Recap Woche 14: Eskalation an der Grenze
- 19. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Dez. 2025

Wie ich im letzten Wochen-Recap schon angesprochen hatte, mussten (oder besser durften) wir für das Research Programm einen zweiten Ausflug in die Provinz Kampong Speu machen und der fand dieses Wochenende statt. Das Wochenende war sehr ähnlich zu dem letzten, wir hatten dasselbe Programm und haben auch in demselben Hotel übernachtet, nur dass wir diesmal in sechs anderen Dörfern der Kommune Khat Phluk unterwegs waren. Es war ein tolles Wochenende😊

Freitags, als wir gerade im Bus nach Kampong Speu waren, habe ich eine Mail von ViA (meiner Entsendeorganisation) bekommen. Darin stand mein voraussichtliches Rückflugdatum nächstes Jahr. In dem Moment ist mir so richtig bewusst geworden, dass ich jetzt schon drei Monate hier bin. Die Zeit ist echt vergangen wie im Flug. Zum Glück sind noch gut acht Monate übrig (auch wenn ich jetzt schon weiß, dass diese mindestens genauso schnell vorbeigehen werden🥲). Genau deshalb genieße ich die Zeit und die nächsten Monate umso mehr 😊
Bei unserer Rückfahrt haben uns leider sehr besorgniserregende Nachrichten erreicht, denn laut kambodschanischen Medien hat Thailand kambodschanisches Territorium angegriffen, diesmal sogar mit Kampf-Jets. Im Laufe der Woche hat sich die Situation noch weiter verschärft. Inzwischen sind über 500.000 Menschen auf beiden Seiten der Grenze auf der Flucht aus den Grenzprovinzen heraus in andere Landesteile und es wurden zahlreiche Zivilist:innen getötet und verletzt. Das Auswärtige Amt hat auch seine Sicherheitshinweise verschärft und rät dringend von allen Reisen in die Grenzprovinzen ab. Donnerstags wurden vom thailändischen Militär einige wichtige Tempel and der Grenze zu Kambodscha, die eingetragenes Weltkulturerbe bei UNESCO sind, schwer beschädigt. Inzwischen werfen sich beide Seiten gegenseitig vor, das Friedensabkommen vom 26. Oktober als erstes gebrochen zu haben.
In den nächsten Tagen schreibe ich noch einen Artikel zu den Hintergründen und aktuellen Entwicklungen des Konflikts, allerdings ist das gar nicht so leicht, weil die kambodschanischen Zeitungen logischerweise aus kambodschanischer Sicht berichten und viele (internationale) Zeitungen das Thema gar nicht oder nur wenig aufgreifen. Außerdem gibt es quasi keine bzw. nur wenige Informationen, die von unabhängigen Seiten verifiziert wurden. Es ist also nicht so einfach, aber ich werde es trotzdem versuchen.
Ein bisschen hat mich ehrlicherweise auch überrascht, wie wenig der hiesige Konflikt in den deutschen und internationalen Medien aufgegriffen wurde. Dass es nicht das Nr. 1-Thema sein würde, war mir schon klar, aber ich hätte erwartet, dass es zumindest auf den Online-Seiten ein paar Artikel zu den Hintergründen und aktuellen Entwicklungen des Konfliktes gibt. Stattdessen wird in Deutschland über das Aus vom Verbrenner-Aus diskutiert und die CSU möchte eine Hymnenpflicht bei Zeugnisverleihungen einführen😒
Obwohl gerade mal ein paar hundert Kilometer von uns kriegsähnliche Zustände herrschen, geht für uns der Alltag mehr oder weniger normal weiter. Unter meinen Kolleg:innen gibt es einige, deren Verwandte oder Bekannte in Grenznähe wohnen, ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie das für sie sein muss. Aber Tatsache ist leider auch, dass man nicht wirklich etwas dafür tun kann, dass der Krieg aufhört. Was viele Leute gemacht haben, zu spenden. Es gab sogar eine große Blutspendeaktion speziell für die Soldat:innen und Zivilist:innen in den Grenzgebieten! Aber auch Lebensmittel, Kleidung und alles, was man sonst so zum Leben braucht, können an verschiedensten Orten in Phnom Penh abgegeben werden - die Spendenbereitschaft ist riesig.
Wie schon gesagt, der Alltag geht trotzdem weiter... So habe ich meine Woche im Research Team verbracht, dem letzten Team, bevor ich mich entscheide, wo ich bis zum Ende des Jahres arbeiten werde. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber es war super spannend und hat meine Entscheidung nicht leichter gemacht 😅
Außerdem hatte das Fahrrad einen Platten, deshalb musste ich die ganze Woche zum Museum laufen... Vielleicht schaffe ich es am Wochenende, das reparieren zu lassen :)



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