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Recap Woche 6: Eine Woche im Archiv

  • 27. Okt. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Mai

Wie im letzten Beitrag erwähnt, war ich montags nochmal im conservation team. Ab Dienstag ging es dann für den Rest der Woche im Archiv weiter. Dort habe ich zunächst einen Überblick über den Archivraum sowie die verschiedenen Bestände, die in Tuol Sleng aufbewahrt werden, bekommen. Es gibt drei Hauptbestände: Fotos und Negative, Biographien und Geständnisse. Daneben sind weitere Dokumente wie Listen oder Propaganda-Zeitschriften der Khmer Rouge hier zu finden. Alle Archivalien sind auch online auf der Internetseite des Museums (https://archives.tuolsleng.gov.kh/) abrufbar, zumindest solche, die zur Wahrung der Privatsphäre der genannten Personen öffentlich zugänglich sein dürfen. Ich finde es sehr beeindruckend, dass so ein großes Archiv wie Tuol Sleng schon alle Akten digitalisiert hat (übrigens genauso wie das Dokumentationszentrum zu den Khmer-Rouge-Prozessen), vor allem, weil ich durch mein Praktikum im Stadtarchiv weiß, wie aufwändig es ist, eine Akte zu digitalisieren und wie wenige Archivalien dort bisher digitalisiert sind.

Anschließend durfte ich in der Papier-Restauration arbeiten. Zuerst habe ich das Papier gereinigt und anschließend mit Japan-Papier verstärkt, sodass es stabiler wird. Die Seiten stammen aus einem Magazin der 1990er Jahre, das sich glaube ich mit dem Einmarsch der nordvietnamesischen Truppen in Phnom Penh im Januar 1979 beschäftigt. Ganz sicher bin ich mir aber nicht, weil logischerweise alles auf Khmer geschrieben war und ich es deshalb nicht lesen konnte 😅.

Abends war ich mit einem Kollegen, Sokleap, zusammen auf der Eröffnung einer Kunstausstellung im Meta House. Ein Studienfreund von ihm (Billy) hat die Bilder für die Ausstellung gemalt, die sich inhaltlich mit dem traditionellen Rollenbild der Frau auseinandersetzen. Das war super interessant! Und das Meta House hat sogar ein Freigetränk für alle spendiert☺️.

Zum Thema Gleichberechtigung wird es zu gegebener Zeit noch einen Artikel geben, aber dafür will ich noch ein bisschen mehr recherchieren, denn nach so kurzer Zeit möchte ich mir noch kein Urteil über eine so tiefgreifende gesellschaftliche Fragestellung bilden.

Mittwochs war dann Feiertag, deshalb hatten wir frei. Grund für den freien Tag war das Gedenken an König Norodom Sihanouk, den Vater des aktuellen Königs, der am 15. Oktober 2012 gestorben ist. Er bestieg  im Jahr 1941 das erste Mal den Thron und regierte mit einigen Unterbrechungen bis 2004. Zu seinen größten Erfolgen zählt die Unabhängigkeit von Frankreich 1953, die gesellschaftlich als sein Verdienst angesehen wird. Im Kalten Krieg verfolgte er eine neutrale Außenpolitik, bis er 1970 durch einen Staatsstreich gestürzt wurde. Die Roten Khmer stellten ihn später unter Hausarrest, aus dem er 1979 nach dem Sturz des Regimes entlassen wurde. Nach dem Ende des Bürgerkriegs kehrte er 1993 auf den Thron zurück, sein erklärtes Ziel war gesellschaftliche Aussöhnung. Ob er dieses Ziel erreicht hat, lässt sich sicherlich diskutieren, aber soweit ich das mitbekommen habe, ist die Anerkennung für den ehemaligen König in der Gesellschaft sehr hoch.

Ich habe den freien Tag genutzt, um einen ausgedehnten Spaziergang zum Flussufer zu machen🙂

Donnerstags fand im Museum die Eröffnungsveranstaltung für ein Research Program statt, dazu aber später mehr. Die sonst recht entspannte Woche im Archiv ging schließlich damit zu Ende, dass ich freitags eine mittelfristige Aufgabe bekommen habe, denn mit Sokleap zusammen arbeite ich die nächsten Wochen an einer Kunstausstellung. Sie soll Gemälde aus der Sammlung des Museums sowie einige Gemälde, die vor kurzem erst gespendet wurden, enthalten und im Dezember eröffnet werden. Ich habe nicht damit gerechnet, eine so verantwortungsvolle Aufgabe zu bekommen, aber ich freue mich darauf, weil das glaube ich sehr spannend wird (wenn auch vielleicht ein bisschen stressig, das werde ich dann sehen) 😊.

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