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Der Fall des Demokratischen Kampuchea

  • 22. Aug.
  • 10 Min. Lesezeit

Die Herrschaft der Roten Khmer endete im Januar 1979, nach offiziell drei Jahren, acht Monaten und 20 Tagen mit dem Einmarsch der vietnamesischen Armee in Phnom Penh. Der Konflikt mit Vietnam war aber nur eine der Ursachen für den Fall des Demokratischen Kampuchea. Dazu kommt, dass die Bevölkerung durch die unmenschlichen Lebensbedingungen stark geschwächt war und - ein sehr entscheidender Punkt - dass sich das Regime durch die "internen Säuberungen" selbst zerstört hat.

Schwächung der Bevölkerung

Nach dem Vierjahresplan der Kommunistischen Partei Kambodschas (KPK) von 1976 sollten überall in Kambodscha drei Tonnen Reis pro Hektar produziert werden. Das entsprach dem Doppelten des vorherigen Niveaus. Konnte diese Vorgabe nicht eingehalten werden, schickten die lokalen Kader so viel Reis wie möglich an die Parteizentrale und fälschten teilweise ihre Berichte über die Lebensbedingungen der Menschen, um vor der Parteiführung gut dazustehen und ihren revolutionären Willen zu beweisen. Allerdings führte das dazu, dass die Essensrationen der Bevölkerung gekürzt wurden.

Der Vierjahresplan

Anfang 1976 veröffentlichten die Roten Khmer den ersten Vierjahresplan. Er legte die Produktionsziele der Kooperativen fest, für Reis waren das drei Tonnen pro Hektar – ein unerreichbares Ziel. Nicht nur, dass drei Tonnen Reis pro Hektar mehr als doppelt so viel ist, wie vorher produziert wurde, auch waren viele der Vertriebenen nicht in der Landwirtschaft ausgebildet und es fehlte an Geräten und Maschinen, wodurch die landwirtschaftliche Produktion zusätzlich an Effizienz und damit auch an Ertrag verlor.

Auch der Vierjahresplan diente der Parteiführung als Anlass für interne Säuberungen. Jegliche Nichteinhaltung interpretierte sie als Verrat und gezielte Sabotage des Regimes. Das führte dazu, dass viele der Zonenleiter mehr Reis an die Parteizentrale abgaben und dafür die Essensrationen der Bevölkerung kürzten. Sie wollten vor der Partei nicht als Verräter gelten – denn das wurde mit dem Tod bestraft. Den (Nahrungsmittel-)Mangel und die verheerenden Lebensbedingungen schoben die Roten Khmer zunächst auf den Bürgerkrieg und die Bombardierungen durch die USA, es ließ sich aber nicht lange verheimlichen, dass der Vierjahresplan daran nichts änderte bzw. die Situation weiter verschärfte. Infolgedessen gestand Pol Pot zwar einige Monate später ein, dass es dem Vierjahresplan an Komplexität mangele und fortan lokales Wissen, bspw. über die Verläufe von Flüssen einbezogen werden sollte, er machte jedoch weiterhin Sabotage hauptverantwortlich für das Scheitern des Plans.

Die Ostzone unter der Führung So Phims stellte etwas Besonderes dar, denn vielerorts herrschten dort bessere Lebensbedingungen als im Rest des Landes. Die Gründe dafür bestehen hauptsächlich darin, dass der Boden dort sehr fruchtbar ist und es in der Region vergleichsweise wenige Zwangsvertriebene gab. Daneben gab es neben dem angebauten Reis einige zusätzliche Nahrungsquellen, bspw. Fische aus Flüssen und Seen.

So Phim, der Zonenleiter, wich schon von Beginn an etwas von der Parteilinie ab, viele der ihm unterstellten Kader stellten sich später ebenfalls als nonkonform dar. Inwieweit das tatsächlich der Fall ist, lässt sich heute nur schwer beurteilen – auch vor dem Hintergrund, dass viele Mitglieder der späteren Regierung (nach dem Fall der Khmer Rouge) aus dieser Zone kamen und dementsprechend großes Interesse daran hatten, „ihre“ Zone als gemäßigt und human(er) darzustellen.

Das System funktionierte, weil die Regionen untereinander nicht kommunizieren durften. Dementsprechend wussten die Zonenleiter nicht, dass es in den anderen Zonen ebenfalls unmöglich war, das Ertragsziel zu erreichen und dachten daher, sie seien die einzigen, die "versagten". Die Parteizentrale interessierte sich nicht für die tatsächlichen Lebensbedingungen der Menschen und schien den Berichten der lokalen Kader zu glauben. Diese hatten große Angst davor, schlechte Neuigkeiten jeglicher Art an die Parteizentrale zu übermitteln, da ihnen sonst Sabotage und Verrat der Revolution unterstellt werden konnte.

In der Bevölkerung wie auch unter den Kadern galt die Überzeugung, die Partei könne keine Fehler machen und handle stets korrekt. Dementsprechend sei alles Schlechte im Land das Ergebnis des Handelns ausländischer Akteure sowie von Verräter:innen.

Mit fortschreitender Zeit verschlechterte sich die Nahrungsmittelversorgung und auch die allgemeinen Lebensbedingungen zunehmend, sodass hunderttausende Menschen an Überarbeitung und Mangelernährung starben.

Interne Säuberungen

Am 25. Februar 1976 explodierte in Siem Reap eine Bombe. Die Roten Khmer machten CIA, KGB und „Rebellen“ dafür verantwortlich. Diese Explosion markiert den Anfang verstärkter parteiinterner „Säuberungen“, denen bis zum Ende des Regimes schätzungsweise die Hälfte aller Parteikader zum Opfer fielen.

Widerstand gegen die Parteiführung gab es schon seit 1975. Dazu zählten mit Hou Yuon, So Phim, Koy Thuon und Hu Nim beispielsweise gemäßigte Intellektuelle, die sich den Roten Khmer im Kampf gegen die französische Kolonialherrschaft angeschlossen hatten. Ihnen gingen die ganzen Maßnahmen und gesellschaftlichen Umkrempelungen zu schnell - grundsätzlich dagegen waren sie aber nicht. Dennoch waren sie Opfer der internen Verfolgung.

Die ersten Tötungen hochrangiger Parteikader der KPK erfolgten Mitte 1976. Pol Pot glaubte an eine geheim organisierte Rebellion gegen ihn und seine Regierung. Die Feinde seien überall und könnten auch die wichtigsten, vertraut geglaubten Menschen einschließen. Aufgrund dieser Komplottsparanoia ließ Pol Pot zahlreiche Zonenleiter, Regionsleiter und militärische Führungspersönlichkeiten inhaftieren und exekutieren.

Ein neues Ausmaß nahm die Verfolgung von Parteikadern im Jahr 1977 an, als Pol Pot infolge der vietnamesischen Einnahme der Ostzone (mehr dazu weiter unten) quasi alle Kader der Ostzone umbringen ließ. Er begründete das damit, dass diejenigen, die nach der vietnamesischen Besatzung noch dort lebten, „Khmer mit vietnamesischem Verstand“ seien und der kambodschanischen Revolution feindlich gegenüberstünden.

Der „Feind“, den die Roten Khmer verfolgten, hatte kein spezifisches Aussehen oder Merkmal. Im Laufe der Zeit konnten alle zu einem „Feind der Revolution“ werden, ökonomischer Status und Klassenzugehörigkeit von vor der Revolution verloren in dieser Hinsicht zunehmend an Bedeutung. Von der Parteiführung waren die Kader dazu angehalten, entschieden zu handeln. Es sei besser, zehn Unschuldige zu töten, als eine schuldige Person laufen zu lassen. Diese Handlungsmaxime diente als Ausgangspunkt für massenhafte Inhaftierungen und Exekutionen, wie sie ab Mitte 1977 stattfanden. In diesem Umfeld wurde die Inhaftierung und Tötung von anderen Parteikadern auch zu einem Akt des Selbstschutzes, denn wenn ein Kader nicht jedes kleinste Vergehen seiner Parteigenossen meldete und verfolgte, lief er selbst Gefahr, wegen dieses Nicht-Meldens inhaftiert und getötet zu werden.

Die extremen internen Säuberungen in der Kommunistischen Partei führten dazu, dass jegliche Gefängnisse ab Mitte 1978 überfüllt waren, vor allem mit Kadern aus der Ostzone. Deshalb änderte die KPK ihren Umgang mit Gefangenen und ermordete die viele Insassen direkt, ohne vorherige Befragungen, Folter und Geständnisse.

Zwar erreichten die Roten Khmer dadurch so gesehen ihr Ziel, Oppositionelle (von denen es nicht wirklich viele gab) zu ermorden - aber sie töteten auch unzählige Anhänger:innen und Unterstützer:innen ihres Regimes. Letztlich verringerte sich die Zahl der Parteikader dadurch so stark, dass sich das Regime der Roten Khmer auch für ausländische Invasionen angreifbar machte und damit quasi selbst umbrachte.

Pol Pots Politik

Nachdem er im September 1977 öffentlich erklärt hatte, dass das Demokratische Kampuchea von der Kommunistischen Partei gelenkt wurde, begann Pol Pot eine „Charmeoffensive“ auf dem internationalen Parkett. Er lud gezielt vereinzelte Delegationen kommunistischer Organisationen sowie Journalist:innen aus verschiedenen ein. Bei ihrem Besuch bekamen sie das „blühende Kampuchea“ präsentiert. Damit verfolgte Pol Pot das Ziel, das Ansehen des Demokratischen Kampuchea in der Welt durch die Berichte ebendieser Delegationen zu steigern.

Der wohl bekannteste Besuch ist von der amerikanischen Journalistin Elizabeth Becker, die mit zwei Begleitern im Dezember 1978 nach Kambodscha reiste. Ihre Begleiter verstarben vor Ort unter ungeklärten Umständen. Über diese Reise gibt es einen sehr informativen Film namens „Meeting with Pol Pot“. Im Original ist er auf Französisch ("Rendez-vous avec Pol Pot"), aber es gibt auch eine Übersetzung auf Englisch und Khmer.

Diese internationale Charmeoffensive Pol Pots war letztlich ein verzweifelter Versuch der Stabilisierung seines Regimes. Tatsächlich stand es bereits gegen Ende des Jahres 1977 am Abgrund. Es hatte sich wortwörtlich selbst aufgefressen, Partei- und Sicherheitsapparat waren am Ende und überall herrschte (bedingt durch die Parteisäuberungen) enormer Personalmangel. Ta Mok beispielsweise war der Leiter von drei Zonen gleichzeitig.

Dessen ungeachtet propagierte Pol Pot weiterhin den Sieg über Vietnam. In einer Radioansprache vom 10. April 1978 sagte er: „In [konkreten] Zahlen gesprochen muss jeder von uns dreißig Vietnamesen töten. […] Wir müssten zwei Millionen Truppen für sechzig Millionen Vietnamesen aufbringen. Aber zwei Millionen sind mehr als genug, schließlich hat Vietnam nur fünfzig Millionen Einwohner. […] Wir hätten dann [am Ende] noch sechs Millionen [Einwohner] übrig.“

Infolgedessen stationierte die vietnamesische Regierung Truppen entlang der Grenze und erneuerte ein Freundschafts- und Unterstützungsabkommen mit der Sowjetunion. Außerdem wurden die Mitglieder der FUNSK militärisch trainiert und auf gegebenenfalls auf sie zukommende Regierungsaufgaben vorbereitet.

Konflikt mit Vietnam

Zum Ende des 17. Jahrhunderts musste das damalige angkorianische Reich einige Gebiete entlang des Mekong-Deltas an Vietnam abgeben. Seither lebten dort viele ethnische Khmer. Pol Pot hoffte, durch nationalistische Propaganda ein Nationalgefühl zu wecken, sodass sich diese Khmer gegen Vietnam stellen und diese „verlorenen“ Territorien dadurch wieder Teil Kambodschas würden.

Schon seit er 1961 an die Macht kam, vertrat Pol Pot eine anti-vietnamesische Haltung. Laut ihm strebe Vietnam eine Expansion an, es wolle ein vietnamesisch geführtes Indochina errichten. Pol Pot änderte deshalb das Gründungsjahr der Partei von 1951, dem Jahr, in dem sich die Kommunistische Partei Kambodschas (KPK) von der Kommunistischen Partei Indochinas (KPI) abspaltete, auf 1960, also das Jahr, in dem er selbst und sein Gefolge in die Parteiführung gewählt wurden und sie in Arbeiterpartei Kampuchea umbenannten. Pol Pot wollte sich damit von Vietnam distanzieren, denn bis 1960 hatten die vietnamesischen Kader der KPI noch großen Einfluss, vor allem in der Ausbildung der kambodschanischen Kader. Ebendiesen wollte Pol Pot eliminieren und erklärte so die Parteizugehörigkeit aller, die zwischen 1951 und 1960 Mitglied der KPK geworden waren, für nichtig. Stattdessen rückte er sie in den Fokus von Parteisäuberungen, da er sie als Teil eines Komplotts vermutete, das ihn und sein Regime stürzen wolle.

Im Laufe der Zeit radikalisierte sich Pol Pots anti-vietnamesische Haltung, was sich unter anderem durch seine Nähe zu China erklären lässt. China stand allerdings der Sowjetunion feindlich gegenüber, und somit auch Vietnam. So wurde in der Khmer Rouge Propaganda Vietnam zum großen Feind und Saboteur der Revolution erklärt, der mit allen Mitteln bekämpft werden müsse.

Befeuert wurde der Konflikt zwischen beiden Ländern seit Anfang 1977 auch durch China. Unter Hua Guofeng, der das Land seit dem Tod Mao Zedongs regierte, sah sich China in seiner Südgrenze von Vietnam bedroht. Daher unterstützte China die Roten Khmer großzügig mit Waffen, Munition etc., wenn sie im Gegenzug öffentlich die Regierung des Demokratischen Kampucheas durch die Kommunistische Partei (die mit China verbündet ist) erklärten. Zum 17. Parteijubiläum im September 1977 hielt Pol Pot dann eine fünfstündige Rede, in der er die KPK als Inhaberin der Macht im Demokratischen Kampuchea verkündete. Daneben erklärte er, dass die Bevölkerung des Landes auf 20 Millionen anwachsen sollte (zum Zeitpunkt der Rede waren es schätzungsweise fünf Millionen) und dass alle 300kg Reis pro Jahr zur Verpflegung erhalten sollten. Daneben war die Rede mit allerlei Drohungen gegen Vietnam gespickt.

Schon seit 1975 standen die Roten Khmer im Konflikt mit Vietnam, immer wieder gab es vereinzelte Angriffe. Mitte 1977 bombardierten die Roten Khmer in einem Großangriff die vietnamesischen Grenzprovinzen. Davon - und von der oben genannten Rede Pol Pots im September 1977 - fühlte sich die vietnamesische Regierung provoziert und attackierte im Dezember 1977 kambodschanisches Grenzterritorium, unter anderem mit Kampfflugzeugen. Dabei eroberten sie die Stadt Svay Rieng ca. 20km innerhalb der kambodschanischen Grenze und besetzten weitere Gebiete der gleichnamigen Provinz.

Quelle: Google Maps, 2026.

Die Reaktion Pol Pots auf diesen Angriff war ambivalent. Öffentlich wertete er es als Erfolg, dass die vietnamesische Armee am weiteren Vordringen gehindert werden konnte, intern verstärkte er allerdings die Parteisäuberungen. Die regionalen Kader der Provinz Svay Rieng im Südosten Kambodschas wurden beseitigt und durch solche aus dem als loyal angesehenen Südwesten ersetzt. Auch die Bevölkerung wurde teilweise erneut zwangsumgesiedelt.

Währenddessen rief die Regierung in Hanoi alle Kritiker der Roten Khmer dazu auf, sich gegen sie zu erheben und zu revoltieren. Parallel dazu baute die vietnamesische Armee eine Nationale Befreiungsfront aus Exil-Kambodschaner:innen auf und bereitete sie auf eine zukünftige Regierungsarbeit vor.

Über das gesamte Jahr 1978 befanden sich Kambodscha und Vietnam im Krieg miteinander. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges bekam der Konflikt zwischen Vietnam und Kambodscha eine weitere Dimension, da er zum Austragungsort des Kampfes um die Vormachtstellung in der Weltgemeinschaft kommunistischer Staaten wurde. Schließlich wurde Vietnam von der Sowjetunion gestützt und Kambodscha von China. Die beiden Großmächte standen sich aufgrund ideologischer Differenzen feindlich gegenüber.

Gründung der FUNSK

Seit 1977 flohen zahlreiche Kader der Kommunistischen Partei aus Kambodscha nach Vietnam – aus Angst vor den Säuberungswellen. Dort gründeten sie mit der Unterstützung von der vietnamesischen Regierung und Armee eine Nationale Befreiungsfront. Am dritten Dezember 1978 wurde offiziell die Gründung der „Vereinten Front für die Nationale Rettung Kampucheas“ (auf Französisch „Front Uni National pour le Salut du Kampuchéa“, also FUNSK) verkündet. Nur wenige Wochen später begann eine Großoffensive der vietnamesischen Armee, die das Regime der Roten Khmer letztlich zu Fall brachte.

Aus vietnamesischer Perspektive war es eine schwierige Entscheidung, Personen für die Führung dieser Exil-Kambodschanischen Front zu bestimmen, da alle Mitglieder der Front sich vor ihrem Überlaufen am Tod von Vietnames:innen (mit-)schuldig gemacht hatten. Dokumente der Staatssicherheit aus der DDR zeigen, wie der Auswahlprozess ablief. Letztlich entschied sich die vietnamesische Führung für Heng Samrin als Anführer, gemeinsam mit Pen Sovan, Chea Sim, Hun Sen und Chan Sy. Sie wurden von der vietnamesischen Führung darauf vorbereitet, Regierungsaufgaben in einem neuen Staat zu übernehmen, wenn das Regime der Roten Khmer gestürzt wäre.

Dezember 1978, der Anfang vom Ende

Am 25. Dezember 1978 begann das vietnamesische Militär eine Großoffensive, die Kambodscha Stück für Stück erobern sollte. Ursprünglich sollte nur der Osten besetzt werden, allerdings gelang der vietnamesischen Armee der Vormarsch so schnell und widerstandslos, dass die militärische Führung beschloss, die Offensive auszuweiten. Nach fünf Tagen wurde die Provinz Kratie eingenommen, zwei Tage später auch Kampong Cham. Am 07. Januar 1979 erreichte die vietnamesische Armee Phnom Penh und wenige Tage später war auch der Westen des Landes von der Herrschaft der Roten Khmer befreit.

Was nun?

Die übrigen Kader der Führungsriege der Roten Khmer flohen in die Wälder entlang der thailändischen Grenze. Dabei zwangen sie tausende Menschen, auf Massenevakuierungsmärschen ebenfalls in Richtung thailändische Grenze zu laufen. Unzählige Menschen starben dabei an Hunger, Krankheiten oder Verletzungen. Wem es möglich war, der versuchte, sein Heimatdorf wiederzufinden – in der Hoffnung, auch die eigene Familie wiederzusehen.

In Phnom Penh wurde unterdessen mit der Unterstützung Vietnams die „Volksrepublik Kampuchea“ (ihr Emblem ist rechts zu sehen) gegründet und ein Revolutionärer Volksrat eingerichtet. Sie regierte Kambodscha bis zum Rückzug der vietnamesischen Truppen Anfang der 1990er Jahre.

Mit ihrem offiziellen Sturz und der Übernahme Phnom Penhs durch vietnamesische Truppen war die Zeit der Roten Khmer allerdings noch nicht vorbei. An der thailändischen Grenze errichteten sie ihre neue Machtbasis, kontrollierten einige Gebiete und sorgten für einen bis in die 1990er Jahre andauernden Bürgerkrieg.

Quellen:

Bultmann, D. (2017). Kambodscha unter den Roten Khmer. Die Erschaffung des perfekten Sozialisten. Paderborn: Ferdinand Schöningh .

Pheng, P.-R., Chandler, D., Dearing, C., & Sopheak, P. (²2020). A history of Democratic Kampuchea (1975-1979). Phnom Penh: Documentation Center of Cambodia.

Titelbild: selbst erstellt, aus folgenden Einzelbildern:

Karte: Screenshot von Google Maps, (22.08.2026).

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