Recap Woche 28: Vietnam
- 7. Apr.
- 6 Min. Lesezeit
Mit ein bisschen Verspätung (es war echt viel los in der letzten Zeit) kommt hier mein Recap von Woche 28 😊. Wie im letzten Wochen-Recap angesprochen, bin ich mit meiner Schwester diese Woche in den Urlaub gefahren. Unser Ziel: Vietnam. Genauer gesagt Süd-Vietnam. Denn dadurch, dass Vietnam so riesig ist, haben wir uns entschlossen, nur einen Teil des Landes anzuschauen und den dafür intensiver. So haben wir auch einen Grund mehr, nochmal hier herzukommen 😉
Nach einer siebenstündigen Busfahrt nach Ho Chi Minh Stadt (HCMC) wollten wir abends spontan eine Stadtführung machen, um die früher als Saigon bekannte ehemalige Hauptstadt Französisch-Indochinas ein bisschen besser kennenzulernen. Allerdings ist die Tour wortwörtlich ins Wasser gefallen, weil es echt stark geregnet hat. Egal, stattdessen haben wir uns dann so einen entspannten Abend gemacht 😊
Eine Sache, die mir direkt aufgefallen ist, sind die zahlreichen (nahezu unzähligen) National- und Kommunismusflaggen, die eigentlich überall hängen. Und mit überall meine ich wirklich überall: in Straßen, an Häuserfassaden, in Restaurants, an öffentlichen Orten,... Wenn ich die Plakate richtig interpretiert habe, waren dieses Wochenende auch Wahlen zur Nationalversammlung - inwieweit diese Wahlen nach demokratischen Prinzipien ablaufen, ist allerings mehr als zweifelhaft.
Nach ein paar entspannten Tagen zum Akklimatisieren in HCMC haben wir Samstagmittags unsere längste Reise innerhalb Vietnams angetreten: eine 24-stündige Zugfahrt von HCMC nach Hué, der ehemaligen Kaiserstadt, in Zentralvietnam. Wir hatten ein Liegeabteil gebucht, das heißt, wir hatten zwei Pritschen, auf denen wir liegen und schlafen konnten. Viel mehr ging aber auch nicht, weil es doch recht beengt war. Insbesondere nach oben, denn wir hatten nicht genug Platz, um uns aufrecht hinzusetzen... Dazu ist zu sagen: Bei der vietnamesischen Bahn gibt es sieben verschiedene Klassen: zwei Sitzabteile, eines davon mit Holzbänken, und dann die unterschiedlichen Liegewagen. Dabei gibt es die "Holzklasse", wo jeweils sechs Betten in einem Abteil sind. Das unterste Bett kostet dabei am meisten und jetzt verstehe ich auch, wieso: dort hat man ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit als in den oberen Etagen, weil man die Möglichkeit hat, zwischendurch mal aufzustehen oder sich hinzusetzen (da ist auch ein kleiner Tisch). Daneben gibt es etwas luxuriösere Liegewagen mit nur vier Betten pro Abteil. Diese sind dann etwas größer und weicher und es besteht auf allen Betten die Möglichkeit, sich auch mal hinzusetzen. Es scheint vielleicht bizarr, dass ich das mit dem Hinsetzen so sehr betone, aber das hat mich tatsächlich mit am meisten gestört. Auch trinken bspw. war gar nicht so unkompliziert. Wer schonmal im Liegen getrunken hat, weiß vielleicht, wovon ich rede... Neben den Abteilen der Staatsbahn gibt es, zumindest habe ich das gelesen, teilweise noch private Wagen mit Liegebetten, die meistens noch luxuriöser ausgestattet sind, aber auch entsprechend mehr kosten.

Genug zu den verschiedenen Klassen bei der vietnamesischen Bahn. Ich persönlich fand es ein bisschen anstrengend, mich 24 Stunden quasi nicht bewegen zu können. Außerdem hatten wir dadurch, dass wir ganz oben lagen, keine schöne Aussicht aus dem Fenster, obwohl die Landschaft sehr schön sein soll und wir die ganze Zeit entlang der Küste gefahren sind. Insgesamt fand ich es aber eine interessante Erfahrung und würde es wahrscheinlich auch wieder machen. Nach unserer Ankunft in Hué haben wir erstmal einen Spaziergang gemacht, das tat sehr gut nach der langen Zugfahrt😊

Ich hatte ja schon erwähnt, dass Hué in Zentralvietnam liegt und wer sich ein bisschen mit der Geschichte Vietnams auskennt, weiß, dass es von 1954 bis 1976 geteilt war - entlang des 17. Breitengrades, der ganz in der Nähe von Hué liegt. Deshalb haben meine Schwester und ich montags eine Tour durch die ehemalige Demilitarisierte Zone (DMZ) gemacht. Unser erster Stopp war an der Long Hung Kirche. Diese spielte in der Schlacht von Quang Tri im Jahr 1972 eine entscheidende Rolle in der Verteidigung der Zitadelle von Quang Tri, die wir danach ebenfalls besichtigt haben. Die Quang Tri Zitadelle war eine Verteidigungsfestung der nordvietnamesischen Armee, in der sich nord- und südvietnamesische Soldaten 81 Tage und Nächte lang bekämpft haben, bis die südvietnamesischen Truppen die Festung schließlich eingenommen haben. Die Long Hung Kirche hielt damals als einziges Gebäude der Umgebung den US-amerikanischen Bombenangriffen stand, inzwischen sind rundherum wieder Gebäude errichtet worden.
Anschließend sind wir zur Khe Sanh-Basis gefahren. Das ist eine ehemalige Militärbasis und ein ehemaliger Flughafen (Ta Con) der US-amerikanischen Armee, an dem bis zum Abzug der US-Truppen 1973 täglich zahlreiche Kampf- und Versorgungsflugzeuge gestartet und gelandet sind.

Nach einem kurzen Halt an der Wiedervereinigungsbrücke, die heute als Symbol der nationalen Einheit dient, haben wir die ehemalige Grenze überquert, um die Vinh Moc Tunnel zu besichtigen. Dies ist ein Tunnelsystem, in dem die Bevölkerung der umliegenden Dörfer - bis zu 1000 Menschen - Schutz vor amerikanischen Bombenangriffen gesucht hat. Das Tunnelsystem bestand aus drei Ebenen mit einer Tiefe von bis zu 10 Metern. Durch die spezielle, lehmartige Erde an dieser Stelle waren die Tunnel sehr stabil und boten Schutz vor den Bombenangriffen. Allerdings waren sie nicht darauf ausgelegt, Menschen über einen längeren Zeitraum zu beherbergen, da die Sauerstoffversorgung lediglich über die Ausgänge gesichert wurde und es (fast) keine Belüftungsschächte gab.
Das war ein beeindruckender Abschluss unserer Tour durch die ehemalige DMZ. Sie hat mir einen tieferen Einblick in die vietnamesische Geschichte gegeben - und das war nicht der einzige Besuch historischer Stätten hier in Vietnam😉.

Dienstags haben wir uns aber erstmal aufgemacht nach Hoi An. Das ehemalige Fischerdorf war schon immer wichtig für den Handel und ist heute vor allem für seine Märkte und historische Gebäude bekannt. Dort haben wir einen entspannten Nachmittag verbracht, sind am Fluss entlangspaziert und haben uns ein bisschen durch verschiedenes Street-Food probiert. Abends begann die zweite lange Fahrt unserer Reise: eine zwölfstündige Busfahrt nach Da Lat. Zum Glück konnten wir dafür einen Nachtbus buchen und schlafen. Wie auch in Kambodscha gibt es in Vietnam sehr viele sleeping Busse 😊. Da Lat liegt etwas höher in den Bergen und als ich morgens aufgewacht bin, hatte ich eine wunderschöne Aussicht über die Berge. Es war leicht nebelig und die Sonne hat sich Stück für Stück über den Horizont geschoben, das hatte schon etwas Magisches an sich. Einfach wunderschön!

In Da Lat angekommen, haben wir uns erstmal etwas zum Frühstück gesucht und uns kurzerhand für Pho-Suppe entschieden. Die ist so etwas wie das vietnamesische Nationalgericht und besteht aus einer (sehr!) lange gekochten Gemüsebrühe, in die fermentierte Reisnudeln und (je nach persönlicher Vorliebe oder Familienrezept) verschiedene Fleischsorten hinzugegeben werden. Dazu gibt es i.d.R. Salatblätter, frische Minze, Limetten und Chilisoße, die nach Belieben dazugegessen werden können.
Die Suppe tat auch sehr gut, denn mir war recht kühl. Dazu hat die Busfahrt in dem gut klimatisierten Bus nicht unerheblich beigetragen. Aber auch generell habe ich die Temperaturen in Zentalvietnam als kühler empfunden als die in Kambodscha. Woran genau das liegt, weiß ich nicht. Ich vermute, dass die Nähe zum Meer dafür sorgt, dass eher ein maritimes als ein tropisches Klima herrscht. Wie gesagt, genau weiß ich es aber nicht.

Auf unseren Stopp in Da Lat habe ich mich schon seit Beginn unserer Reise gefreut, denn dort gibt es eine Real-Life-Mario-Kart-Bahn. Leider haben wir keinen Grab-Fahrer gefunden, um dort hinzufahren (wahrscheinlich waren wir zu früh😅), deshalb haben wir beschlossen, zu laufen. Zwei Stunden und knapp 10 km später sind wir schließlich dort angekommen und ich war sehr überrascht von den Dimensionen der Anlage. Denn dort gibt es nicht nur das besagte Real Life Mario Kart, sondern auch eine Riesenschaukel, einen Rosengarten und verschiedene andere nette Plätze zum Entspannen und Zeit verbringen. Am unteren Ende wird sogar noch weiter gebaut, wer weiß, was es also in Zukunft vielleicht noch alles gibt... Mir hat es auf jeden Fall total viel Spaß gemacht und sehr gut gefallen. Mein Favorit war glaube ich sogar die Riesenschaukel, das hat soooo viel Spaß gemacht und die Aussicht war einfach fantastisch😊!
Als wir uns entschieden haben, zurückzugehen, war es schon später Nachmittag und diesmal haben wir sogar einen Grab-Fahrer gefunden, denn mit unserem Gepäck noch einmal knappe 10km zu laufen, war uns ein bisschen zu viel😅. Grab ist übrigens eine App, mit der man sich Mopeds/Tuktuks/Autos etc. buchen, aber auch Essen und sonstige Waren bestellen kann. Sie wird in auch in Kambodscha und noch einigen anderen Ländern verwendet und ist wirklich praktisch! A propos: Tuktuks gibt es in Vietnam - anders als in Kambodscha - nicht, dafür umso mehr Mopeds :)

However, wir waren dann irgendwann doch ganz froh, als wir einchecken und unser Gepäck im Hostel lassen konnten. Zum Abendessen haben wir dann einen kleinen Spaziergang am Flussufer gemacht und dort fantastisches Curry gegessen. Mit einem kleinen Umweg über den Night Market sind wir schließlich zu unserem Hostel zurückgelaufen und schlafen gegangen, denn für den nächsten Morgen hatten wir einen Bus nach Mui Ne gebucht, dem nächsten Stopp auf unserer Reise😊.
So viel zu unserer ersten Woche in Vietnam, was wir sonst noch erlebt haben, gibt es nächste Woche zu lesen : )


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