Recap Woche 29: Abschied
- 13. Apr.
- 6 Min. Lesezeit

Da ich mit meiner Schwester immer noch in Vietnam war, knüpft dieses Wochen-Recap quasi nahtlos an das letzte an : )
Morgens sind wir also mit dem Bus von Da Lat nach Mui Ne gefahren. Zumindest war das unser Plan. Letztlich war die Busstation, an der wir rausgelassen wurden, nicht da, wo wir dachten, deshalb haben wir gezwungenermaßen einen ausgedehnten Strandspaziergang gemacht, bis wir zu einem öffentlichen Strand kamen. An dem Strandabschnitt, wo wir angekommen sind, war nämlich ein Resort neben dem anderen und die Strände dementsprechend privat...
Vor unserer kleinen Wanderung sind wir aber noch in ein kleines Café gegangen, weil es uns draußen zu heiß war, und haben dort eine köstliche Iced Chocolate getrunken.

Als wir endlich angekommen sind, konnten wir den Strand auch noch ein bisschen genießen, auch wenn der Tag nicht ganz so war, wie wir es uns vorgestellt hatten😅
Abends gab es bei uns dann zur Abwechslung mal Sommerrollen - zum Selbstwickeln. Das klingt vielleicht ein bisschen komisch, ist aber total cool. Wir haben eine Platte mit verschiedenen Salat- und Fleischsorten und Nudeln bekommen und dazu Reispapier und Soße. So konnten wir genau das in unsere Sommerrollen wickeln, was wir essen wollten 😊.

Am nächsten Morgen sind wir nochmal zum Strand gegangen, bevor mittags unser Bus nach Ho Chi Minh Stadt (HCMC) gefahren ist. Wir sind zwar dort auch am ersten Tag angekommen, aber quasi nur als Zwischenstopp, weil die Busse von Phnom Penh aus alle nach HCMC fahren.
Das erste, was wir uns in HCMC also angeschaut haben, war das Ho-Chi-Minh-Museum, ein Museum, das dem vietnamesischen Nationalhelden und "Onkel der Nation" gewidmet ist.
Abends haben wir schließlich unsere Walking-Tour nachgeholt, die das letzte Mal ins Wasser gefallen war. Dabei haben wir die Stadt ein bisschen besser kennengelernt. Ich persönlich fand es vor allem super spannend zu sehen, wie viel stärker der französische Einfluss in HCMC gegenüber Phnom Penh ist - obwohl ja beide Städte Teil Französisch-Indochinas waren. Aber daran sieht man, dass Saigon (so hieß HCMC früher) die ehemalige Hauptstadt der französischen Kolonie ist, wo auch viele französische Soldaten mit ihren Familien gelebt haben. Kambodscha war zwar auch französisch kolonialisiert, aber dort gab es deutlich weniger französische Soldaten, weil diese auf lokaler Ebene sehr viel Macht an vietnamesische Soldaten abgegeben haben. Dementsprechend ist der französische Einfluss auf bspw. Essen und Architektur in Kambodscha geringer als in Vietnam.

Mit der Tour haben wir einige wichtige Gebäude angeschaut: die Oper, das Haus der Nationalversammlung, den Wiedervereinigungspalast und die Kirche Notre-Dame angeschaut. Außerdem waren wir auf dem "Times Square" von HCMC (dazu später noch mehr) und haben einen ehemaligen Waffenbunker der Vietcong besichtigt.
Samstags mussten wir früh aufstehen, weil wir eine Tagestour zu den Cu-Chi-Tunneln und in das Mekong-Delta gebucht hatten. Die Cu-Chi-Tunnel sind ein Verteidigungssystem, das die Vietcong im Vietnamkrieg erbaut haben, zur Verteidigung gegen die Truppen Südvietnams und der USA. Ich fand es sehr grausam, sich anzuschauen, mit welchen Methoden die Vietcong ihre Feinde damals abgewehrt haben. Denn das Tunnelsystem ist noch nicht alles. In den dichten Wäldern Vietnams waren unzählige Fallen versteckt. Das Grausame daran ist, dass diese Fallen waren nicht dazu gedacht, die feindlichen Soldaten zu töten, sondern zu verletzen und möglichst lange leiden zu lassen. Diese Fallen waren so gut versteckt, dass unserem Guide zufolge teilweise auch Vietcong selbst hineingelaufen sind - und bis heute noch nicht alle "entschärft" wurden.

Nachmittags ging es dann zum schönen Teil des Tages. Wir haben eine Bootsfahrt auf dem Mekong gemacht und eine Gemeinde besucht, wo wir ein bisschen Obst essen und traditionelle Musik hören konnten. Zum Abschluss haben wir eine Manufaktur für Kokosnussbonbons besucht, das war auch sehr interessant.
Ich persönlich fand es schade, dass der Ausflug ins Mekong-Delta so touristisch war (wir waren nämlich bei weitem nicht die einzige Gruppe). Dahingehend habe ich mich gefragt, inwieweit so ein Ausflug mit "traditioneller Musik" und - wie es auf der Webseite der Tour stand - "dem traditionellen Dorfleben" stereotype Bilder und Denkweisen reproduziert und ob man solche Ausflüge aus diesem Grund eher meiden sollte. Auf der anderen Seite profitieren die Menschen aber auch von den Touris, oder? Letztlich ist glaube ich das Wichtigste, sich bewusst zu machen, dass solche Touren auf Touris ausgelegt sind und nicht immer die tatsächliche Lebensrealität der Menschen darstellen.

Unseren letzten Abend in Vietnam haben wir auf dem "Times Square" verbracht. Das ist effektiv eine lange Straße mit einem breiten Fußgängerstreifen in der Mitte - ähnlich wie eben der Times Square in New York. Was ich sehr cool fand, war, dass es - wie in Phnom Penh wochenends - eine Walk Street gab, das heißt, der Bereich rund um den Times Square war auto- und mopedfrei. Auf der Walk Street haben wir auch ein paar sehr leckere Snacks probiert, eines davon ist folgendes: Über die Bezeichnung kann man wahrscheinlich diskutieren, die locals nannten es "vietnamesische Pizza". Das ist ein gegrilltes Blatt Reispapier, auf das verschiedener Belag und Soße kommt. Zum Essen wird es dann noch einmal in der Mitte gefaltet. Das war echt lecker, ich muss das unbedingt mal probieren nachzumachen, wenn ich wieder in Phnom Penh bin!

An unserem letzten Tag in Vietnam sind wir auch wieder recht früh aufgestanden, denn eine (zumindest meiner Meinung nach) enorm wichtige Sache hatten wir noch nicht besichtigt: das War Remnants Museum. Das ist ein Museum, das viele Überreste des Vietnamkriegs zeigt und sich in einer Dauerausstellung mit den Folgen dieses grausamen Kriegs beschäftigt. Zu den Ausstellungsstücken zählen nicht nur ehemalige US-Flugzeuge und -Panzer, auch nachgebaute Gefängniszellen und zahlreiche Fotos der Kriegsgeschehnisse sowie der Opfer von Agent Orange sind Teil der Ausstellung.
Sich mit den Schrecken des Vietnamkriegs zu beschäftigen, ist grausam, gerade, wenn man die langfristigen Folgen durch den Einsatz von Agent Orange betrachtet und wie sehr die Zivilbevölkerung darunter gelitten hat. Ich fand die Ausstellung dennoch sehr interessant und umso wichtiger, wenn man die aktuelle Weltlage betrachtet.
Was mir in diesem Museum mehr als in anderen aufgefallen ist, ist, dass die Ausstellung eine bestimmte Perspektive auf den Krieg vermittelt. Das passiert zu großen Teilen durch die Wortwahl, bspw. in der Verwendung von "Liberation Army" statt "Viet Cong", aber auch durch die teilweise einseitige Beleuchtung der historischen Ereignisse. Besonders ist mir aufgefallen, dass die USA ausnahmslos immer als Feind und brutaler Aggressor dargestellt werden. Ob diese Ansicht zutrifft oder nicht, darüber lässt sich auf jeden Fall diskutieren, eine Person aus den USA würde das höchstwahrscheinlich verneinen. Weil mir das mit den Perspektiven in diesem Museum stärker aufgefallen ist als in anderen, habe ich micht gefragt: Warum? Und: Vermittelt nicht jede Ausstellung in gewisser Weise eine bestimmte Perspektive auf historische Ereignisse? Und ist es überhaupt möglich, eine rein objektive Ausstellung zu konzipieren? Das alles sind Fragen, die nicht so leicht zu beantworten sind, deshalb werde ich sie auch nicht beantworten. Vielleicht komme ich einer für mich zufriedenstellenden Antwort in Zukunft irgendwann näher 😊

Nach unserem Museumsbesuch war schon Zeit für das Mittagessen, und zum Abschluss gab es mal nicht Banh Mi (also belegtes Baguette), sondern für mich Reisnudeln à la vietnamienne und für meine Schwester einen herzhaften Pfannkuchen, dessen Namen ich leider nicht mehr weiß. In Kambodscha gibt es so ähnliche, da heißen sie banchauv. Mit einem leckeren Smoothie sind wir uns dann im Bus zurück nach Phnom Penh gefahren.

Montags musste ich dann wieder arbeiten, da gibt es auch nicht viel Neues, zumindest nicht fürs Erste.
Zum Abschluss der Zeit meiner Schwester in Kambodscha haben wir dienstags nach der Arbeit Wat Phnom besucht und eine Bootsfahrt auf dem Tonle Sap gemacht. Wat Phnom ist der einer Legende nach das erste Bauwerk der damals noch nicht existenten Stadt Phnom Penh und somit der "Grundstein" der heutigen Hauptstadt. Nach einigen Restaurationen ist Wat Phnom heute immer noch der größte Stupa der Stadt und liegt auf einem 27m hohen, künstlich errichteten Hügel.
Donnerstags hatte ich mir freigenommen, um meine Schwester zum Flughafen begleiten zu können. Vorher waren wir aber noch gemeinsam frühstücken, eine hervorragende Smoothiebowl mit Pancakes 😋. Als wir so im Bus zum Flughafen saßen, ist mir nochmal bewusst geworden, dass ich in weniger als sechs Monaten auch zum Flughafen fahren werde - um selbst wieder zurück nach Deutschland zu fliegen. Es ist so krass, dass mehr als die Hälfte meiner Zeit hier schon vorbei ist...

Nachdem ich meine Schwester verabschiedet hatte, hatte ich noch ein bisschen Zeit, bis der Bus zurück in die Stadt abgefahren ist. Deshalb habe ich beschlossen, mir noch den Park anzuschauen, der gerade neben dem Flughafen gebaut wird. Dort gibt es verschiedene kleine Häuser, in denen lokale Spezialitäten Handwerksarbeiten verkauft werden (falls man also spontan vor dem Rückflug noch irgendwelche Souvenirs braucht😅), in der Mitte einen Teich, daneben ein Reisfeld, vorne ein Restaurant und Snackstände und verschiedene schöne Sitzgelegenheiten. Wenn es nicht gerade so heiß ist wie an einem Donnerstagvormittag Ende März, ist das ein schöner Ort zum Verweilen, wenn man noch ein bisschen Zeit bis zu seinem Flug hat. Und wenn der Park fertig gebaut wurde, ist er denke ich nochmal schöner 😊


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