ich glaube eines meiner Highlights unserer Recherchen 😊). Sonny Thet konnte uns viel darüber erzählen, wie die allgemeine Stimmung und Informationslage mit Neuigkeiten aus dem Demokratischen Kampuchea war, sowie dazu, warum die Roten Khmer wollten, dass die Kambodschaner:innen aus dem Ausland zurückkommen und wie sie versucht haben, die Exil-Kambodschaner:innen zu einer Rückkehr zu bewegen.

Am Anfang des Artikels habe ich ja schon erwähnt, dass wir keine genauen Zahlen dazu haben, wie viele Kambodschaner:innen aus dem Ausland zurückgekehrt sind. Das heißt aber natürlich nicht, dass wir überhaupt keine Anhaltspunkte haben. Einer davon ist eine Dokumentenserie, die im Documentation Center of Cambodia (kurz DC-Cam) aufbewahrt wird. Es sind Antragsformulare, mit denen die Exil-Kambodschaner:innen einen neuen Pass beantragt haben, um nach Kambodscha zurückkehren zu können. Diesen Antrag mussten alle Returnees stellen, da der Pass der Republik Khmer (1970-1975) nach der Machtübernahme der Roten Khmer nicht mehr gültig war.

Weil die Khmer Rouge nicht viele diplomatische Vertretungen unterhielten, mussten die meisten Menschen für diesen Antrag nach Paris reisen. Von dort kommen die nun in DC-Cam archivierten Dokumente. Auf diesen Dokumenten sind viele Informationen zu den jeweiligen Personen vermerkt, bspw. Ausreisedatum und -grund, Beruf, Eltern, Meldeadresse im Ausland oder das Alter, deshalb konnten wir dank der Anträge einige statistische Daten über die Returnees erheben.

Allerdings sind die Dokumente nicht vollständig (meine persönliche Schätzung ist, dass nur ca. 1/3 im DC-Cam erhalten ist), das heißt, auch die Statistiken sind nur bedingt aussagekräftig. Dennoch konnten wir daraus einige interessante Informationen ziehen, z.B. dass auch Returnees aus den USA für den Antrag nach Paris reisen mussten, damit sie anschließend über Peking zurück nach Phnom Penh fliegen konnten.

Daneben waren, vor allem für die Erforschung persönlicher Schicksale, auch die Dokumente aus dem Archiv des Tuol Sleng-Museums logischerweise sehr relevant für unsere Recherchen, vor allem die "Geständnisse", in denen die Häftlinge von S-21 unter Folter ihren "gestehen" mussten, die Revolution hintergangen zu haben. Im Fall der Returnees bestand der Vorwurf der Roten Khmer meist in Geheimdienstaktivitäten, wahlweise für CIA, KGB, Vietnam oder auch mehrere davon.

Natürlich haben wir noch mehr Quellen verwendet, aber die, die ich hier vorgestellt habe, sind diejenigen, mit denen ich mich am meisten beschäftigt habe und die für unsere Ausstellung insgesamt von zentraler Bedeutung sind 🙂

Da es "nur" eine Sonderausstellung ist, wird unsere Ausstellung logischerweise nicht riesig. Uns stehen zwei Räume zur Verfügung, die wir unterschiedlichen Schwerpunkten gewidmet haben.

Im ersten Raum dreht sich alles um Returnees allgemein. Soweit wir dazu eine Aussage treffen können, gibt es ein paar statistische Daten: Wer waren die Menschen? Welche Berufe übten sie aus? In welchem Land haben sie vor ihrer Rückkehr gelebt? Daneben beschäftigen wir uns mit den Gründen für die Rückkehr und die Rolle, die die Propaganda der Khmer Rouge dabei gespielt hat. Dahingehend stellt sich natürlich auch die Frage, warum die Roten Khmer überhaupt wollten, dass Kambodschaner:innen aus dem Ausland zurückkehren. Abschließend geht es im ersten Raum um den Prozess der Repatriierung, also von der persönlichen Entscheidung, nach Kambodscha zurückzukehren bis zur Ankunft in Phnom Penh.


Der zweite Raum befasst sich mit Returnees, die in S-21 inhaftiert, gefoltert und ermordet worden sind. Dabei liegt unser Fokus auf persönlichen Schicksalen - Geschichten von Menschen, die voller Hoffnung, ihr Land zu unterstützen und ihre Familie wiederzusehen, nach Kambodscha zurückgekehrt sind. Stattdessen wurden sie zu Zwangsarbeit verpflichtet und schließlich in S-21 gefoltert und getötet.

So viel erstmal zu Idee und Struktur unserer Ausstellung, inhaltliche Infos zu den Returnees gibt es demnächst in einem separaten Blogartikel😉. Für mich war und ist die Arbeit an der Ausstellung eine sehr spannende Erfahrung und ich kann viel aus diesem Jahr mitnehmen - sowohl in Bezug auf Organisation und Projektplanung als auch in Sachen Recherche- und Forschungsarbeit 😊

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