Ieng Sary - der Außenminister
- 13. Juni
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Frühes Leben und Studienzeit
Ieng Sary, auch bekannt als Kamerad Vann, wurde am 24. Oktober 1925 als Kim Tran in der südvietnamesischen Provinz Tra Vinh geboren. In den 1940er Jahren besuchte er die Sisowath High School in Phnom Penh, 1950 erhielt er ein Stipendium für ein Studium an der politikwissenschaftlichen Universität Sciences-Po in Paris. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits mit Khieu Thirith (Nach der Hochzeit hieß sie Ieng Thirith) verlobt, die er 1953 in Frankreich heiratete.
Während seiner Studienzeit in Frankreich war Ieng Sary aktives Mitglied und Anführer des dort gegründeten marxistisch-leninistischen Zirkels, an dem viele spätere Khmer Rouge-Kader regelmäßig teilnahmen. Im Jahr 1951 trat er auch der Kommunistischen Partei Frankreichs bei, die in dieser Zeit als eine der radikalsten Kommunistischen Parteien in Westeuropa angesehen wird.
Rückkehr nach Kambodscha
Nach Abschluss seines Studiums kehrte Ieng Sary 1957 zurück nach Kambodscha und trat dort der Revolutionären Volkspartei Khmer bei. Beim ersten Parteikongress 1960 wurde Ieng Sary ins Zentralkomitee sowie in den Ständigen Ausschuss, die zwei zentralen Entscheidungsorgane der Partei, gewählt.
Seit seiner Rückkehr aus Frankreich unterrichtete Ieng Sary an der Kampuchea High School, bis er 1963 zusammen mit Pol Pot in den Dschungel im Nordosten Kambodschas floh. Dort wurde er 1966 Militärbeauftragter der Nordostzone.
Nach dem Putsch Lon Nols im Jahr 1970 trat Ieng Sary der Vereinten Nationalen Front Kampucheas bei. Als Teil einer offiziellen Delegation reiste er im selben Jahr nach Hanoi und Peking. Ein Jahr später wurde Ieng Sary Beauftragter für die Beziehungen mit Prinz Norodom Sihanouk sowie Spezialgesandter für den inneren Widerstand in Peking. Als Teil der Exilregierung, die die Khmer Rouge in Kooperation mit Prinz Sihanouk gegen Lon Nol gegründet hatten, war Ieng Sary von 1971 bis 1975 offizieller Gesandter in Peking. In dieser Zeit reiste Ieng Sary mit offiziellen Delegationen unter anderem nach Nordvietnam, Nordkorea, Albanien sowie in einige europäische und afrikanische Länder.
Im Juni 1974 nahm Ieng Sary auch an einem Treffen mit Khieu Samphan teil, bei dem entschieden wurde, dass Phnom Penh evakuiert werden sollte.
Ieng Sary's Rolle im Demokratischen Kampuchea
Nach der Machtübernahme durch die Roten Khmer wurde Ieng Sary am 12. August 1975 zum stellvertretenden Premierminister und Außenminister ernannt, nach der Einführung der neuen Verfassung wurde diese Rolle 1976 bestätigt.
In seiner Zeit als Außenminister vertrat Ieng Sary das Demokratische Kampuchea in der Weltöffentlichkeit. Er nahm an Treffen der UN-Generalversammlung in New York teil, organisierte Staatsbesuche und empfing ausländische Delegationen im Demokratischen Kampuchea.
Neben zahlreichen Besuchen in China reiste Ieng Sary unter anderem nach Laos, Thailand, Singapur, Malaysia, Pakistan, Nordkorea, Japan, Indonesien und die Philippinen. In der Anfangszeit gab es auch einige Staatsbesuche in Vietnam, das endete allerdings mit Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Vietnam im Dezember 1977, den Ieng Sary persönich über das Radio verkündete. Außer den Staatsbesuchen nahm Ieng Sary an zwei internationalen Konferenzen der Gemeinschaft der blockfreien Staaten teil, im August 1975 in Lima (Peru) sowie im Juli 1978 in Belgrad (Jugoslawien).
Eine seiner Aufgaben als Außenminister waren neben der Repräsentation des Demokratischen Kampuchea im Ausland der Empfang ausländischer Delegationen. Von 1975 bis 1978 empfing das Demokratische Kampuchea Delegationen aus Zambia, Schweden, Tunesien, Afghanistan, Ägypten, Burma, Japan, China, Finnland, Dänemark und Norwegen, außerdem den Außenminister Jugoslawiens und Präsidenten Rumäniens sowie Mitglieder der Kommunistischen Partei Italiens.
Neben seinen Aufgaben als Außenminister nahm Ieng Sary am ersten (und einzigen) Treffen der Versammlung der Volksvertreter des Demokratischen Kampuchea am 11. April 1976 teil und im September 1978 hielt er persönlich ein Seminar im Umerziehungslager in Boeng Trabek.
Im Oktober 1978 lud Ieng Sary den Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kurt Waldheim, ein, Kambodscha zu besuchen. Kurz darauf erklärte er, dass auch westliche Journalisten willkommen seien, Kambodscha zu besuchen und dass das Demokratische Kampuchea gute Beziehungen zu den USA begrüßen würde.
Am dritten Januar 1979, vier Tage vor dem Einmarsch der vietnamesischen Armee in Phnom Penh, rief Ieng Sary den UN-Sicherheitsrat an und bat ihn, den Konflikt in Indochina zu lösen und die "Aggression" Vietnams (und der Sowjetunion) gegen Kambodscha zu beenden.
Am 14. Januar traf sich Ieng Sary mit dem chinesischen Vize-Premierminister, um eine Strategie für den anstehenden Guerilla-Kampf gegen die vietnamesische Armee zu entwickeln. Kurz darauf floh er vor der vietnamesischen Armee aus Phnom Penh. In der Provinz Pursat traf er Nuon Chea, Khieu Samphan und Pol Pot. Mit ihnen lebte er die folgenden Jahre an der thailändischen Grenze.
Verurteilung
Im August 1979 wurde Ieng Sary vom Revolutionären Volksgericht, das unter der vietnam-gestützten Regierung eingerichtet wurde, wegen Genozids in absentia zum Tod verurteilt, ebenso wie Pol Pot. Knapp zwei Jahrzehnte später, im August 1996, lief Ieng Sary zur königlichen Regierung über und wurde im September begnadigt, sodass das Urteil aus dem August 1979 bedeutungslos wurde.
Im Rahmen des UN-gestützten Khmer-Rouge-Tribunals wurde Ieng Sary am 14. November 2007 wegen schwerer Verstöße gegen die Genfer Konventionen von 1949 (Kriegsverbrechen), Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit inhaftiert. Am 15. September 2010 erhob das Gericht Anklage. Die Ermittlungen der Staatsanwälte ergaben, dass Ieng Sary mutmaßlich verantwortlich war für die Verbrechen in Kooperativen, Arbeitsstätten und Gefängnissen. Außerdem habe er von den Plänen Angkars, alle "Feinde der Revolution" zu töten sowie den Zuständen in den Gefängnissen gewusst. Zusätzlich habe er die Diskriminierung der vermuteten Feinde und Denunziation innerhalb der eigenen Bevölkerung befürwortet und durch Indoktrinationssitzungen unterstützt.
Ieng Sary starb eines natürlichen Todes am 14. März 2013. Infolgedessen wurde der Prozess gegen ihn ohne Urteil beendet.
Quellen:
ECCC research, Annex B, Facts Related to Ieng Sary, D4.1.1089, https://archive.eccc.gov.kh/documents/2636840?title=D4.1.1089&matterId=49
Titelbild: Portrait von Ieng Sary bei den Gerichtsverhandlungen am Khmer-Rouge-Tribunal, URL: https://tse4.mm.bing.net/th/id/OIP.LEASmJOGZoQ2ZgN0GSLJJQHaE7?r=0&cb=thfvnextfalcon&pid=Api (29.05.2026)


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