Duch - der Leiter der Hölle
- 20. Juni
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Kindheit
Kaing Guek Iev, besser bekannt als "Duch", wurde am 17. November 1942 in einer armen Familie in der Provinz Kampong Thom geboren. Er wuchs mit fünf Geschwistern auf. Schon früh war er sehr interessiert und fokussierte sich auf das Lernen. Statt rauszugehen und mit anderen Kindern zu spielen, war er eher zu Hause mit einem Buch in der Hand anzutreffen. In einem nationalen Mathematikwettbewerb belegte er den zweiten Platz.
Im Jahr 1961 beendete er die Secondary School, woraufhin er die Sisowath High School in Siem Reap und anschließend das Pädagogische Institut der Universität in Phnom Penh besuchte. Diese Zeit war für Kaing Guek Iev die Geburtsstunde seiner kommunistischen Aktivitäten, zu dieser Zeit unter Son Sen, dem späteren Beauftragten für Sicherheitsfragen im Demokratischen Kampuchea. Nachdem Kaing Guek Iev im August 1965 sein Lehrerzertifikat erhielt, unterrichtete er Mathematik in Kampong Cham. Er wurde zu einem sehr angesehenen und hilfsbereiten Lehrer, insbesondere für Kinder aus armen Familien, da er deren Schicksal teilte.
politisches Leben
Nachdem er sich während seines Studiums dem Kommunismus zugewandt hatte, trat Kaing Guek Iev im Jahr 1967 der Kommunistischen Partei bei. Im Rahmen der Repressionspolitik von Prinz Sihanouk wurde er am fünften Januar 1968 verhaftet und wegen Verstoßes gegen die Staatssicherheit zu 20 Jahren Haft verurteilt. 1970 wurde Kaing Guek Iev von Lon Nol begnadigt.
Noch während seiner Haft wurde Kaing Guek Iev am 20. Juli 1970 vollständiges Mitglied der Kommunistischen Partei und wählte "Duch" als seinen Revolutionsnamen. Nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis nahm Duch seine Aktivitäten in der Partei wieder auf. In diesem Rahmen wurde Duch am 20. Juli 1971 zum Leiter von M-13, einem frühen Foltergefängnis, berufen. M-13 gilt heute als eine Art Vorgänger oder Prototyp für S-21, das zentrale Foltergefängnis im Khmer-Rouge-Staat.
Abseits seiner politischen Arbeit heiratete Duch 1973 Chhim Sophal.
Rolle im Demokratischen Kampuchea
Duch war eine Schlüsselfigur in der Errichtung von S-21, wobei er stark von seinen Erfahrungen in M-13 profitierte. Am 15. August 1975 traf er sich mit Son Sen und In Lorn, um die Errichtung von S-21 zu planen, im Oktober wurde er der Vorgesetzte der Befragungseinheit und im März des Folgejahres wurde Duch schließlich zum Chef von S-21 ernannt. Zwar sagt Duch selbst, er sei abgeneigt gewesen, diese Aufgabe zu übernehmen, allerdings zeigen viele Quellen eine aktive Beteiligung seinerseits sowie seine Zufriedenheit mit der Rolle des Gefängnisleiters.
Außerdem schrieb er häufig Anmerkungen zu den Geständnissen, zeigte sich also unzufrieden mit deren Inhalt. Das zwang die Häftlinge dazu, weitere Folter zu erleiden - und Duch muss das bewusst gewesen sein, von daher spricht auch das gegen seine Aussage, er habe diese Position nicht gemocht. Wenn Duch schließlich die Geständnisse akzeptiert hat, meldete er sie seinen Vorgesetzten und ordnete persönlich die Ermordung der meisten Häftlinge an.
Aussagen ehemaliger Wachen von S-21 herrschte Duch gegenüber immer eine Atmosphäre der Angst. Diese ging sowohl von den Häftlingen aus, als auch von den Wachen selbst, die stets mit der Angst lebten, selbst als Häftling zu enden.
Leben nach dem Fall der Khmer Rouge
Am siebten Januar 1979 verließ Duch Phnom Penh und lebte mit seiner Familie im Distrikt Samlot, in der Provinz Battambang, nahe der thailändischen Grenze. Allerdings wurde er von den Khmer Rouge verstoßen, weil er die Dokumente in S-21 nicht vernichtet hatte. Daraufhin floh er mit seiner Familie nach Thailand und lebte dort unter falschem Namen. Er brachte sich Thai und Englisch bei und unterrichtete daraufhin Englisch und Mathematik in der Schule des Orai Flüchtlingscamps in Thailand. Da viele der kambodschanischen Flüchtlinge kein Englisch sprachen, spielte Duch eine große Rolle in der Kommunikation mit den Vereinten Nationen bezüglich Hilfslieferungen, Essensspenden etc.
Nach dem Pariser Friedensabkommen von 1991 kehrte Duch als Hang Pin nach Kambodscha zurück und lebte zunächst nahe der thailändischen Grenze. Nachdem seine Frau unter ungeklärten Umständen getötet wurde - Duch selbst verdächtigte Pol Pot, den Mord beauftragt zu haben - wandte er sich endgültig von den Khmer Rouge ab. Er konvertierte zum Christentum und ließ sich am sechsten Januar 1996 taufen und arbeitete als Pastor. Ab 1997 engagierte er sich auch für internationale NGOs.
Prozess und Inhaftierung
Am zehnten Mai 1999 wurde Duch gefangen genommen und im Militärgefängnis in Phnom Penh inhaftiert. Im Juli 2007 wurde er in das vorübergehende Gefängnis des Khmer-Rouge-Tribunals überstellt.
Der Prozess gegen ihn wurde am 30. März 2009 eröffnet. Die Beweisaufnahme inklusive der Befragung von Zeug:innen dauerte bis zum 17. September desselben Jahres an. Am 26. Juli 2010 erklärte das Gericht Kaing Guek Iev für schuldig wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie schweren Verstoßes gegen die Genfer Konventionen von 1949 (Kriegsverbrechen). Er war aktiv an der Errichtung des Foltergefängnisses S-21 beteiligt, entwickelte die Inhaftierungs- und Verhörprozesse und war der Leiter über die gesamte Belegschaft. Außerdem trainierte er die Wachen - teilweise selbst unter Folter - physische und psychische Gewalt anzuwenden und trug die Verantwortung für die Folter in S-21 sowie die Exekutionen, die in S-21 ausgeführt und beauftragt wurden.
Das Gericht verurteilte Duch zu 35 Jahren Haft, die Haftzeit wurde allerdings auf 30 verkürzt, weil Duch vor dem Prozess illegitimer Weise im Militärgefängnis inhaftiert gewesen war. Im Berufungsprozess erhöhte die Supreme Court Chamber des Khmer-Rouge-Tribunals die Strafe am dritten Februar 2012 auf lebenslange Haft.
Daraufhin wurde Duch im Gefängnis des Rote-Khmer-Tribunals inhaftiert, seit Juni 2013 saß er seine Strafe im Provinzgefängnis der Provinz Kandal ab. Einige Jahre später erkrankte Duch und verstarb am zweiten September 2020 in Haft. Er wurde gemäß buddhistischer Traditionen bestattet.
Quellen:
Nisay, Hang: M-13: A Khmer Rouge Security Office During Civil War, Phnom Penh 2021.
Nisay, Hang u.a.: S-21: No Way Out. A Khmer Rouge institution of Death, hg. v. Tuol Sleng Genocide Museum, Phnom Penh 2023.
Titelbild: Portrait von Kaing Guek Iev bei den Gerichtsverhandlungen vor den ECCC, https://thfvnext.bing.com/th/id/OIP.eRXc_XWUusgOvNt2Onso8gHaE7?cb=thfvnextfalcon2&pid=Api (17.06.2026)



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