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Recap Woche 26: Siem Reap

  • 28. März
  • 5 Min. Lesezeit

Wie im letzten Beitrag schon erwähnt, bin ich mit meiner Schwester für das Wochenende nach Siem Reap gefahren. Für mich war es auch das erste Mal in Siem Reap, ich habe es im letzten halben Jahr noch nicht geschafft, die Stadt zu besuchen😅

Freitagabends sind wir mit dem Nachtbus losgefahren, sodass wir samstagfrüh in Siem Reap angekommen sind. Den Tag haben wir dann ziemlich entspannt im Botanischen Garten verbracht. Der Botanische Garten wurde erweitert und erst vor ein paar Jahren mit einer Größe von 15 ha wiedereröffnet. Zur Zeit wird er aber immer noch erweitert. Ich weiß nicht genau, wie viele Hektar der neue Park umfassen soll, aber er soll riesig werden. Auf jeden Fall war es sehr schön, die Sonne und Natur zu genießen, gerade weil es in Phnom Penh ja bekanntlich nicht so viel davon gibt 😉. Abends sind wir noch ein bisschen am Flussufer entlanggeschlendert und haben den Sonnenuntergang angeschaut.

An diesem Tag sind wir früh schlafen gegangen, denn sonntags mussten wir sehr früh aufstehen. Wir wurden um 04:30h an unserem Hostel abgeholt, um an einer Sonnenaufgangstour durch bzw. bei Angkor Wat teilzunehmen. Das frühe Aufstehen hat sich auf jeden Fall gelohnt, wir hatten einen beeindruckenden Blick über Angkor Wat mit der aufgehenden Sonne im Hintergrund. Es war wirklich schön, wenngleich der Sonnenaufgang kein Geheimtipp (mehr) ist, weil echt viele Menschen die gleiche Idee hatten wie wir. Ich fand es schon sehr voll, aber unser Tourguide hat erzählt, dass die Tourist:innenzahlen erst durch den Konflikt mit Thailand und jetzt durch den Krieg im Iran drastisch gesunken sind – was im Umkehrschluss bedeutet, dass „normalerweise“ noch viel mehr Menschen da sind.

Als die Sonne vollständig aufgegangen war, haben wir uns den Tempel auch von innen angeschaut. Ich finde es immer wieder faszinierend, dass die Menschen vor in diesem Fall rund 900 Jahren solche riesigen Bauwerke errichtet haben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die beschränkten technischen Möglichkeiten dieser Zeit den Transport von und den Bau mit solch riesigen Steinblöcken nicht gerade einfacher machte… Unser Guide hat erzählt, dass zur Errichtung der Türme Angkor Wats quasi mit jeder Ebene, die höher gebaut wurde, ein Erdhaufen um den Turm errichtet wurde. Dieser bildete dann eine Rampe, an der Elefanten die schweren Steine nach oben ziehen konnten. Nach der Fertigstellung wurde der Erdhügel wieder entfernt, sodass die fertigen Türme freistanden. Das ist sehr bemerkenswert finde ich.

Neben dem Tempel von Angkor Wat, den König Suryavarman II. im 12. Jahrhundert als königlichen Tempel zu Ehren Vishnus gebaut hat, haben wir die Tempelanlagen Ta Prohm, Banteay Kdei und den Bayon Tempel besucht. Ta Prohm ist das ehemalige königliche Kloster, das König Jayavarman II. im späten 12./frühen 13. Jahrhundert erbaut und seiner Mutter gewidmet hat. Bekannt geworden ist dieser Tempel vor allem dadurch, dass er dem Film „Lara Croft: Tomb Raider“ aus dem Jahr 2001 als Kulisse diente. Ich persönlich fand es besonders beeindruckend, wie die Natur mit dem Tempel verwachsen ist, denn es gibt einige Bäume, die sich mit ihren Wurzeln auf dem Tempelgebäude abstützen – ohne dass das Gebäude selbst eingestürzt ist.

Der Banteay Kdei Tempel ist der erste Tempel, der als buddhistisches Kloster errichtet wurde – denn bis ins 12. Jahrhundert war die Staatsreligion des Khmer-Reiches der Hinduismus. Die allermeisten der hinduistischen Tempel- und Klosteranlagen wurden aber im Buddhismus weitergenutzt. Außerdem zählt der Banteay Kdei Tempel mit 700 mal 500 Metern Fläche zu den kleineren Tempeln um Angkor Wat.


Als letztes an diesem Tag haben wir den Bayon-Tempel besichtigt. Nach ihm ist der Bayon-Baustil benannt, der auch in anderen Bauwerken aus der Zeit von König Jayavarman VII. – einem der mächtigsten Könige des Khmer-Reiches – zu erkennen ist. Bekannt ist der Tempel vor allem für die Gesichter in seinen Türmen, die in alle vier Himmelsrichtungen schauen. Zu ihrer Bedeutung gibt es verschiedene Interpretationen, eine glaubt, Ähnlichkeiten zu dem König zu erkennen und sieht die Gesichter dementsprechend als Demonstration der eigenen absoluten Macht.

Der Bayon-Tempel befindet sich im Zentrum von Angkor Thom, der ehemaligen Hauptstadt und Königsresidenz des Khmer-Reiches.

A propos: „Angkor“ heißt „Stadt“ oder „Hauptstadt“ und „Wat“ bedeutet Tempel. Dementsprechend bedeutet „Angkor Wat“, wenn man es übersetzt „Tempel der Stadt“, also gar nicht so spektakulär 😅.

Abends haben wir eine Apsara-Show angeschaut. Dazu möchte ich erst einmal die Frage klären, was Apsara ist. Apsara ist ein Tanz, der schon im siebten Jahrhundert praktiziert wurde. Das belegen die Reliefs in den Tempeln Angkor Wats. Zu dieser Zeit dienten die Aufführungen zwei Zwecken: der Unterhaltung des Königs und religiösen Zeremonien. Die Tänzerinnen repräsentieren himmlische Seelen, dementsprechend graziös und elegant ist jede ihrer Bewegungen. Während des Tanzes wird weder gesungen noch gesprochen. Allein durch die Bewegungen sowie Gestik und Mimik werden Geschichten erzählt und Emotionen ausgedrückt. Der Tanz ist Ausdruck tiefer Anerkennung und Respekts gegenüber den Göttern und den eigenen Vorfahren genauso wie dem König und der Nation. Und auch wenn der Tanz an sich schon sehr alt ist, wird er erst seit den 1940er Jahren dank der damaligen Königin Sisowath Kossamik wieder praktiziert und steht heute als Teil des immateriellen Weltkulturerbes der UNESCO als ein Symbol für die kambodschanische Kultur und Geschichte.

Ich fand es sehr beeindruckend zu sehen, denn die Tänzerinnen haben eine unglaubliche Ausdruckskraft und Spannung in allen ihren Bewegungen, Gesichtsausdrücken und Handbewegungen. Vor allem letztere sind beim Apsara-Tanz von zentraler Bedeutung.

Am nächsten Morgen – unserem letzten Tag in Siem Reap – haben wir uns mit einem Projekt beschäftigt, das super wichtig ist, gleichsam ist es traurig, dass es überhaupt existieren muss: Apopo. Apopo ist eine internationale Organisation, die mit Hilfe von Hunden und Ratten Minenfelder auf der ganzen Welt räumt – unter anderem in Kambodscha. Hier wurden sowohl an der Grenze zu Thailand (in deren Nähe Siem Reap liegt), als auch in den Grenzgebieten zu Vietnam unzählige Minen verlegt, viele davon liegen dort bis heute unexplodiert im Boden. Für die Menschen, die in ebendiesen Gebieten leben, stellen die Minen eine große Gefahr dar. Noch immer gibt es jedes Jahr Verletzte und Tote durch Landminen.

Apopo ist ein Projekt, das von vielen Ländern unterstützt wird. Es trainiert Ratten darauf, Sprengstoff zu erschnüffeln, damit so die Minen gefunden und entschärft (oder kontrolliert gesprengt) werden können. Ratten eignen sich besonders gut dafür, weil sie sich gut trainieren lassen, hervorragend riechen können und – der wohl wichtigste Punkt – leicht genug sind, damit sie die Landminen nicht auslösen. Die meisten Minen, die hier verlegt wurden, werden ab einem Gewicht von 5 kg aktiviert, die Ratten liegen mit rund 1,5 kg deutlich darunter. Mehr Infos zu den „HeroRATs“ gibt es auf der Webseite von Apopo, dort werden auch die anderen Projekte vorgestellt, u.a. Ratten, die Tuberkulose erschnüffeln: https://apopo.org/?v=5f02f0889301.

Natürlich gibt es auch Kritikpunkte an dem Projekt, bspw. weil die Ratten nur auf gut zugänglichem Gelände (also ohne Bäume oder hohes Gras) arbeiten können, aber es ist trotzdem ein super spannendes Projekt, das schon sehr viel erreicht hat.

Anschließend haben meine Schwester und ich das Nationalmuseum besucht – das ist auch sehr interessant – und unseren Aufenthalt in Siem Reap mit einem Marktbesuch entspannt ausklingen lassen. Mit dem Nachtbus sind wir dann zurück nach Phnom Penh gefahren, denn dienstags musste ich ja wieder arbeiten 😅

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