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Recap Woche 36: Vietnam 2.0

  • 22. Mai
  • 5 Min. Lesezeit

Diese Woche hatte ich mir Urlaub genommen und bin mit einer Mitfreiwilligen von mir durch Nordvietnam gereist. Weil mein Flug samstagmorgens verschoben wurde, kam ich leider erst samstagabends in Hanoi an. Man könnte sich jetzt fragen, warum ich überhaupt geflogen bin, schließlich sind Kambodscha und Vietnam Nachbarländer und haben eine gemeinsame Landgrenze. Das ist natürlich richtig und der Flug dauerte auch nur knappe zwei Stunden, aber wäre ich mit Bus und Zug gefahren, wäre ich über 38 Stunden unterwegs gewesen... Deshalb also der Flug.

Unser Hostel lag in der Nähe des Hoan Kiem Sees. Dieser hat eine bedeutungsvolle Geschichte: Zu Beginn des 15. Jahrhunderts übergab eine riesige Schildkröte aus dem See dem armen Fischer Lê Loi ein Schwert, das ihn unbesiegbar machte. Dank dieses Schwerts besiegte er die Truppen der Ming-Dynastie in einem harten Kampf und wurde im Jahr 1428 selbst zum König. Er ging erneut zum See, um den Göttern zu danken. Da tauchte die Schildkröte erneut auf und forderte das Schwert zurück. Ohne dass Lê Loi eine Wahl gehabt hätte, löste sich das Schwert aus seiner Scheide, stieg in den Himmel und verwandelte sich in einen jadefarbenen Drachen, der in den See stürzte. Infolgedessen ernannte Lê Loi den Drachen zum Schutzgeist des Sees und in Erinnerung an dieses Ereignis ließ er einen dreistöckigen Schildkrötenturm in der Mitte des Sees bauen. Von dieser Legende hat der See auch seinen Namen, der wörtlich übersetzt "See des zurückgegebenen Schwertes" bedeutet.

Wie in Phnom Penh und in Ho Chi Minh gab es auch in Hanoi eine Walk Street rund um diesen See. So konnten wir unseren ersten Abend in Hanoi ganz entspannt damit verbringen, um den See zu schlendern und die Stadt ein bisschen kennenzulernen 🙂

An unserem zweiten Tag in Hanoi haben wir eine vegetarische Food-Tour gemacht. Das war echt lecker und unsere Guide super nett. Wir haben total viele verschiedene Sachen probieren können. Ich habe das Gefühl, dass vegetarische Ernährung in Vietnam einfacher ist als in Kambodscha. Zumindest in Hanoi gab es super viele Optionen, auch bei vielen Street-Food-Ständen.

Vor unserer Tour haben wir einen Egg-coffee getrunken, für mich war es der erste. Es klingt vielleicht erstmal gewöhnungsbedürftig, aber es war super lecker!

Und die Entstehungsgeschichte ist super interessant. Sie geht auf die 1940er Jahre zurück. Wegen des Kriegs herrschte Ressourcenknappheit, sodass Milch nur schwer zu bekommen war. In einem Luxushotel in Hanoi experimentierte Nguyen Van Giang deshalb mit Eiern und Kondensmilch als Ersatz für frische Milch, um die cremige Konsistenz von Milchkaffee zu erhalten. Daraus entstand der Egg coffee (auf vietnamesisch cà phê trúng), der heute in vielen internationalen Metropolen in verschiedenen Varianten erhältlich ist. Ich trinke zwar nicht regelmäßig Kaffee, aber ich bin ein Fan der vietnamesischen Kaffeespezialitäten geworden 😊

Abends haben wir uns mit einem Nachtbus auf den Weg nach Cao Bang gemacht, denn von dort aus hatten wir eine zweitägige Motorradtour auf dem Cao Bang-Loop gebucht. Er führt von Cao Bang aus nach Nordosten, an die Ban Gioc-Wasserfälle an der chinesischen Grenze und dann wieder zurück.

Auf unserer zweitägigen Fahrt haben wir sehr viel erlebt und die wunderschöne Natur in Nordvietnam genießen dürfen. Wir haben unter anderem gesehen, wie man Räucherstäbchen herstellt, haben eine Messerschmiede besucht und Lychees gegessen. Es ist nämlich gerade Lychee-Saison, da bietet sich das natürlich an. Für mich waren es die ersten Lychees und sie waren vorzüglich😋. Außerdem haben wir noch ein anderes Obst getroffen, das ich hier irgendwie nicht erwartet habe, das aber auch gerade Saison hat: Pflaumen. Und auch die waren sehr lecker, vielleicht backe ich demnächst mal einen Zwetschgenkuchen, wenn ich wieder in Phnom Penh bin😊

Am nächsten Morgen haben wir die Ban Gioc-Wasserfälle besucht. Das war irgendwie verrückt, weil wir direkt an der chinesischen Grenze waren! Und die Landschaft war traumhaft schön (wenngleich sehr viele Tourist:innen unterwegs waren...).

Mit einem Zwischenstopp an einer Tropfsteinhöhle und bei einem Familienbetrieb der Stoffherstellung ging es dann zurück nach Cao Bang. Nachmittags sind wir ein bisschen durch die Stadt geschlendert und haben noch ein paar Pflaumen gegessen😊, bevor wir mit dem Nachtbus nach Hai Phong gefahren sind.

Hai Phong ist eine Hafenstadt, die während der französischen Kolonialherrschaft den größten Seehafen Indochinas beherbergte. Auch im Vietnamkrieg spielte sie eine große Rolle, weil dort der Ho Chi Minh-Pfad über See begann, also Schiffe von dort aus nach Südvietnam gefahren sind, um die Vietcong mit Nahrungsmitteln und Munition zu versorgen. Inzwischen hat die Stadt hat die Stadt zwar an Wichtigkeit verloren, ist aber weiterhin die drittgrößte Stadt Vietnams und der größte Überseehafen Nordvietnams.


Meine Mitfreiwillige und ich haben ihr einen Besuch abgestattet, weil abends ein Fest anlässlich der Flammenbäume, die im Mai in voller Blüte stehen, stattfinden sollte. Zumindest war das die Info, die wir im Internet gefunden haben.

Als wir dort waren, hat sich herausgestellt, dass das Fest auch (bzw. hauptsächlich) der Befreiung Hai Phongs von der französischen Kolonialherrschaft am 13. Mai 1955 gewidmet war. Es war an mancher Stelle also ein bisschen patriotischer als erwartet😅, aber eine einzigartige Erfahrung. Insgesamt dauern die Festlichkeiten mehrere Tage, wir haben lediglich den 13. Mai in Hai Phong verbracht und dementsprechend nur das Abendprogramm an diesem Tag mitbekommen. An diesem Abend gab es eine Food-Court mit verschiedenen Ständen, an denen Gerichte der traditionellen vietnamesischen sowie einer modernen fusion-Küche verkauft wurden. Daneben fand auf der Hauptbühne eine Zumba-Nacht statt, wo verschiedene Tanzgruppen Performances aufführten. Irgendwie hatte ich nicht damit gerechnet, dass dieses Festival so groß ist, aber dafür war es umso schöner, es mitzuerleben🤩

Am nächsten Morgen haben wir Hai Phong schon wieder verlassen. Morgens sind wir mit einer Gondel über das Wasser auf die Insel Cat Ba gefahren. Anschließend haben wir eine Fahrradtour durch den Nationalpark gemacht. Auf dem Weg haben wir die Trung Trang-Höhle (eine Tropfsteinhöhle) besucht und wollten eigentlich auch die Hospital cave anschauen. Das ist eine Höhle, die während des Vietnamkriegs als Schutzraum und Krankenhaus genutzt wurde. Auch Ho Chi Minh soll zeitweise dort gewesen sein. Leider war die Höhle aber abgesperrt, sodass wir sie nicht besichtigen konnten😔.


Danach kamen wir zu unserem eigentlichen Ziel des Ausflugs in den Nationalpark: einem Wanderweg zum Ngu Leam Peak, dem höchsten Berg der Insel. Der Weg dorthin war zwar nicht lang, aber es war extrem anstrengend, was nicht zuletzt am Wetter lag😅. Aber der Aufstieg hat sich gelohnt, von dort oben hatten wir eine wunderschöne Aussicht über den Nationalpark und die umliegenden Berge. Witzigerweise haben wir auf der Bergspitze einige andere Deutsche getroffen, was ein bisschen das Klischee erfüllt, dass Deutsche im Urlaub viel wandern gehen😂.

Den Abend haben wir dann am Strand verbracht, in der Hoffnung, Biolumineszenz zu sehen. Dafür ist Cat Ba sehr bekannt. Wir hatten allerdings nicht so viel Glück...

Am nächsten Morgen sind wir nach Hanoi zurückgefahren, um das Wochenende dort zu verbringen. Was wir dort erlebt haben, gibt es im nächsten Wochen-Recap zu lesen. Außerdem fand im Museum eine Zeremonie zum 20. Mai, dem nationalen Gedenktag der Opfer der Khmer Rouge, statt, also seid gespannt : )

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