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Die kommunistische Bewegung in Kambodscha

  • 21. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Mit dem Begriff "Rote Khmer" (oder "Khmer Rouge") wird die kommunistische Bewegung in Kambodscha zur Zeit Pol Pots bezeichnet. Prinz Sihanouk prägte diesen Namen ab den späten 1960er Jahren für seine politischen Gegner von links, von der Bewegung selbst wurde der Begriff nie verwendet. Etwas spezifischer bezeichnet er heute die Mitglieder der kommunistischen Partei sowie die Führungspersönlichkeiten des Terrorregimes um Pol Pot.

Die Ursprünge der kommunistischen Bewegung in Kambodscha liegen jedoch weit vor dem Aufstieg von Pol Pot und seiner Clique - und der Blick dorthin lohnt sich, um die Entstehung der Khmer Rouge zu verstehen.

frühe kommunistische Bewegung

Durch zunehmende Bildung entstand in Kambodscha eine kleine, elitäre Schicht an gebildeten jungen Menschen, die sich mit der Idee von kambodschanischem Nationalismus beschäftigte. Lange Zeit war diese aber nicht mit einem Antikolonialismus verbunden und vor allem waren die Ideen nicht weit verbreitet. In den 1930er Jahren gründete die Kommunistische Partei Indochinas, die unter Ho Chi Minh vor allem in Vietnam verbreitet war, einige Parteizellen für vietnamesische Arbeitsemigranten in Kambodscha. Diese blieben aber weiterhin ohne große politische Bedeutung.

Erst mit dem Zweiten Weltkrieg verbreitete sich die Idee, sich von der französischen Kolonialherrschaft zu befreien, in der kambodschanischen Bevölkerung. Vor allem die landwirtschaftliche Bevölkerung - und das war in diesem Zeitraum eine überwältigende Mehrheit - unterstützte die Wiederherstellung einer Monarchie.

Ein möglicher weiterer Grund lag in der Zerstörung des Bildes der westlichen Überlegenheit im Zweiten Weltkrieg. Vichy-Frankreich konnte seine Kolonien in Südostasien zwar halten, aber nur unter Aufsicht Japans, das in dieser Zeit die Vorherrschaft in Ostasien besaß und die französischen Truppen geschlagen hatte. Nach der Kapitulation Japans zum Ende des Zweiten Weltkriegs bauten die Franzosen ihre Kolonialherrschaft in Südostasien mit Hilfe Großbritanniens aber wieder auf und die Unabhängigkeitsbestrebungen waren gescheitert - vorerst.

Nach Vietnam und Laos gründete sich auch in Kambodscha in den 1940er Jahren eine Unabhängigkeitsbewegung, die "Khmer Issarak". Zwar wurde diese Front von einem kommunistischen Kambodschaner, Son Ngoc Minh, angeführt, aber zu dieser Zeit noch von Vietnamesen dominiert und sehr heterogen bezüglich der politischen Einstellungen.

Am 17. April 1950 wurden Kämpfer der Khmer Issarak mobilisiert, um gemeinsam mit den Vietminh gegen die französischen Truppen zu kämpfen. Ein Jahr später teilte sich die Kommunistische Partei Indochinas in einen vietnamesischen, einen laotischen und einen kambodschanischen Zweig, es war die Geburtsstunde der Revolutionären Volkspartei Khmer.

Gründung der Revolutionären Volkspartei Khmer (KPRP)

Mit Unterstützung aus Vietnam gründete sich 1951 unter Son Ngoc Minh die Revolutionäre Volkspartei Khmer (auf Englisch Khmer People's Revolutionary Party, KPRP). Nach dem Sieg über Frankreich und damit dem Ende des Ersten Indochina-Kriegs 1954 zogen sich die französischen Truppen aus Kambodscha zurück. Gemäß dem Genfer Abkommen verließen auch die vietnamesischen Kämpfer 1954 das Land.

Kambodscha wurde wieder zur Monarchie. Indolgedessen flohen über eintausend KPRP-Kader nach Vietnam, um die Revolution im Exil vorzubereiten. Nur einige wenige blieben in Kambodscha und hielten die Parteiaktivitäten dort aufrecht. Erwähnenswert sind hierbei vor allem Nuon Chea und Saloth Sar, die sich um die Parteiaktivitäten in Phnom Penh kümmerten.

Mit der neu gegründeten "People's Party" traten sie bei den nationalen Wahlen 1955 an. Im Vorfeld der Wahl versuchte Saloth Sar gute Verbindungen zu der demokratischen Partei aufzubauen. Er hoffte, diese würde die Wahl gewinnen und seiner eigenen Partei durch die guten persönlichen Beziehungen politischen Einfluss gewähren.

Allerdings sah das Wahlergebnis anders aus: Die Sozialistisch-Kommunistische Volkspartei Sangkum Reastr Niyum unter Prinz Sihanouk gewann alle Parlamentssitze. Infolgedessen zerfiel die Khmer Issarak Bewegung endgültig, nachdem das alle vereinende Ziel - die Unabhängigkeit Kambodschas - erreicht worden war. Ein Teil schloss sich der Regierung unter Prinz Sihanouk an, andere Mitglieder waren in Vietnam und wieder andere radikalisierten sich in Kambodscha.

Im Jahr 1956 lief der ehemalige Militärbeauftragte der KPRP, Sieu Heng, zur Sihanouk-Regierung über und verriet zahlreiche Parteikader, die daraufhin inhaftiert und getötet wurden. Laut Saloth Sar wurden bis 1960 90% der Parteikader hingerichtet und es gab nur noch 800 aktive Mitglieder.

Umbenennung in "Arbeiterpartei Kampuchea"

Der harte Schnitt durch die radikale Repressionspolitik von Prinz Sihanouk führte dazu, dass die Führungsriege der KPRP im September 1960 ein geheimes Treffen organisierte, bei dem die Neuausrichtung und Umbenennung der Partei beschlossen wurde. Hinter Tou Samouth als erstem Parteisekretär standen nun Nuon Chea und Saloth Sar an zweiter und dritter Stelle der Parteiführung. Nur zwei Jahre später wurde Saloth Sar nach dem Verschwinden Tou Samouths zum ersten Parteisekretär gewählt.

Saloth Sar oder Pol Pot?

Der bürgerliche Name des "Bruder Nummer Eins" ist Saloth Sar. Nach seiner Wahl zum ersten Parteisekretär der Arbeiterpartei Kampuchea zog er nach Ratanakiri an die vietnamesische Grenze. Es ist nicht klar, ab wann genau er seinen Namen änderte, aber ab diesem Zeitraum nannte er sich hauptsächlich Pol Pot. Spätestens ab seinen ersten Auslandsreisen, die danach folgten, nutzte er ausschließlich seinen "Revolutionsnamen" Pol Pot.

Neuausrichtung der Partei unter Pol Pot

Nach der Wahl zum Ersten Parteisekretär floh Pol Pot an die vietnamesische Grenze im Nordosten Kambodschas. Er gelangte über den Ho-Chi-Minh-Pfad nach Hanoi und hielt dort politische Gespräche mit der vietnamesischen Führungsriege. Anschließend besuchte er Nordkorea und China. Vor allem in China wurde er sehr herzlich empfangen. Infolgedessen beschloss Pol Pot, den Einfluss Vietnams in Kambodscha zu verringern und die kambodschanischen Beziehungen zu China zu stärken.

Als Pol Pot 1966 von diesen Reisen zurückkehrte, veranlasste er die Umbenennung der Partei in "Kommunistische Partei Kampuchea" (KPK) - ein erster, symbolischer Schritt, um mit Vietnam zu brechen und sich China anzunähern. Das Zentralkomittee der Partei bestand zu diesem Zeitpunkt aus Pol Pot, Nuon Chea, Ieng Sary, Vorn Vet und Son Sen - alles hoch gebildete Menschen, die sich während ihres Studiums in Paris dem Kommunismus angeschlossen haben.

In den späten 1960er Jahren schlossen sich immer mehr Menschen der KPK an, vor allem in den ländlichen Gebieten an der Grenze zu Vietnam. Das Hauptquartier der Khmer Rouge lag ebenfalls dort, in der Provinz Ratanakiri. In diesem Zeitraum entstand die Bezeichnung "Khmer Rouge", die von Prinz Sihanouk erstmals verwendet und geprägt wurde.

Die Khmer Rouge sind Teil der kommunistischen Bewegung in Kambodscha. Lange Zeit spielten sie keine Rolle in der kambodschanischen Politik. Das änderte sich erst zum Ende der 1960er Jahre, als Prinz Sihanouk an Zustimmung in der Bevölkerung verlor. Diese Unzufriedenheit nutzten die Khmer Rouge für sich und entwickelten sich zu einer Massenbewegung, die letztlich den Bürgerkrieg gegen die staatlichen Truppen Lon Nols gewann und im April 1975 eine Terrorherrschaft errichtete.

Quellen:

Bultmann, Daniel: Kambodscha unter den Roten Khmer. die Erschaffung des perfekten Sozialisten, Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2017.

Pheng, Pong-Rasy u.a.: A History of the Democratic Kampuchea (1975-1979), hg. v. Documentation Center of Cambodia, Phnom Penh 2020².

Titelbild: Die Flagge des Demokratischen Kampuchea, https://tse4.mm.bing.net/th/id/OIP.AvYRvDo4Txk0EgwZFCFtVQAAAA?pid=Api (17.04.2026)

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