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Pol Pot - Bruder Nummer Eins

  • 6. Juni
  • 5 Min. Lesezeit

Kindheit und Bildung

Pol Pot wurde als Saloth Sar am 19. Mai 1925 in der Provinz Kampong Thom geboren. Sein Vater war ein relativ vermögender Landbesitzer. Im Alter von sechs Jahren schickte er Saloth Sar an den Königspalast in Phnom Penh zu dessen Bruder. Dort besuchte er zunächst die Ecole Miche, eine römisch-katholische Schule, später die Russey Keo Technical School.

Im Jahr 1949 erhielt Saloth Sar ein Stipendium, um in Paris Radio und Elektrizität zu studieren. Dort wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei (KP) und begann, sich politisch zu engagieren. Bei den Treffen des Pariser Zirkels lernte er viele seiner späteren Mitstreiter:innen und ebenfalls führende Persönlichkeiten im Demokratischen Kampuchea kennen. Gemeinsam mit Ieng Sary besuchte Saloth Sar 1951 ein internationales Treffen der kommunistischen Jugend in Ost-Berlin. Dieses wird als Wendepunkt gesehen, denn seitdem war Saloth Sar überzeugt davon, dass eine strikte Parteihierarchie und Gewaltbereitschaft notwendig sind, um eine Revolution durchzuführen.

Im Anschluss an das Jugendfestival transformierte er mit Ieng Sary die Khmer Studierendenvereinigung zu einer Austauschplattform für linke und nationalistische Ideen. Da sein Fokus auf den politischen Aktivitäten lag, fiel Saloth Sar mehrfach durch die Prüfungen und verlor infolgedessen sein Stipendium.

politische Untergrundaktivitäten

Nach Verlust seines Stipendiums kehrte Saloth Sar im Januar 1953 gezwungenermaßen nach Kambodscha zurück. Unterschiedliche Quellen sagen Verschiedenes darüber, wie er dort sein Geld verdiente. Manche sagen, er arbeitete als Journalist, einige sagen, er habe Geschichte und Erdkunde an einer Privatschule in Phnom Penh unterrichtet.

Abgesehen davon war er zweifelsfrei weiterhin in der kommunistischen Bewegung aktiv. Aufgrund der Repressionspolitik von Prinz Sihanouk verlagerten sich die Aktivitäten in den Untergrund, aber Saloth Sar war aktiv an der Gründung der Revolutionären Volkspartei Khmer beteiligt und hielt ihre Aktivitäten federführend in der Hand. Im Jahr 1956 heiratete er Khieu Ponnary, die Schwester von Ieng Thirith. Sie hatte ebenfalls in Paris studiert, wo sich die beiden auch kennengelernt hatten und sie kämpfte wie Saloth Sar für den Kommunismus.

Im Jahr 1960 wurde Saloth Sar zum dritten Mann in der Arbeiterpartei Kampuchea (später Kommunistische Partei genannt) gewählt, ein Jahr später stieg er zum zweiten Mann der Partei auf und 1963 wurde er der Generalsekretär der Partei. Vor den zunehmenden Repressionsmaßnahmen durch Prinz Sihanouk floh Saloth Sar mit anderen Parteikadern aus der Hauptstadt an die Grenzregionen zu Vietnam und richtete dort die Parteizentrale ein. Ab diesem Zeitraum nahm er seinen Revolutionsnamen Pol Pot an.

In den folgenden Jahren absolvierte Pol Pot einige Auslandsreisen, unter anderem nach Vietnam, China und Nordkorea. Durch diese Reisen wurden einerseits seine intensive anti-vietnamesische Haltung, die auch in der Ideologie der Khmer Rouge eine große Rolle spielt, und andererseits seine pro-chinesische Einstellung geprägt. Bei seinem Besuch in China konnte er die Kulturrevolution von Mao Zedong miterleben, die Pol Pot sich daraufhin zum Vorbild für seine eigene Revolution in Kambodscha nahm.

Bürgerkrieg und Machtübernahme

Nach dem Putsch des Generals Lon Nol im Jahr 1970 führte Pol Pot seine Guerilla-Kämpfer in den Krieg gegen die staatlichen Truppen - sehr erfolgreich. Zum Ende des Jahres 1973 kontrollierten die Khmer Rouge 85% der kambodschanischen Gebiete.

Im April 1975 übernahmen die Roten Khmer auch in den Städten die Macht, sodass sie landesweit mit den sozialen Umstrukturierungen beginnen konnten. Die Khmer Rouge unter Pol Pot verfolgten dabei das Ziel, Kambodscha zu einem kommunistischen Agrarstaat zu transformieren, in dem alle Menschen gleich sind und soziale Herkunft keine Rolle spielt. Daneben sollte die kambodschanische Gesellschaft von jeglichen (kapitalistischen, negativen) Einflüssen aus dem Ausland "gesäubert" werden. Deshalb wurden Botscchaften geschlossen, Menschen anderer Nationalität abgeschoben, die Nutzung von Fremdsprachen verboten sowie ausländische Unterstützung in Form von Sach- und Geldspenden oder medizinischem Equipment abgelehnt.

Pol Pot nannte das Jahr der Machtübernahme "Year Zero", um den Beginn einer neuen Zeit zu symbolisieren. Die politischen Maßnahmen der sozialen Umstrukturierung begannen mit Massenvertreibungen von Menschen aus den Städten auf das Land. Gleichzeitig wurde ein riesiges Lagersystem errichtet, in dem alle, die dem Staat gefährlich werden könnten, inhaftiert, gefoltert und ermordet wurden. Ab 1977 richtete sich diese Art der Verfolgung auf direkte Anweisung Pol Pots zunehmend auch gegen eigene Parteikader; schon kleinste Fehler konnten mit einer Hinrichtung bestraft werden. Diese Radikalität in den eigenen Reihen sollte auch als Abschreckung dienen, um Pol Pot und seine Führungsriege unangefochten zu lassen.

Während der Herrschaft der Khmer Rouge bekleidete Pol Pot das Amt des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei Kampuchea und seit 1976 des Premierministers des Demokratischen Kampuchea.

Sturz der Khmer Rouge und Exil

Die starke anti-vietnamesische Haltung Pol Pots und der von ihm angeordnete Angriff auf Vietnam im Jahr 1977 ließen den Konflikt zwischen beiden Ländern eskalieren. Als vietnamesische Truppen in einer Großoffensive im Dezember 1978 nach Kambodscha einmarschierten, war das Ende von Pol Pots Terrorherrschaft gekommen. Nicht mal einen Monat später, am siebten Januar 1979, nahmen die vietnamesischen Truppen Phnom Penh ein.

Pol Pot und weitere hohe Parteikader flohen vor der vietnamesischen Armee im Januar 1979 ins Exil nach Thailand. Von dort kämpften sie mit internationaler Unterstützung (u.a. Thailand, China, USA und BRD) gegen die Regierung der neu gegründeten "Volksrepublik Kampuchea", die mit Hilfe Vietnams errichtet worden war.

Nach dem Abzug der vietnamesischen Truppen im Jahr 1989 kehrten die Khmer Rouge nach Kambodscha zurück. Sie versuchten erneut, das Land unter ihre Kontrolle zu bringen, beherrschten aber nur kleine Gebiete an der Grenze zu Thailand.

Spätestens ab dem Jahr 1995 zerfiel die Bewegung der Roten Khmer vollends. Das hatte zwei Hauptgründe: Erstens verfolgte die neue Regierung einen Versöhnungspolitik, wodurch viele Parteikader (teilweise unter Garantie der Amnestie) den Khmer Rouge den Rücken kehrten und zweitens ließ Pol Pot zunehmend auch hohe Parteikader und seine ehemals engsten Vertrauten mit dem Vorwurf des Verrats hinrichten. Nach dem Mord an Son Sen und seiner Familie wurde Pol Pot deshalb von den anderen Khmer Rouge im August 1997 zu lebenslangem Hausarrest verurteilt.

Wenige Monate später starb Pol Pot, am 15. April 1998. Er starb an einem Herzinfarkt im Schlaf. Dieser kann natürlicher Ursache sein, der Herzinfarkt kann aber auch durch Medikamente - Suizid oder Mord - ausgelöst worden sein. Diese Frage bleibt ungeklärt, weil Pol Pot eingeäschert wurde, bevor eine Autopsie durchgeführt werden konnte.

Pol Pot, der auch als Bruder Nr. 1 oder Bruder Pol bekannt war, wurde nie für seine Taten zur Verantwortung gezogen. Zwar wurde er vom vietnamesisch-gestützten Volkstribunal im August 1979 in absentia wegen Genozids verurteilt, das Urteil wurde jedoch nie vollstreckt. Kurz vor seinem Tod zeigten sich die anderen Führungspersönlichkeiten der Roten Khmer bereit, Pol Pot an ein internationales Gericht zu übergeben - doch er starb, bevor das passieren konnte. Insbesondere deshalb gibt es die Vermutung, dass Pol Pot von anderen Parteikadern ermordet wurde, damit er ihre Verstrickungen nicht aufdecken konnte.

Quellen:

Pheng, Pong-Rasy u.a.: A History of the Democratic Kampuchea (1975-1979), hg. v. Documentation Center of Cambodia, Phnom Penh 2020².

Titelbild: Portrait von Pol Pot, https://tse1.mm.bing.net/th/id/OIP.XmAX-cUNNIOah3l5PgeZ1wHaJW?pid=Api (19.05.2026)





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