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Recap Woche 16: Weihnachten

  • 6. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Am Wochenende des vierten Advents wurde es bei uns in der WG etwas weihnachtlicher. Freitagabends haben wir zusammen den Gringe geschaut und sonntags haben wir Plätzchen gebacken: Vanillekipferl, Buttergebackenes und Chocolate Crinkles. Das Backen selbst hat ganz schön lange gedauert, weil unser Ofen sehr sehr klein ist. Außerdem hat er keine Temperatureinstellung, deshalb konnten wir uns nur bedingt an die Backanweisungen halten 😅 Aber es hat trotzdem ganz gut funktioniert und die Plätzchen schmecken gut😋

Die allgemeine Stimmung ist allerdings immer noch getrübt wegen des andauernden Grenzkonflikts mit Thailand. Aus diesem Anlass gab es einen Charity Run, und ich habe es mir nicht nehmen lassen, sonntagmorgens um fünf Uhr aufzustehen und 10 km durch Phnom Penh zu joggen😉. Die Startgebühren dieses Laufes kamen den Familien zugute, die aus den Grenzprovinzen fliehen mussten. Es war ein trauriger Anlass, aber ich muss sagen, es hat echt Spaß gemacht, mal morgens joggen zu gehen. Mal ganz davon abgesehen, dass die Temperatur angenehmer ist als abends, ist es auch total schön, beim Joggen den Sonnenaufgang am Mekong zu sehen. Vielleicht mache ich das in Zukunft öfter...

Aber zurück zu dem traurigen Grund dafür, dass es diesen Charity Run überhaupt gab: Denn der Grenzkonflikt mit Thailand überschattet die allgemeine Stimmung. Täglich erreichen uns neue Nachrichten darüber, wie viele Menschen aus den Grenzprovinzen ihr Zuhause verlassen mussten und wie weit die thailändischen Luftangriffe in kambodschanisches Territorium reichen. Erschreckend finde ich, wie sehr das jeweils andere Land als Bedrohung oder Feind stilisiert wird. Aussagen wie "You can see [...] who are the bad guys here" (1) von Kin Phea, dem Generaldirektor des Instituts für internationale Beziehungen oder "Thailand wird so lange Militäraktionen ausführen, bis wir von keiner Bedrohung für unser Territorium und unser Volk mehr ausgehen." von dem thailändischen Premierminister Anutin Charnvirakul (2) zeugen nicht gerade davon, dass ein Waffenstillstand in Sicht ist - leider. Denn auf beiden Seiten ist es die Zivilbevölkerung, die am meisten leidet. Dafür ist die Solidarität innerhalb der Bevölkerung weiterhin enorm hoch. Natürlich kann ich nur von dem berichten, was ich in Phnom Penh mitbekomme, aber ich kann mir vorstellen, dass die Situation dahingehend in Thailand ähnlich aussieht. In Phnom Penh gibt es zahlreiche Spendensammelzentren, vor allem viele junge Menschen unterstützen beim Beladen von Hilfstrucks. Auch bei uns um die Ecke wurde in einem kleinen Laden wurde ein Spendensammelzentrum eingerichtet. Ich finde es beeindruckend zu sehen, wie viele Spenden zusammenkommen - zumal Kambodscha eines der ärmsten Länder Südostasiens ist und viele Menschen selbst nicht so viel haben.

Positiv überrascht hat mich in diesem Konflikt eine Sache an der Berichterstattung: die hohe Wichtigkeit, die der Bildung von Kindern und Jugendlichen beigemessen wird. Neben den Berichten, wie viele Menschen aus den Grenzprovinzen geflohen sind, werden regelmäßig aktualisierte Zahlen dazu veröffentlicht, wie viele Schulen geschlossen werden mussten und wie viele Kinder und Jugendliche dadurch (zumindest zur Zeit) keine Bildung mehr erfahren.

Damit genug zu dem Konflikt, denn diese Woche gab es noch andere mehr oder weniger große Ereignisse. Auf eines davon habe ich mich schon lange gefreut: Das Gespräch mit dem Museumsdirektor Bong Nisay. Wir haben gemeinsam entschieden, dass ich bis zum Ende meines Dienstes im Ausstellungsteam mitarbeiten werde. Im August soll eine neue temporäre Ausstellung eröffnet werden, und die bereite ich jetzt mit meinen Kolleg:innen zusammen vor. Darauf freue ich mich schon riesig, denn ich glaube, dass die Arbeit sehr spannend wird und ich auch total viel davon mitnehmen kann! Neben den Aufgaben selbst freue ich mich auch sehr, dass ich jetzt einen festen Arbeitsplatz habe und mich tiefer in ein Thema reinarbeiten kann. Seid gespannt, wie es weiter geht 😉

In Phnom Penh könnte man es fast vergessen, aber diese Woche war auch Weihnachten 🎄. Wobei, ganz vergessen könnte man es nicht, denn in vielen Geschäften stehen Weihnachtsbäume oder andere Deko und es gibt sogar einige geschmückte TukTuks😂. Ehrlicherweise war ich überrascht, so viele Weihnachtsbäume etc. zu sehen, denn ich hatte mit viel weniger gerechnet😅. Dennoch wird Weihnachten als christliches Fest im buddhistischen Kambodscha nur von der christlichen Minderheit gefeiert. Die größeren Geschäfte nutzen es lediglich als zusätzliche Verkaufsstrategie, um mit Rabatten die Menschen dazu zu bringen, neue (unnötige) Dinge zu kaufen.


Dadurch, dass weder der 24. noch die beiden Weihnachtsfeiertage offizielle Feiertage sind, musste ich (wie die anderen Freiwilligen auch) arbeiten. Am Heiligen Abend waren wir in der WG nur zu viert, weil alle anderen Freiwilligen Besuch von Verwandten hatten, mit denen (und teilweise der Familie in Deutschland) sie zusammen gefeiert haben. Wir waren dann noch kurz einkaufen für unser Weihnachtsessen am 25., danach haben wir es uns mit ein paar Plätzchen im Wohnzimmer gemütlich gemacht und "Kevin - allein zu Haus geschaut" 😊. Der 25. war auch wieder ein normaler Arbeitstag - bis auf die Abendgestaltung. Wir haben mit fast allen Freiwilligen und den Verwandten, die gerade hier sind, zusammen gekocht und zu Abend gegessen. Bei uns gab es als Vorspeise Frühlingsrollen, als Hauptgericht Reis mit Kokos-Curry und Tofu-Schnitzel und als Nachtisch vegane Schokomousse mit Obst und Plätzchen😋. Nach dem Essen haben wir noch gewichtelt, das war total schön. Es war ein insgesamt schöner Abend, der ein bisschen für Weihnachtsstimmung gesorgt hat 🎄

Freitags war schließlich wirklich ein normaler Arbeitstag, da war Weihnachten schon wieder vorbei 😅. Abends habe ich noch gepackt, weil ich Samstagfrüh mit dem Bus für ein paar Tage weggefahren bin. Wohin, gibt es nächste Woche zu lesen 😊

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