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Pchum Ben, das Fest der Ahnen

  • 12. Okt. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Jan.

Schon mehrfach habe ich das Fest erwähnt und darauf verwiesen, dass es einen eigenen Artikel dazu geben wird. Et voilà, hier sind die Hintergründe und Traditionen von Pchum Ben. Wie viele Personen das Fest und die Traditionen noch aus Glaubensgründen begehen, weiß ich nicht genau. Ich denke, das ist ähnlich wie bei uns mit Weihnachten, viele Menschen feiern es, ohne an die Geburt Christi zu glauben. Dennoch ist es eines der höchsten Feste in Kambodscha. Zu Pchum Ben gibt es drei Feiertage, viele Schulen haben sogar die ganze Woche Ferien.

Jetzt zu der Frage, was zu Pchum Ben eigentlich gefeiert wird: Im Buddhismus ist der Glaube an die Wiedergeburt zentral. Das bedeutet, man glaubt, die Seele eines Menschen (Atman) werde nach dessen Tod in einem anderen, nicht unbedingt menschlichen, Körper weiterleben. Allerdings kann es sein, dass die Seelen der Verstorbenen umherirren, bspw. weil sie nicht nach buddhistischen Traditionen bestattet wurden. Während der 15 Tage zu Pchum Ben glaubt man die Tore zur Hölle, in der diese Seelen gefangen sind, geöffnet. Aus diesem Grund besuchen Familienangehörige die Pagoda, spenden Essen und beten, in der Hoffnung, ihre Vorfahren dadurch befreien zu können.

In dieser Form ist Pchum Ben ein weltweit einzigartiges Fest, da es chinesische, hinduistische, buddhistische und animistische Traditionen vereint. Soweit ich weiß, gibt es zwar auch in bspw. Sri Lanka ähnliche Traditionen, aber so groß wie in Kambodscha wird Pchum Ben nirgends gefeiert.

Nach dem morgendlichen Besuch der Pagoda gibt es in aller Regel ein großes Familienfest. Viele, die zum Arbeiten in der Stadt wohnen, nutzen diese Gelegenheit, um ihre Familie wiederzusehen. Deshalb war Phnom Penh während dieser Tage auch relativ leer und die Fernbusse ganz schön ausgebucht.

Im Museum des ehemaligen Gefängnisses S-21 findet jedes Jahr eine große Zeremonie zu Pchum Ben statt, für alle Menschen, die die Roten Khmer dort umgebracht haben, aber auch stellvertretend für alle, die an anderen Orten umgebracht und nicht ordnungsgemäß bestattet wurden.  Dort sind auch wichtige öffentliche Personen anwesend, wie zum Beispiel Abgeordnete des Ministry of Culture and Fine Arts, dem das Museum untergeordnet ist, aber auch – und das ist dem Museumsdirektor sehr wichtig – Menschen aus der Nachbarschaft, denn die Zeremonie soll eben nicht nur auf offizieller Ebene stattfinden, sondern auch in der Bevölkerung verankert werden.

Einen Teil der Zeremonie im Museum gab es schon freitagnachmittags, der Hauptteil spielte sich aber erst samstags ab. Als ich also Samstagfrüh (gegen 06:30h) im Museum ankam, war alles schon bereit: Es gab ein großes Zelt, das mit Tüchern behangen war, einen großen Opferaltar und noch einen zweiten großen Opferaltar und Plätze für sieben Mönche drinnen. Warum genau es sieben sind, weiß ich nicht. Ich habe gelesen, dass man zu Pchum Ben für seine Vorfahren der letzten sieben Generationen beten kann, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob das stimmt.

Draußen waren außerdem ganz viele Tische und Stühle bereitgestellt, denn zu Beginn gab es erstmal Frühstück für alle. Das Frühstück bestand aus einer Suppe mit allen möglichen Sorten Fleisch und Fisch sowie Reis. Es war nicht ganz das, was ich mir unter Reisporridge vorgestellt hatte, aber es war lecker. Danach fand die große Zeremonie statt.

In dem Raum, der eigentlich der Konferenzraum ist, saßen sieben Mönche, denen Lebensmittel gespendet wurden und wir saßen dort und haben, für die Opfer der Roten Khmer gebetet. Anschließend wurde vor allen ehemaligen Gefängnisgebäuden, die heute zum Museum gehören, und dem Denkmal der Ermordeten gedacht und für ihre Seelen gebetet. Zum Abschluss der Zeremonie sind die Mönche einmal durch das Zelt gelaufen und haben Spenden bekommen, unter anderem Reis, andere Lebensmittel, Geld,...; das war ganz unterschiedlich.

Für mich war das ein total spannender Einblick in die buddhistische Tradition, auch wenn ich an mancher Stelle ein bisschen lost war, weil ich keine Ahnung hatte, wie so eine Zeremonie abläuft oder wie man sich am besten verhält. Das einzig wichtige ist aber eigentlich: Schuhe ausziehen. Wann immer man einen buddhistischen Tempel, eine Pagoda oder in diesem Fall das Zelt betritt, sollte man die Schuhe ausziehen. Ansonsten hilft immer, sich an den anderen zu orientieren und das einfach nachzumachen. Und als ich nach der Bedeutung von Ritualen gefragt habe, habe ich auch sehr nette Antworten bekommen :-) Überrascht hat mich, dass der normale Museumsbetrieb einfach weitergelaufen ist, sowohl freitags als auch samstags sind also zwischen den Gästen auch „normale“ Besucher*innen herumgelaufen. 


Internetquellen (die ich als Ergänzung zu Unterhaltungen mit Locals genutzt habe):


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