Recap Woche 5: Konservierung und Restauration
- 22. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Mai
Diese Woche war der Tag der Deutschen Einheit. Zu diesem Anlass habe ich mit einigen meiner Mitfreiwilligen das Meta House besucht, ein deutsches Kulturzentrum in Phnom Penh, denn dort wurden zwei Filme zum Mauerfall gezeigt. Der erste war eine US-amerikanische Dokumentation über den Bau, die Entwicklung und schließlich den Fall der Mauer, während der zweite Film ein Spielfilm war. Der Film mit dem Titel "Der Tunnel" basiert auf einer wahren Geschichte und handelt von den Auswirkungen des Mauerbaus auf Familien sowie einer Gruppe West-Berliner*innen rund um einen geflohenen ehemaligen Elite-Schwimmer aus der DDR, die die Mauer mittels einem Tunnel untergraben wollen, um ihren Familienangehörigen die Flucht zu ermöglichen. Obwohl der Film über zwei Stunden dauerte, war er sehr kurzweilig. Mir hat er insbesondere deshalb gut gefallen, weil er die Komplexität und Vielschichtigkeit des Lebens im geteilten Deutschland thematisiert sowie aufzeigt, dass sich an der Mauer neben einigen Happy Ends auch viele Tragödien abgespielt haben.

Samstags war es ziemlich verregnet, deshalb haben wir den Nachmittag in der Aeon Mall verbracht. Jetzt könnte man sich natürlich fragen, was man einen ganzen Nachmittag in einer Mall so machen kann (außer shoppen). Nun ja, es gibt dort einen riesigen Buchladen mit einem Café, zum Arbeiten, lesen oder einfach zum Entspannen. Letzteres haben wir dann auch gemacht, bis es uns mit der Klimaanlage irgendwann zu kalt wurde 😅. Sonntagabends hatten wir uns mit Sreng verabredet, um gemeinsam bei ihm Pizza zu backen. Das war echt schön und die Pizza ist uns sehr gut gelungen 😋.
Wie im letzten Wochenrecap beschrieben begann montags dann meine „Praktikumszeit“, wenn man das so nennen kann. In dieser Zeit bin ich für jeweils ein bis zwei Wochen in den verschiedenen Abteilungen des Museums und kann so in die unterschiedlichen Arbeitsbereiche hineinschnuppern. Anschließend muss (oder besser darf) ich mich entscheiden, wo ich für den Rest des Jahres arbeiten möchte. Ab Montag war ich also im conservation team. Dieses kümmert sich um die Aufbewahrung und Konservierung von den Objekten, die zum Bestand des Museums gehören. Dazu zählen vor allem Kleidungsstücke ehemaliger Häftlinge, aber auch Schüsseln und Teller, genauso wie die Fußfesseln, mit denen die Häftlinge festgekettet waren sowie die Knochen und Schädel, die heute fester Bestandteil der Ausstellung sind.
Abhängig davon, aus welchem Material die Objekte bestehen, müssen sie auf unterschiedliche Art und Weise gelagert werden, um möglichst lange erhalten zu bleiben. Dafür hat das Museum unter anderem Kisten mit integrierten Messgeräten für Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der Kiste angeschafft. Die Temperatur sollte im Optimalfall unter 30°C liegen, die relative Luftfeuchtigkeit zwischen 30 und 60 Prozent. Ist sie höher, steigt das Risiko für Schimmelbildung, liegt sie darunter, wird der Stoff steif und droht, schon bei kleinen Bewegungen zu brechen. Das sind nur einige der Dinge, die zur Archivierung von Objekten beachtet werden müssen.
Nachdem ich mich einen Tag lang mit den generellen Lagerungsbedingungen beschäftigt habe, widmete ich den zweiten Tag verschiedenen Risikofaktoren, denen die Objekte konkret in der Ausstellung ausgesetzt sind. Dazu zählen bspw. Schwankungen in Temperatur und Luftfeuchtigkeit, aber auch Sonnenlicht, das vor allem bei Textilien und Fotos große Schäden verursachen kann.

Mittwochs hat mir Chenda, die Leiterin des conservation teams, einige Nähtechniken gezeigt, die angewandt werden, wenn bspw. Kleidungsstücke in einer Ausstellung aufgehängt werden sollen. Würden sie einfach so aufgehängt, wären sie sehr schnell kaputt, da der alte Stoff durch das Gewicht auseinandergezogen wird und im schlimmsten Fall reißt. Deshalb muss er erst verstärkt werden. Eigentlich hätte ich in den folgenden Tagen auch noch etwas zur Konservierung von Metall erfahren, aber leider bin ich krank geworden und den Rest der Woche in unserer Wohnung geblieben 🤧.

Zum Glück konnte ich meinen Praktikumsplan aber ein bisschen anpassen, sodass ich noch einen Tag länger im conservation team sein konnte. An diesem Tag habe ich gelernt, eine Ausstellungsfläche für Textilien herzustellen und ein Kleidungsstück darauf zu nähen (auf dem Bild sieht man das Ergebnis davon, mir ist kein besseres Wort dafür eingefallen😅). Und ich durfte sogar ein Kleidungsstück aus der Sammlung reinigen! Damit hatte ich nicht gerechnet, aber es war echt irgendwie beeindruckend. Wenn ich mir vorstelle, dass dieses Kleidungsstück vor 50 Jahren von einer Person getragen wurde, die von den Roten Khmer verfolgt wurde, bekomme ich richtig Ehrfurcht davor.
An dem einen Nachmittag bin ich auch zu ABA gegangen, einer kambodschanischen Bank. Seit wir unsere verlängerten Visa wiederbekommen haben (endlich🥳), ist es uns nun möglich, dort ein Konto zu eröffnen. Und das finde ich sinnvoll, denn nur mit einem Konto bei dieser Bank kann man über die entsprechende Bank-App per QR-Code bezahlen. Letzteres ist hier sehr üblich. Kartenzahlung gibt es zwar in den meisten Geschäften auch, aber auf dem Markt oder an Streetfood-Ständen braucht man entweder Bargeld oder den QR-Code. Ich finde es echt praktisch, jetzt ABA nutzen zu können.


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