Recap Woche 43: Welcome to Laos
- 13. Juli
- 7 Min. Lesezeit
Diese Woche habe ich meine letzte große Reise dieses Jahr angetreten: Ich bin eine Woche nach Laos gefahren. Und ja, gefahren ist das passende Wort, denn Kambodscha und Laos haben eine Landgrenze, sodass man nicht fliegen muss. Da ich allerdings zuerst in den Norden des Landes wollte, habe ich dadurch ganze 24 Stunden im Bus verbracht...

Als ich in Vientiane, der Hauptstadt von Laos, angekommen bin, hat es erstmal ein bisschen gedauert, bis ich tatsächlich in der Stadt war, weil der Bus nicht dort gehalten hat, wo er eigentlich halten sollte 😅. Von daher war ich dann froh, als ich im Hostel angekommen war. Nachmittags bin ich dann ein bisschen durch die Stadt geschlendert und habe mir einige Pagoden angeschaut. Was ich irgendwie krass fand, ist, dass auf der anderen Seite des Mekong schon Thailand ist. Das war mir vorher gar nicht so bewusst. Aber Thailand und Laos haben - genauso wie Laos und Vietnam - eine sehr lange Landgrenze.
Mit dem Sonnenuntergang öffnete der night market am Flussufer. Night markets gibt es in jeder halbwegs großen Stadt (in Phnom Penh ja auch). Kaufen kann man dort alles Mögliche - von Schuhen und Kleidung über Powerbanks bis hin zu Souvenirs und Kinderspielzeug ist alles dabei. Meist ein bisschen separat gibt es natürlich auch eine Abteilung für streetfood 😋
Am nächsten Morgen bin ich schon weitergefahren nach Luang Prabang. Die Fahrt selbst war schon ein Erlebnis, denn ich habe mich dazu entschieden, den Zug zu nehmen. Die Zugverbindung ist noch neu und wurde erst vor ein paar Jahren eingeweiht. Gebaut wurde sie von China und sie verbindet Vientiane mit einigen anderen Städten und der chinesischen Grenze. Anders als bei der Deutschen Bahn war alles sehr gut organisiert und die Züge pünktlich 😉

Luang Prabang ist eine historische Stadt, deren Stadtkern schon seit 1995 durch UNESCO geschützt ist. Ich finde, man merkt daran, dass die Gebäude und die gesamte Stadtarchitektur anders sind als in Vientiane. Außerdem gibt es mehr Bäume. Es ist aber auch sichtbar, dass Luang Prabang deutlich touristischer ist - es ist eines DER Ausflugsziele in Laos. I mean, ich habe es ja auch besucht, von daher habe ich auch dazu beigetragen. Und an sich kann man sich ja auch fragen, ob es überhaupt grundsätzlich ein Problem ist, schließlich gibt es weltweit unzählige Städte, die vom Tourismus leben. Ich wollte es nur erwähnen, weil man es einfach in der Stadt merkt, bspw. gibt es viel mehr Hotels, Hostels und Restaurants und die meisten Geschäfte sind stark auf den Tourismus ausgerichtet.
Eine Sache ist mir in beiden Städten direkt aufgefallen, die Phnom Penh nicht hat: Es gibt Bürgersteige. Das heißt, man kann spazieren gehen und muss nicht auf der Straße laufen, wenn man irgendwo hin möchte 🚶➡️

Nach meiner Ankunft in Luang Prabang habe ich zunächst den Königspalast besucht - denn Luang Prabang war bis 1975 der Sitz der Königsfamilie. Der Palast wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von der französischen Kolonialherrschaft gebaut. Meiner Ansicht nach ist er relativ schlicht - gerade, wenn man ihn mit anderen Königspalästen oder den sehr prunkvoll verzierten Pagoden vergleicht. Der Palast war weitgehend so eingerichtet wie vor 50 Jahren, um das Leben der Königsfamilie zu zeigen, das war sehr interessant.

An meinem zweiten Tag in Luang Prabang habe ich einen Ausflug zu den Pak Ou Höhlen und den Kuang Si Wasserfällen gemacht. Die Pak Ou Höhlen sind zwei Höhlen in einer Kalksteinformation an der Mündung des Nam Ou in den Mekong. Sie sind seit dem 16. Jahrhundert ein wichtiges buddhistisches Zentrum, weshalb auch heute noch Menschen dorthin pilgern, um die Buddha-Statuen zu bewundern oder eine dorthin zu bringen. Das ist das eigentlich Besondere an den Pak Ou Höhlen: Schätzungsweise vier bis fünf Tausend Buddhastatuen stehen dort. Sie sind unterschiedlich groß, aus verschiedenen Materialien gefertigt und zeigen Buddha in unterschiedlichen Positionen. Ich fand es sehr beeindruckend, die Fülle an Buddha-Statuen zu sehen. Vor allem die größere Höhle weiter oben auf dem Berg hat dadurch finde ich etwas Magisches bekommen, das Ruhe und Ausgeglichenheit ausstrahlt.
Die Kuang Si Wasserfälle sind eine der größten Wasserfälle von Laos, auf jeden Fall sind sie sehr hoch und wunderschön. Rund herum gibt es ein schön gestaltetes Naturreservat mit vielen Tieren, Sitzgelegenheiten und Wanderwegen. An einigen Stellen darf man sogar in den Becken der Wasserfälle schwimmen. Das Wasser war erstaunlich kalt🥶, aber es war sehr erfrischend.
Am nächsten Tag ging es für mich schon weiter nach Phonsavan, einer recht kleinen Stadt südlich von Luang Prabang. Es gibt aber eine Sache, oder vielmehr einen Ort, für den die Stadt sehr bekannt ist: die Plain of Jars.

Das UNESCO-Weltkulturerbe liegt nahe der Stadt und beherbergt zahlreiche topfartige Steine, die laut den archäologischen Ausgrabungen aus den ersten beiden Jahrhunderten vor Christus stammen. Insgesamt befinden sich auf dem Xiangkhouang Plateau über 129 Felder mit diesen Töpfen, 50 davon sind Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Nur sieben davon sind von Landminen und Blindgängern aus dem Vietnamkrieg befreit und öffentlich zugänglich - eines davon in der Nähe der Stadt Phonsavan, das ich mir angeschaut habe.
Diese Töpfe, die aus unterschiedlichen Steinarten hergestellt wurden, dienten laut der archäologischen Forschung der Bestattung von Familienmitgliedern, vermutlich auch über mehrere Generationen hinweg. Neben vielen der Töpfe konnten auch Grabbeigaben ausgegraben werden. Ich finde es krass, dass diese Töpfe da schon seit mehr als 2000 Jahren stehen! Da stellt sich natürlich auch die Frage, was von unserer Gesellschaft irgendwann mal übrig bleiben wird und was die Menschen in 2000 Jahren über uns denken. Wahrscheinlich nicht so viel Gutes😅. Na ja, wir werden es wohl nie erfahren...
Am nächsten Morgen war ich auf dem Markt, um zu frühstücken. Und, was soll ich sagen, ich habe exzellenten Reisporridge gegessen. Ich weiß leider nicht, wie er auf laotisch heißt, auf Khmer ist es borbor, und der hier war echt lecker! Insgesamt ist das Essen recht ähnlich zu dem in Kambodscha, es wird aber deutlich mehr sticky rice gegessen. Und es gibt mehr Nudelsuppen.
Eigentlich wollte ich an diesem Tag weiterfahren nach Pakse, dem letzten Halt auf meiner Reise. Und da Phonsavan genau auf der Strecke zwischen Luang Prabang (im Norden) und Pakse (im Süden von Laos) liegt, dachte ich, es gebe bestimmt einen Bus, der diese beiden Städte verbindet. Tja, leider war das nicht der Fall und auch so gab es eigentlich keine Busse irgendwohin - außer zurück nach Luang Prabang, aber diese Fahrt wollte ich nicht nicht nochmal machen.

Deshalb habe ich mich letztlich für einen Flug (!) entschieden, auch wenn ich kein großer Fan von Flügen bin, wenn ich sie vermeiden kann. Das ist noch etwas, was vielleicht überraschend ist (und das trifft auch auf Vietnam zu): Das Inlandsflugnetz ist sehr gut ausgebaut und es gibt echt viele Flughäfen, selbst in so kleinen Städten wie Phonsavan. Das ist, als ob Bensheim einen Flughafen hätte😅. Wenn man sich das so überlegt, ergibt es aber auch sehr viel Sinn, denn die Straßen sind gerade in den Bergregionen oft nicht sehr gut ausgebaut, sodass es einfacher, schneller und komfortabler ist, zu fliegen.
Auf dem Flug habe ich mich dann ganz nett mit meinem Sitznachbar unterhalten, er hat witzigerweise mal ein Austauschprogramm mit Berlin gemacht😂.
So bin ich also von Phonsavan aus nach Vientiane geflogen, um dann von dort aus mit einem Nachtbus nach Pakse zu fahren. Ein bisschen umständlich, aber es ging nicht anders. Zumindest hatte ich dadurch noch die Gelegenheit, das Museum der Armee von Laos zu besuchen - das war sonntags nämlich geschlossen. Mit einem Zwischenstopp auf einem Streetfood-Markt 😊 habe ich mich dann auf den Weg zur Busstation gemacht, dieselbe wie bei meiner Ankunft, ein paar Kilometer außerhalb der Stadt.
Aber à propos: Der zentrale Busbahnhof ist noch ein Unterschied zu Kambodscha, denn in Kambodscha fahren die Busse immer vom Busunternehmens ab, nicht von einem zentralen Punkt in der Stadt. Je nach Unternehmen unterscheidet sich also der Abfahrts- bzw. Ankunftsort.
Die Fahrt mit dem Nachtbus war recht entspannt. Leider hat es aber bei der Ankunft morgens geregnet. Eigentlich sollte sich das Wetter zwischen Kambodscha und Laos zwar nicht so sehr unterscheiden - schließlich liegt gerade der Süden auf einem ähnlichen Breitengrad - aber ich hatte dennoch den Eindruck, dass es in Laos deutlich mehr geregnet hat, meistens einmal morgens und einmal nachmittags. Ob das tatsächlich stimmt, weiß ich aber nicht, das ist nur mein Gefühl.

Im Regen bin ich also zu meinem Hostel gelaufen und habe meine Sachen abgestellt. Danach bin ich in ein Café gegangen, denn bei Regen die Stadt zu erkunden, macht nicht allzu viel Spaß. Außerdem ist die Region um Pakse sehr bekannt für den Kaffeeanbau, deshalb muss ich den Kaffee ja mal probieren 😉
Als der Regen nachgelassen hat, bin ich ein bisschen durch die Stadt geschlendert und habe zuerst den Neuen Markt besucht. Der ist gigantisch groß und sehr gut sortiert. Von Kleidung, Schuhen und Schmuck über Stoffe, Taschen, Koffer, bis hin zu Kochtöpfen, ungekochtem und gekochtem Essen findet man alles - wie halt ein großer Markt hier so ist😊
Danach habe ich die Pagode auf der anderen Flussseite besucht. Sie wurde erst in den 2000er Jahren gebaut (sie ist sogar jünger als ich😅), ist also noch sehr neu. Für mich ist das ungewohnt, weil Kirchen oder Klöster in Europa ja nicht so das Top-Nr. 1-Neubauprojekt sind.

Den Nachmittagsregen habe ich wieder in einem Café überdauert, bevor ich mich auf einen Abendspaziergang am Fluss begeben habe. Dort gibt es einen Fußweg direkt am Ufer mit einem Park daneben, sehr schön zum Spazierengehen.
Am nächsten Morgen habe ich mich mit einem auf den Weg zur Busstation gemacht. Dort habe ich witzigerweise zwei andere Freiwillige getroffen, die auch mit weltwärts einen Freiwilligendienst in Phnom Penh machen, aber vom DRK entsendet wurden. Das war echt ein großer Zufall 😂. Die Rückfahrt war dann sehr entspannt und (zum Glück) deutlich kürzer als die Hinfahrt, weil ich ja in Pakse im Süden von Laos losgefahren bin und nicht vom Norden aus, wo ich bei meiner Einreise angekommen bin.
Damit ging meine letzte größere Reise während meines Jahres in Kambodscha zu Ende - es sind ja auch nur noch zwei Monate, bis ich wieder in Deutschland bin.


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