Recap Woche 42: Happy Pride Month🏳️🌈
- 1. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Wie überall auf der Welt ist auch in Kambodscha im Juni Pride Month. Über den ganzen Monat verteilt gab es verschiedene Partys, Film- und Theatervorstellungen und andere Veranstaltungen, um auf die Rechte der queeren Community aufmerksam zu machen. Auf dem Facebook-Kanal von Pride Cambodia gibt es viele Bilder von den Events 😊
Diesen Samstag fand morgens erst ein Rainbow Run statt, und mittags gab es ein Pride Fest, die ich beide unbedingt besuchen wollte. Seit 2009 gibt es in Kambodscha jährlich ein Pride Fest. Dieses Jahr fand es in der "Factory" statt, das ist eine Veranstaltungslocation neben einem Urban Village - mal in einer ganz anderen Ecke von Phnom Penh. Dort gab es eine Podiumsdiskussion (die leider auf Khmer war) und eine kleine Messe, auf der verschiedene Organisationen und Initiativen, die sich für mehr Rechte und mehr Präsenz der queeren Community einsetzen, Stände hatten und ihre Arbeit vorgestellt haben. Außerdem gab es Ausstellungstafeln, auf denen einige homosexuelle Paare ihre Geschichte erzählt haben, insb. vor welchen Herausforderungen sie standen und wie ihre Familien mit der Homosexualität umgegangen sind. Insgesamt lässt sich die Situation homosexueller Paare in Kambodscha denke ich so beschreiben: Homosexualität ist keine Straftat, in der Gesellschaft aber bislang wenig präsent und nicht sehr akzeptiert. Es kommt sehr stark auf die Familie und das eigene Umfeld an, wie sehr Homosexualität akzeptiert wird. Was noch nicht möglich ist, ist zu heiraten. Das ist zur Zeit ein Thema, das die queere Gemeinschaft sehr beschäftigt und als nächstes großes Ziel auf dem Weg zur Gleichberechtigung angestrebt wird.
Die queere Community umfasst ja aber noch viele weitere Menschen. Auf alle werde ich nicht eingehen (können), weil ich dafür viel zu wenig über deren Situation - rechtlich und gesellschaftlich - weiß. Eine Beobachtung möchte ich aber noch teilen. Auf den Ausstellungstafeln und auch in einem Buch, das ich dort auf der Messe bekommen habe, werden persönliche Geschichten von Menschen der "RoCK" (das ist die Selbstbezeichnung der Rainbow Community Kampuchea) vorgestellt, unter anderem von Trans-Personen. Bei eigentlich allen Geschichten, die ich gelesen habe, gewann ich den Eindruck, dass Trans-Sein, auch schon relativ lange, akzeptiert wird - teilweise noch mehr als Homosexualität. Wie aktuell die rechtliche Situation bzgl. geschlechtsangleichenden Operationen oder offiziellen Namensänderungen ist, weiß ich nicht. Vielleicht ist mein Eindruck auch komplett daneben, schließlich liegt meine Perspektive außerhalb der Community, aber ich wollte trotzdem meinen Eindruck teilen.
Ganz allgemein lässt sich auf jeden Fall festhalten, dass die queere Community wächst und gesellschaftliche Prozesse angestoßen sind. Bis eine komplette rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellugn erreicht ist, wird es aber - wie auch in Deutschland - noch einige Jahre bis Jahrzehnte dauern.
Montagabends sind wir mit allen Freiwilligen in Kambodscha gemeinsam essen gegangen, allerdings aus einem eher traurigen Anlass. Eine unserer Mitfreiwilligen fliegt früher zurück nach Deutschland, und es war ihr letzter Abend hier 😢
Für mich hat das den auch für mich gar nicht mehr so weit entfernten Rückflug noch einmal näher wirken lassen. Denn so lange ist es auch für mich nicht mehr, bis ich wieder in Deutschland bin. Die Vorstellung ist schon ein bisschen bizarr, aber ich freue mich auch auf einige Dinge in Deutschland - und vor allem auf mein anstehendes Studium 😊. Bis dahin sind es aber noch zweieinhalb (bestimmt) wundervolle und gut gefüllte Monate hier in Phnom Penh.

Am Dienstag war ich mit einer Mitfreiwilligen im Kino - auch anlässlich des Pride Month. Wir haben "A Nice Indian Boy" gesehen, einen Film aus den USA von 2024. Er handelt von Naveen, einem schwulen Arzt aus einer indischen Einwandererfamilie, der sich in Jay, einen in einer indischen Familie aufgewachsenen Künstler, verliebt. Mir hat besonders gefallen, dass der Film den Fokus darauf legt, wie Naveens Familie mit der Verlobung der beiden umgeht und wie sie es letztlich doch schaffen, gemäß dem Wunsch des Paares eine traditionell indische Hochzeit zu organisieren.

In Deutschland ist ja inzwischen der Sommer angekommen, mit echt hochsommerlichen Temperaturen🥵. Bei uns sind die höchsten Temperaturen schon seit längerem wieder vorbei, durschschnittlich sind es gerade zwischen 32 und 37 Grad. Teilweise ist es also in Deutschland heißer als hier😅
Dafür ist bei uns die Regenzeit angekommen. Es regnet zwar nicht jeden Tag, aber nahezu. Und wenn es regnet, dann in der Regel sehr heftig. Deshalb habe ich inzwischen meistens meinen Regenmantel dabei, oder ich akzeptiere, möglicherweise geduscht zu werden 😅. Zumindest für mich ist es nämlich auch noch nicht ganz eindeutig vorhersehbar, wann genau es regnet. Und zwischen den ersten Regentropfen und dem darauf folgenden Schuttregen vergeht meistens nicht mal eine Minute... Vielleicht aber auch nicht: Letztens hat es angefangen zu regnen, als ich gerade von der Arbeit nach Hause fahren wollte. Ich hatte schon damit gerechnet, einmal komplett nass zu werden, aber es hat nicht angefangen, zu schütten, sondern weiterhin nur leicht getröpfelt. Man kann also nie wissen😂
Der Regen hat auch etwas Meditatives und Entschleunigendes, denn wenn es regnet, kehrt auf den sonst sehr lebendigen Straßen Ruhe ein. Auch hört man meist nichts als den Regen. Es ist ein bisschen so, als hätte man kurz auf Pause gedrückt und erst danach geht das Leben weiter wie gewohnt.



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