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Recap Woche 11: Mobile Museum

  • 3. Dez. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 16. Jan.


Nach dem aufregenden Wochenende in Kampong Speu ging es für mich montags für das „Mobile Museum“ gleich wieder nach Kampong Speu.

Kampong Speu ist eine der 25 Provinzen in Kambodscha. Die Provinzen sind nach der landesweiten Regierung die nächstgrößere Verwaltungsinstanz, sie sind in der Hinsicht also vergleichbar mit den Bundesländern in Deutschland. Allerdings haben die Provinzen – anders als die Bundesländer in Deutschland – keine Legislativgewalt.

Montagmorgens bin ich also, diesmal zusammen mit meinen Kolleg:innen, wieder nach Kampong Speu gefahren, aber in einen anderen Ort. Das Konzept vom „Mobile Museum“ ist folgendes: Es gibt ein großes Ausstellungszelt, in dem eine speziell dafür konzipierte Ausstellung allen Schüler:innen für einen Besuch offensteht. Neben dem historischen Wissen zu den Khmer Rouge stellen auch das Archiv- und das Konservierungsteam ihre Arbeit vor.

Neben diesem offenen Zelt gibt es einen Workshop für 40 Schüler:innen der zwölften Klasse, die sich zwei Tage lang intensiv mit der Geschichte der Khmer Rouge allgemein, Office S-21 und der Geschichte auf lokaler Ebene beschäftigen. Für den lokalen Teil konnten wir dieses Mal einen Ausflug zu dem ehemaligen Gefängnis M-13 machen, das nicht weit von der Schule entfernt liegt. Dazu aber später mehr.

Nach dem Mittagessen sind wir also erstmal in die Schule gefahren und haben uns die Örtlichkeiten für das „Mobile Museum“ angeschaut. Die Schule besteht aus vier Gebäuden, eines für die Verwaltung, die anderen drei für Unterricht. Dazwischen ist Grünfläche und es gibt ein paar Bänke und Tische. Die wurden in der Zeit, als ich da war aber gar nicht so viel genutzt, denn anders als in Deutschland verbringen die Schüler:innen außerhalb des Unterrichts nicht viel Zeit in der Schule. Das liegt daran, dass die jüngeren Klassen Schichtunterricht haben, das heißt, entweder nur morgens (von sieben bis elf) oder nur nachmittags (von zwei bis fünf oder sechs) unterrichtet werden. Wie der Schuldirektor erzählt hat, wurde es erst vor ein paar Jahren eingeführt, dass die Oberstufe vor- und nachmittags Unterricht hat. Dementsprechend ist in der Mittagszeit kaum jemand in der Schule.

In der Schule müssen alle Schuluniformen tragen, in diesem Fall waren das ein weißes Hemd/eine weiße Bluse und eine schwarze Hose bzw. ein schwarzer Rock. Und dabei gilt für alle Mädchen (und für die Lehrerinnen auch) die Pflicht, einen Rock zu tragen. Das hat mich überrascht, also die Schuluniform nicht, die ist in Kambodscha sehr üblich, aber dass es die Pflicht gibt, einen Rock zu tragen, schon. Denn bei uns im Museum zum Beispiel gibt es auch den Dresscode schwarze Hose/schwarzer Rock und hellblaues Hemd/Bluse, aber es steht mir und meinen Kolleginnen frei, ob wir einen Rock oder eine Hose tragen wollen.

Dienstags waren wir dann mit dem Aufbau der Ausstellung und der Vorbereitung des Workshops beschäftigt, damit wir das „Mobile Museum“ pünktlich mittwochmorgens eröffnen konnten.

Nach der Eröffnungsveranstaltung habe ich den Vormittag an der „Rezeption“ verbracht, das heißt, ich habe die Schüler:innen gebeten, ihre Namen in die vorbereiteten Listen einzutragen. Außer, dass ich Nachfragen nicht beantworten konnte😅 und die Listen teilweise ziemlich chaotisch nummeriert wurden, weil es soooo viele Kinder waren, hat das auch gut funktioniert. Allein an diesem Morgen haben schon knapp 350 Schüler:innen verschiedensten Alters die Ausstellung besucht. Nach den zwei Tagen waren es rund 750, das sind drei Viertel der gesamten Schüler:innenschaft, also ein großer Erfolg!

Den Nachmittag und den kompletten Donnerstag habe ich an dem Workshop teilgenommen. Wobei „teilgenommen“ das falsche Wort ist; meine Rolle war eher beobachtender Natur. Ich fand das sehr spannend, weil ich einige der Methoden schon aus Workshops, an denen ich selbst teilgenommen habe, kannte. Jetzt konnte ich mich ein bisschen tiefer damit beschäftigen, welche Vor- und Nachteile diese vielleicht mit sich bringen und das ganze Geschehen generell aus einer anderen Perspektive betrachten. Nachmittags ging es in dem Workshop um das ehemalige Gefängnis S-21 und seine Geschichte, bevor wir donnerstags zu dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses M-13 gefahren sind.

M-13 war ein Gefängnis, das die Roten Khmer von 1970 bis 1975 (also vor ihrer „offiziellen“ Herrschaft) unterhielten. Der Direktor dieses Gefängnisses war Duch, der 1975 der Leiter von S-21 wurde. Vor diesem Hintergrund kann M-13 als „Vorgänger“ von S-21 gesehen werden, da dort verschiedene Methoden zur Folter und Inhaftierung ausprobiert wurden, die später in S-21 Anwendung fanden. Heute ist von diesem Gefängnis nichts mehr übrig. Und damit meine ich wirklich nichts. Ohne das Wissen, dass dort vor 50 Jahren Menschen misshandelt wurden, könnte man meinen, es sei einfach nur ein schönes Parkgrundstück. Bislang gibt es dort noch keine Infotafeln oder Ähnliches, denn die Forschung zu M-13 steckt noch in den Kinderschuhen. Erst in dem Gerichtsverfahren gegen Duch vor dem ECCC fand M-13 erstmals öffentlich Erwähnung, soweit ich weiß. Nächstes Jahr gibt es wahrscheinlich nach 2023 die zweite Ausgrabung dort, um nach menschlichen Überresten zu suchen und so mehr über die Inhaftierungsverhältnisse herauszufinden. M-13 ist also eine Gedenkstätte im Aufbau, die zusammen mit Tuol Sleng und Choeung Ek dieses Jahr in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

Auch wenn es noch keine Flyer oder Infomaterialien zu M-13 gibt, konnten die Schüler:innen denke ich viel von dem Besuch mitnehmen, da einer meiner Kollegen, der auch bei den Ausgrabungen 2023 dabei war, sehr viel zu dem Gelände erzählen konnte. Außerdem war ein ehemaliger Gefängniswärter da, der seine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse geteilt hat. Nach einer Abschluss- und Reflexionsrunde ging es für uns alle in die Mittagspause.

Der Nachmittag als letzter Teil des Workshops war schließlich dem Blick über den Tellerrand gewidmet: mit Vorträgen zum Archiv, zur Konservierung von Textilien und weiteren Objekten sowie der Frage, wie Erinnerung bewahrt werden kann, neigte sich der Workshop dem Ende zu. Nach einem eigenständigen Besuch des Museumszelts, bei dem noch offene Fragen geklärt werden konnten, erhielten die Teilnehmenden in einer würdigen Zeremonie Zertifikate für ihre Teilnahme. Damit kam das „Mobile Museum“ schon wieder zu Ende…

Nach der Abschlussveranstaltung haben wir alles wieder abgebaut und freitags den Transporter beladen, bevor wir uns selbst wieder auf den Weg in Richtung Phnom Penh

gemacht haben.

Untergebracht waren wir übrigens in traditionellen Khmer-Häusern mit einem wundervollen Blick auf die Landschaft rundherum, vor allem beim Sonnenaufgang war das wirklich traumhaft! Und ich habe es sehr genossen, mal wieder etwas mehr Grün um mich herum zu haben😊. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das hier in Kambodscha mal sagen werde, aber abends war ich sehr froh, einen Pulli mitgenommen zu haben, denn mit dem Wind war es nach Sonnenuntergang doch ganz schön frisch.


Mir hat diese Woche total gut gefallen, weil ich eine Menge Erfahrungen sammeln konnte. Nicht nur, dass ich mit dem „Mobile Museum“ ein superwichtiges Projekt kennengelernt habe, sondern auch, weil ich meine Kolleg:innen besser kennenlernen konnte. Vor allem abends haben wir meistens noch etwas zusammengesessen. Ich war sehr beeindruckt, dass viele meiner Kollegen so krass singen können! Wir hatten wirklich viel Spaß zusammen 😊 Ich freue mich schon auf das nächste „Mobile Museum“, das wahrscheinlich im Februar/März stattfindet. Hoffentlich kann ich wieder mitfahren, das würde mich sehr freuen 🤞



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