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Mein erster Arbeitstag

  • 18. Sept. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 25. Sept. 2025

Am Morgen des 11. September habe ich mich voller Vorfreude, aber vielleicht auch ein bisschen nervös, zum Tuol Sleng Genocide Museum aufgemacht. Da es von unserer Wohnung gar nicht so weit weg ist, habe ich beschlossen, zu laufen.


Als ich dort angekommen bin, wurde ich erstmal von einer Kollegin und dem Gedenkstättendirektor empfangen. Nach einem ausführlichen und sehr netten Gespräch über die verschiedenen Möglichkeiten, mich einzubringen und generell den Aufbau der Gedenkstätte habe ich mir zunächst die Dauerausstellung und die aktuelle Wechselausstellung angeschaut. Da diese Woche recht viel los war, habe ich noch nicht alle Kolleg*innen und mögliche Arbeitsbereiche kennengelernt, aber das ändert sich nächste Woche. Und ich freue mich schon sehr darauf. Wie gesagt, diese Woche waren viele Kolleg*innen entweder mit dem Fertigstellen einer kleinen Ausstellung als Resultat eines Workshops oder den Vorbereitungen für die Pchum-Ben-Zeremonie beschäftigt. Zu Pchum-Ben an anderer Stelle mehr.

Das Tuol Sleng Genocide Museum ist die nationale Gedenkstätte für die Opfer des Terrorregimes der Roten Khmer (auch Khmer rouge). Sie wurde schon 1979 eröffnet und befindet sich an dem Ort, wo die Roten Khmer zahlreiche Menschen inhaftiert, gefoltert und getötet haben: im Foltergefängnis S-21. Insgesamt waren hier von 1975-1979 18.063 Personen inhaftiert, davon waren ca. 36% Mitglieder der "Revolutionsarmee Kampucheas", die als Verräter galten und deshalb dorthin gebracht wurden. Weitere ca. 28% waren Mitglieder der Regierung der Roten Khmer und 200 Gefangene waren ehemalige Mitarbeitende des Gefängnisses.

Viele bezeichneten S-21 als das Gefängnis, wo man hineingeht, das man aber nie wieder verlässt. Dies bezieht sich auf die extrem hohe Sterberate, die bei nahezu 100% liegt. Von den rund 18.000 Gefangenen haben nur 12 überlebt, vier davon waren Kinder.

Nach der Ankunft in S-21 warteten schlimmste psychische und physische Folter auf die Gefangenen. Die Roten Khmer verfolgten dabei das Ziel, die Gefangenen zu einem Geständnis zu bewegen. Hierbei spielte es keine Rolle, ob das Geständnis der Wahrheit entsprach, heute weiß man von vielen Personen, die sich Geschichten über Verstrickungen mit der CIA oder anderen Geheimdiensten ausgedacht haben, um den Höllenqualen der Folter zu entgehen. Wenn ein Gefangener ein Geständnis abgelegt hatte, musste er es mit einem Daumenabdruck „unterschreiben“. Danach wurden die Gefangenen umgebracht, weil die Roten Khmer nichts mehr mit ihnen anzufangen hatten.

Als im Januar 1979 die vietnamesische Armee näher rückte und den Roten Khmer klar wurde, dass sie die Übernahme Phnom Penhs durch die vietnamesische Armee nicht verhindern können, brachten sie auf den „killing fields“ viele der noch lebenden Gefangenen um, um ihre Spuren zu verwischen. Denn eine Devise der Roten Khmer beim Foltern war, dass Gefangene nicht durch die Folter sterben durften. In diesem Sinne wurden auch zahlreiche Maßnahmen ergriffen, die verhindern sollten, dass die Gefangenen Suizid begehen. Dass diese recht effektiv waren, zeigt sich daran, dass es lediglich einer Gefangenen im Laufe der knapp vier Jahre gelang, den Wärtern zu entwischen und sich vom Dach zu stürzen.

Die vietnamesische Armee entdeckte das Foltergefängnis schließlich im Januar 1979, Ende des Jahres wurde es bereits als Gedenkstätte eröffnet. Seitdem hat sie sich stetig weiterentwickelt: Seit 2009 gehört das Archiv, in dem die Unterlagen des Gefängnisses aufbewahrt und digitalisiert werden, zum UNESCO-Weltgedächtnis und erst dieses Jahr wurden die Gebäude des ehemaligen Gefängnisses in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Die Gedenkstätte bietet verschiedene Möglichkeiten zu einem Besuch, daneben gibt es Räume für Bildungsprojekte oder Workshops. Im Innenhof der Anlage stehen Bänke und Bäume, die an die Zeit vor den Roten Khmer erinnern, als die Gebäude noch eine Schule beherbergten. Sie laden ein, sich zwischendurch einen Moment Zeit zu nehmen, um durchzuatmen und das neu Erfahrene zu verarbeiten.

Nach der Mittagspause habe ich mir die Ausstellung noch einmal etwas intensiver angeschaut, zumindest habe ich damit angefangen, denn der zugehörige Audioguide dauert ganze zweieinhalb Stunden… Es wird noch ein bisschen dauern, bis ich in allen Räumen einmal war, aber ich habe ja auch genug Zeit, mir alles in Ruhe anzuschauen. Danach war mein erster Arbeitstag schon wieder vorbei und ich freue mich jetzt fast noch mehr auf die Arbeit im Museum als vorher, weil ich das Gefühl habe, dass sie sehr bereichernd wird und ich sehr viel lernen kann.


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