Recap Woche 9.2: Japan Teil II
- 23. Nov. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Mai
Nachdem ich mir die größten Städte Japans angeschaut habe, bin ich in eine im Verhältnis kleinere Stadt gefahren. Historisch gesehen ist es die wohl bekannteste Stadt Japans, da über ihr die erste Atombombe un der Geschichte der Menschheit abgeworfen wurde: Hiroshima.

Bevor ich mir aber Hiroshima selbst angeschaut habe, bin ich morgens auf die nahegelegene Insel Miyajima gefahren. Diese ist sehr bekannt für einen riesigen Shinto-Schrein, der ca. 100 m vor dem Festland im Wasser steht. Daneben habe ich den Daisho-in-Tempel besucht, der ein Stück abgelegen auf einem Berg liegt und deshalb deutlich ruhiger und meditativer war. Auf dem Weg zurück habe ich mir ein Eis geholt, das kann ich auf jeden Fall weiterempfehlen😁
Allerdings wollte mir einer der Hirsche, die hier auf der Insel frei herumlaufen, das Eis klauen. Das fand ich nicht so cool. Als ich weggelaufen bin, hat er sich zum Glück anderen Menschen gewidmet und mich in Ruhe gelassen😆
Ein für die Präfektur Hiroshima typisches Gebäck ist Momiji Manju. Das ist quasi ein gefüllter Pancake in der Form eines Ahornblattes. Den gibt es frittiert und unfrittiert mit verschiedenen Füllungen, traditionell mit Bohnenpaste. Momiji Manju war eines meiner kulinarischen Highlights auf dieser Reise, ich kann es wirklich sehr empfehlen😋
Um die Mittagszeit bin ich zurück nach Hiroshima gefahren, schließlich wollte ich auf jeden Fall das Museum am Friedenspark besuchen - und dafür wollte ich ausreichend Zeit haben.

Der Friedenspark in Hiroshima ist eine riesige Anlage, die das Museum, verschiedene Gedenkorte und ein Mahnmal für Frieden beinhaltet. Umgeben ist alles von einem Park, der direkt am Fluss liegt. Das Museum ist echt riesig und es war gut, dass ich mir ausreichend Zeit dafür genommen hatte. Im ersten Teil der Ausstellung werden anhand von Objekten, die den Atombombenabwurf mehr oder weniger unbeschadet überstanden haben, persönliche Schicksale vorgestellt. Einige der Objekte sind beispielsweise ein verbogenes Dreirad, eine verkohlte Brotdose oder auch Kleidungsstücke, in denen noch die Löcher zu sehen sind, die der saure Regen in den Tagen nach der Explosion hinterlassen hat. Daneben sind zahlreiche Gemälde von Überlebenden in die Ausstellung integriert. Diese erhielt das Museum nach einem Aufruf an Überlebende, ihre Erlebnisse zu zeichnen, um die Erinnerung an die Geschichte zu bewahren.

Der zweite Teil der Ausstellung beschäftigt sich etwas allgemeiner mit den Hintergründen zum Abwurf der Atombombe, was auch sehr interessant war. Allerdings hätte ich mir hier gewünscht, etwas mehr über Japans Rolle im Zweiten Weltkrieg zu erfahren. Diese wurde - finde ich - nicht wirklich dargestellt. Ansonsten fand ich das Museum und die Ausstellung sehr informativ und gut gestaltet.
Als ich aus dem Museum herausgegangen bin, begann es schon zu dämmern. Den Friedenspark habe ich mir trotzdem noch angeschaut - und natürlich den Atomic Dome: das einzige Gebäude, das den Atombombenabwurf überlebt hat.
Es ist schrecklich zu sehen, wie gravierend und langfristig die Folgen dieser einen Bombe im Zweiten Weltkrieg waren. Auch wenn ich mich schon viel mit grausamen Ereignissen der Geschichte befasst habe, finde ich es jedes Mal aufs Neue erschütternd, persönliche Schicksale zu lesen. Aber ich finde, dass mit dem Friedenspark ein würdiger Gedenkort für alle Opfer des Atombombenabwurfs geschaffen wurde.

Da ich gelesen hatte, dass Okonomiyaki in Hiroshima eine lokale Spezialität ist, bin ich an meinem letzten Abend in Japan essen gegangen, um es zu probieren. Okonomiyaki besteht aus Nudeln und ein paar weiteren Zutaten, unter anderem Rührei, die auf einer heißen Fläche gebraten und anschließend serviert werden. Mein persönliches Fazit ist durchwachsen. Es war schon lecker, keine Frage, aber Okonomiyaki wird nicht mein Lieblingsessen werden.

An meinem letzten Tag in Japan habe ich vormittags das Schloss von Hiroshima besucht. Es wurde im 16. Jahrhundert gebaut und ist durch seine Architektur relativ bekannt. Wie fast alle Gebäude der Stadt wurde es durch den Atombombenabwurf 1945 zerstört, 13 Jahre später aber wieder aufgebaut.
Gegen Mittag habe ich mich dann mit dem berühmten Schnellzug Japans, dem Shinkansen, auf den Weg zum Flughafen gemacht. Wirklich anders als eine Fahrt mit dem ICE war es allerdings nicht - außer, dass ich mir sicher sein konnte, pünktlich anzukommen, was bei der Deutschen Bahn bekanntlich nicht der Fall ist 😅
Bei meinem Rückflug musste ich wie auch auf dem Hinweg umsteigen, diesmal allerdings nicht auf den Philippinen, sondern in China. Und weil ich dort einen knapp 12-stündigen Aufenthalt hatte, hat meine Rückreise von Japan nach Phnom Penh länger gedauert als der Flug von Frankfurt nach Phnom Penh, was sich irgendwie bizarr anfühlt, weil ja beide Länder in Asien, aber trotzdem so weit auseinander liegen. Das ist aber eine europäische Perspektive, denn für Menschen, die hier leben, ist es logisch, dass Kambodscha und Japan so weit auseinander liegen - genauso wie es in Europa außer Frage steht, dass bspw. Italien und Norwegen nicht aneinander grenzen. Für mich wirkt das nur so bizarr, weil ich mich noch nicht wirklich mit dem asiatischen Kontinent beschäftigt habe, bevor ich nach Kambodscha gekommen bin.
Für mich war die Reise nach Japan ein Einblick in eine nochmal komplett andere Welt. So wie ich es erlebt habe, gibt es sehr viele Regeln, alles hat seine Ordnung und wenn man sich nicht daran hält, kann das hohe Strafen nach sich ziehen. Ich habe aber auch erlebt, dass kleine "Fehler" in diesem Sinne verziehen werden. Das Wichtigste ist, Respekt gegenüber anderen Menschen zu zeigen.
In vielen Dingen haben mich Japans Großstädte an europäische Metropolen erinnert, auch wenn es mindestens genauso viele Unterschiede gibt. Da wäre unter anderem die Größe, denn Japans Städte sind einfach gigantisch groß (vor allem natürlich Tokyo, aber auch Osaka oder Kyoto). Mir ist aber auch aufgefallen, dass die meisten Gebäude neuer sind, es gibt keinen historischen Stadtkern wie das in vielen europäischen Städten der Fall ist. Die einzigen alten Gebäude, die erhalten sind, sind buddhistische Tempel und Schreine, welche teilweise halb versteckt zwischen Wolkenkratzern zu finden sind. Was ich auch sehr beeindruckend fand, ist, dass die Straßen trotz der Größe der Stadt sehr schmal sind; abseits von einigen großen zentralen Verkehrsachsen sind viele Straßen einspurig und (zumindest gefühlt) sehr schmal.
Da ich viel alleine unterwegs war, hatte ich viel Zeit, um über alles Mögliche nachzudenken. Ein Aspekt ist mir an dieser Stelle wichtig: Mir ist durch die Reise und den Austausch mit meinen Freund:innen hier bewusst geworden, was für ein Privileg es eigentlich ist, reisen zu können. Gewusst habe ich das schon vorher, aber ich glaube, ich habe es jetzt erst wirklich begriffen. Allein schon durch die Tatsache, den deutschen bzw. überhaupt einen Pass zu haben. In Kambodscha ist es bspw. nicht "normal", sich einen Pass leisten zu können, weil der zwischen 100 und 200 USD kostet (wovon der genaue Preis abhängt, weiß ich nicht sicher, aber es ist in jedem Fall teuer). Dazu kommen meist noch Visumsgebühren sowie die eigentlichen Reisekosten, was sich hier nicht allzu viele Menschen leisten können.
Gerade deshalb bin ich sehr dankbar dafür, die Möglichkeit zu haben, reisen zu können, denn ich empfinde es als horizonterweiternd und sehr bereichernd. Auf dieser Reise habe ich unglaublich viele Erfahrungen sammeln können und so viel Neues gelernt, was ich auf anderem Weg nicht hätte erleben können.

Als ich schließlich in Phnom Penh aus dem Flughafengebäude herausgegangen bin, wurde ich von einer sehr schwülen und heißen Luft begrüßt. Die habe ich ehrlicherweise nicht vermisst😅. Ansonsten war es schön, wieder in Phnom Penh zu sein, wo ich die Straßen inzwischen kenne und nicht mehr ganz so fremd bin 😊


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