Recap Woche 4: Schon ein Monat in Kambodscha!?
- 16. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Mai
Nach unserem Urlaub in Battambang ging der Alltag weiter. Wobei ich gestehen muss, dass ich mir nicht sicher bin, ob man das Leben schon als Alltag bezeichnen kann. Es gibt zwar schon ein paar Routinen - zum Beispiel der Gang zum Markt alle zwei Tage, wenn das Obst mal wieder leer ist 😉 - doch werden diese noch ziemlich häufig durchbrochen. Dadurch wird das Leben aber auch ein bisschen spannender und man kommt nicht in Verlegenheit, in einen Alltagstrott zu fallen 😊
Nachdem ich letzte Woche nicht mehr dazu kam, habe ich es diese Woche endlich geschafft mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, und es hat auch erstaunlich gut geklappt. Mit ein bisschen mehr Übung wird das auch noch ein bisschen entspannter.

Am Freitag habe ich das ECCC Research Centre besucht - auch mit dem Fahrrad😉. ECCC ist die Abkürzung für „Extraordinary Chambers in the Courts of Cambodia“. Das ist ein Internationaler Strafgerichtshof, der mit Unterstützung der Vereinten Nationen gegründet wurde, um Führungspersönlichkeiten der Roten Khmer für ihre Verbrechen anzuklagen. Im Jahr 2018 wurde dort das letzte Verfahren geschlossen und das Gelände dem Militär zurückgegeben. Um die Prozesse pädagogisch aufzuarbeiten und eine Anlaufstelle bei Fragen zu bieten, wurde das "Research Centre" geschaffen. Dort werden in einer Bibliothek alle Gerichtsakten und zugehörigen Dokumente (die aber alle auch online zugänglich sind) sowie PC-Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt. Ab nächstem Jahr wird es auch eine Dauerausstellung zu den Gerichtsverfahren am ECCC geben. Zum ECCC und den Gerichtsprozessen werde ich noch einen gesonderten Beitrag schreiben, hier nur so viel: ich fand es super spannend, denn die Geschichte des ECCC ist echt interessant und vielschichtig.
Abends war ich mit einigen Mitfreiwilligen im Meta House, das ist ein deutsches Kulturzentrum in Phnom Penh, weil dort ein Film zu S-21 gezeigt wurde (Kampuchea: Death and Rebirth). Ich fand den Film interessant, weil er 1980 als einer der ersten nach dem Fall der Roten Khmer gedreht wurde, von zwei Regisseuren aus der DDR: Walter Heynowski und Gerhard Scheumann. Besonders fand ich daran, dass der Film zu großen Teilen aus Interviews bestand. Das bedeutet aber auch, dass es – zumindest meinem Empfinden nach – notwendig ist, Hintergrundwissen zur Zeit der Roten Khmer zu haben, um den Film gut zu verstehen.
Nach einem entspannten Wochenende ging montags die Arbeit wieder los. Dort habe ich nun einen Plan für eine – zugegebenermaßen recht lange😅– Einführungsphase bekommen. Das Ziel davon ist, dass ich die verschiedenen Arbeitsbereiche des Museums kennenlerne, vom Archiv über die Konservierung bis hin zu Bildungs- und Forschungsarbeit, und mich im Anschluss daran entscheide, wo ich bis zum Ende des Jahres mitarbeiten möchte. Aktuell habe ich schon eine grobe Vorstellung davon, wo ich gerne hinmöchte, aber ich denke, es ist auf jeden Fall sinnvoll, überall mal hineinzuschnuppern. Darauf freue ich mich auch schon😊!

Den Dienstag verbrachte ich in Choeung Ek, einem - und dem wahrscheinlich bekanntesten - killing field der Roten Khmer. Es diente der Ermordung von Gefangenen des Gefängnisses S-21. Zu Choeung Ek wird es auch noch einen separaten Beitrag geben. Ich fand den Besuch sehr eindrücklich, wenngleich auch erschütternd, zu sehen, wie die Roten Khmer die eigene Bevölkerung behandelt haben.
Am Dienstag war auch der 30. September, das heißt Monatsende. Das bedeutete für uns, dass wir unsere Monatsabrechnung fertig machen mussten, um Kosten wie bspw. Miete oder Nebenkosten erstattet zu bekommen. Dabei ist mir auch bewusst geworden, dass wir schon einen Monat hier sind. Das ist schon irgendwie krass. Eine Mitfreiwillige hat mich gefragt: „Denkst du eher, dass wir schon einen Monat hier sind, oder dass wir erst einen Monat hier sind?“ Am Anfang habe ich gesagt, ich fühle eher das „schon“, weil „erst“ für mich so abzählerisch gewirkt hat, so nach dem Motto: „Es ist erst ein Monat rum von den zwölf.“ Als ich ein bisschen länger darüber nachgedacht habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass zwar „schon“ in dem Sinne passt, als dass die Zeit deutlich schneller verflogen ist, als ich währenddessen wahrgenommen habe, dass „erst“ aber auch ziemlich gut – vielleicht sogar besser – passt, weil wir so viel erlebt haben und die Straßen hier schon so vertraut wirken, dass es sich anfühlt, als seien wir schon deutlich länger hier als nur einen Monat.
Das Ende wurde jetzt ein bisschen philosophisch, aber das sind eben auch Dinge, mit denen ich mich hier beschäftige. Damit war*s das für diese Woche 🙃

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