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Khmer New Year

  • 21. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Das kambodschanische Neujahrsfest wird auch Choul Chhnam Thmei ចូលឆ្នាំថ្មី (wörtlich: Betreten des neuen Jahres) bezeichnet. Es richtet sich nach dem traditionellen hinduistischen Sonnenkalender und beginnt am 13. oder 14. April und wird auch in Teilen von Indien, Bangladesch, Nepal, Sri Lanka, Myanmar, Laos und Thailand gefeiert. Das Datum stammt zwar aus dem traditionellen hinduistischen Sonnenkalender, der Buddhismus hat das Neujahrsfest und viele Traditionen aber übernommen, sodass man auch vom buddhistischen Neujahrsfest sprechen kann. Es markiert den Übergang der Sonne vom Fisch zum Widder, vom letzten zum ersten Symbol des Tierkreises. Mythologisch wird diese Zeit daher mit Neuanfängen und Erneuerung verbunden.

Das Datum fällt mit dem Ende der Trockenzeit und damit dem Ende der Erntezeit zusammen, sodass auch die Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten (früher über 95%) die Möglichkeit haben, zusammenzukommen und zu feiern.

A propos feiern: Gefeiert wird an drei aufeinanderfolgenden Tagen, die alle eine eigenständige Bedeutung mit unterschiedlichen Traditionen haben. Neben den spezifischen Ritualen besuchen viele Menschen die Pagoden und opfern dort für ihre verstorbenen Verwandten.

Der erste Tag: Moha Songkran (មហាសង្រ្កាន្ត)

Am ersten Tag werden die Neuen Engel, die das folgende Jahr beschützen sollen, begrüßt. Engel ist dafür eigentlich der falsche Begriff, aber es gibt im Deutschen keinen passenderen. Der Buddhismus glaubt daran, dass die Erde zwar von Göttern geschaffen wurde, dass sich aber Engel um sie kümmern, jeweils für ein Jahr. Dieses Jahr ist das Jahr des Pferdes, es sind also die Engel der Pferde, die sich um die Erde kümmern. Es sind jedes Jahr andere Engel, basierend auf dem chinesischen Tierkreis.

Um die Engel willkommen zu heißen, wird Essen vorbereitet, die Wohnung dekoriert und - das ist besonders wichtig - frische Früchte und Getränke vor den Eingang gestellt. Durch die Opfergaben sollen die Engel, die über dem neuen Jahr stehen, gutgestellt und die eigene Familie gesegnet werden.

Der zweite Tag: Virak Vanabat (វិរ:វ័នបត)

Der zweite Tag ist der Familie und sozialen Aktionen gewidmet. Viele Menschen spenden Geld oder Kleidung an ärmere, obdachlose oder anderweitig bedürftige Mitmenschen. Auch innerhalb der Familie, ebenso wie für (verstorbene) Eltern und Großeltern werden häufig Geschenke und Opfer gegeben und die meisten Familien verbringen diesen Tag zusammen; sie essen gemeinsam, spielen, tanzen und feiern.

Abends gehen viele Menschen in die Pagode, um einen "Miniatur-Stupa" aus Sand zu errichten und damit um eine Segnung zu bitten. Dieses Ritual soll Glück, Wohlstand und ein langes Leben bringen.

Der dritte Tag: Vearak Loeng Sak (វារៈឡើងស័ក)

Der dritte Tag hat eine enorm wichtige spirituelle Bedeutung. An diesem Tag werden Buddha-Statuen und Eltern oder generell ältere Menschen, die man respektiert, mit von Mönchen gesegnetem Wasser gereinigt. Dadurch soll ihnen gegenüber Respekt ausgedrückt werden. Ebenso bittet man damit um Vergebung für Fehler des vergangenen Jahres und wünscht ihnen alles Gute für das kommende Jahr und ein langes Leben.

Aus dieser Tradition der Reinigung hat sich eine neue Tradition entwickelt, die vor allem (aber nicht nur!) von jüngeren Menschen gelebt wird: sich gegenseitig mit Farbpulver und Wasser zu bespritzen.

Traditionelle Spiele

Eine der wichtigsten Sachen und Teil der Traditionen zu KNY sind Spiele und Tänze. Es gibt sehr viele traditionelle Spiele, die gerne und von allen Generationen gespielt werden. Ich selbst kenne auch nicht alle, erzähle jetzt aber von ein paar, die ich gesehen oder selbst gespielt habe :)

Einige davon sind ähnlich zu Spielen, die auch in Europa bekannt sind. So gibt es bspw. Reise-nach-Jerusalem, Tauziehen oder etwas, das ähnlich ist wie Der-Fuchs-geht-um. Außerdem gab es Tonkrüge, die aufgehängt werden, ähnlich wie Pinatas. Dann hat man drei Versuche, den Krug mit einem Stock zu treffen und zu zerschlagen.

Ein anderes Spiel, das echt witzig ist, wird in zwei Teams gespielt. Die Teams (meist aus 10 Personen) stehen sich in Reihen mit einigem Abstand gegenüber und jede Person hat eine Zahl von 1 bis 10. In der Mitte liegt ein kleiner Ast. Die Spielleitung sagt nun eine Zahl und dann müssen die beiden Personen, die diese Zahl bekommen haben, versuchen, den Ast so schnell wie möglich zum eigenen Team zu befördern. Allerdings bekommt das andere Team den Punkt, wenn man den Ast berührt hat und dann von der anderen Person berührt wird. Um mehr Action in das Spiel zu bringen, kann die Spielleitung auch mehrere Nummern ausrufen oder noch Personen dazurufen. Das wird dann gespielt, bis ein Team eine gewisse Punktzahl erreicht hat.

Das ist wie gesagt bei weitem nicht alles, aber ein paar Spiele, die ich selbst mitbekommen habe :)

In Kambodscha ist das Neujahrsfest einer der wichtigsten - ich würde sogar sagen DER wichtigste - Feiertage. Drei Tage davon sind gesetzliche Feiertage, viele Schulen haben aber eine ganze Woche Ferien und auch die meisten Arbeitnehmer:innen nehmen sich die ganze Woche frei und fahren zu ihrer Familie in die Provinz, um die Feiertage dort zu verbringen.

Sehr bekannt sind die Feierlichkeiten in Siem Reap, speziell dieses Jahr gab es aber sehr viele Veranstaltungen in Phnom Penh, sodass meine Mitfreiwilligen und ich auch hier eine super Zeit hatten. Mehr dazu, was wir persönlich erlebt haben, gibt es in dem entsprechenden Blogartikel 😉


Quellen:

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