Recap Woche 20: Essen
- 6. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Juni
Auf der Arbeit ging es diese Woche weiter wie schon die letzten Wochen: Research. Das wird uns auch noch ein bisschen begleiten, voraussichtlich bis Ende Februar. Da ich die Akten aus dem TSGM-Archiv nicht lesen kann (sie sind alle auf Khmer), fokussiere ich mich auf Recherchen im digitalen Archiv des ECCC. Dort sind alle Dokumente zu finden, die in den Gerichtsprozessen verwendet oder angelegt wurden. Dazu zählen Anhörungsprotokolle, Interviews, Anklageschriften, Urteile etc., aber auch (die für mich relevanteren) Primärquellen aus der Zeit der Khmer Rouge, also Radiobeiträge, Pressemitteilungen oder internationale Medienberichte genauso wie Sekundärliteratur von Forschenden zum "Demokratischen Kampuchea". Das Gute am ECCC-Archiv ist, dass alle Akten in Französisch, Englisch und Khmer vorliegen, sodass ich sie verstehen kann.
Bei meinen Recherchen bin ich sogar auf ein paar Akten von der Stasi gestoßen! Sie waren sogar im Original auf Deutsch hochgeladen! Zum Beispiel gab es dort eine Rede Pol Pots zum Parteijubiläum, die durch Stasi-Mitarbeitende auf Deutsch überdetzt wurde oder verschiedene Beobachtungen der DDR über die diplomatischen Beziehungen der Khmer Republic mit verschiedenen Ländern.
Weil sonst nicht so viel passiert ist diese Woche dachte ich mir, ich schreibe mal darüber, was wir hier so mehr oder weniger täglich essen😋. Eine Sache vorweg: Wenn man möchte, genug Zeit und Geld investiert, kann man sich theoretisch genauso ernähren wie in Deutschland. Was ich sagen will: Es gibt hier viele westliche Produkte (z.B. in Supermärkten) zu kaufen, aber es ist (logischerweise) deutlich teurer als lokale Produkte.
Daneben finde ich es gar nicht so leicht, die eine "kambodschanische Küche" zu beschreiben. Als ich darüber nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass ich das für die deutsche Küche auch nicht könnte. Wie auch in Deutschland gibt es viele regionale Spezialitäten, die in einigen Provinzen typisch sind, in anderen wiederum nicht. Trotzdem versuche ich mal, ein paar allgemeine Dinge festzuhalten.
Wie (fast) überall in Asien ist Reis das Hauptnahrungsmittel, viele essen Reis dreimal am Tag. Dazu gibt es meistens Fisch oder Fleisch und Ei. Manchmal sind die Gerichte so auch ohne Soße, weil es in Restaurants in der Regel Fisch-, Chili- und Sojasoße sowieso auf den Tischen dazugibt. Manchmal haben wir den Reis aber auch schon trocken gegessen. Häufig gibt es zu dem Reis aber auch Suppe oder Gemüse, in den meisten Fällen mit Fleisch oder Fisch. Das hier steht beispielhaft dafür, was wir meistens zu Mittag essen, aber das wechselt auch täglich 😊

Morgens wird Reis manchmal auch als Reissuppe gegessen. Gesüßten Reis wie bspw. Milchreis gibt es in Kambodscha nicht, zumindest nicht als Hauptmahlzeit. Das einzige, wo mir süßer Reis bisher begegnet ist, ist als Sticky Rice, mit Mango oder als Kuchen.
A propos: Die meisten essen alle drei Hauptmahlzeiten herzhaft. Manche essen aber auch nur zwei Hauptmahlzeiten: Mittagessen und Abendessen. Ein Kollege hat mir erzählt, dass das daher kommt, dass die Menschen auf dem Land früher sehr früh aufgestanden sind, um auf dem Feld zu arbeiten. Gegen elf wurde dann Mittagspause gemacht, weil es zu heiß wurde zum Arbeiten. In vielen Schulen oder auch bei uns im Museum machen einige immer noch um elf Mittagspause und lassen das Frühstück weg (dafür gibt es nachmittags manchmal noch einen Snack).

Neben Reis spielen auch Nudeln eine große Rolle, vor allem in Suppe, manchmal aber auch als fried noodles mit Gemüse und Fleisch/Ei. In Suppe gibt es meist Glas- oder Instant-Nudeln, als fried noodles eher Spaghetti- oder Udon-ähnliche Nudeln. Manchmal, aber eher selten, gibt es auch Glasnudeln mit Gemüse und Pilzen als Beilage zu Reis.
Daneben gibt es Num Ban Chok ("Khmer noodles"), speziell fermentierte Reisnudeln mit einer curryartigen Soße und Fisch. Diese sind in Kambodscha sehr verbreitet und stammen (anders als die anderen Nudelsorten) soweit ich weiß auch von hier.
So viel zu den Hauptmahlzeiten, jetzt zu verschiedenen Snacks: Es gibt viele verschiedene Snacks und Süßigkeiten, die man hier kaufen kann. Kuchen ist dafür nicht verbreitet, lediglich zu besonderen Anlässen gibt es Torte (wie z.B. an Geburtstagen🎂). Die "täglichen" Snacks sind eher frittiert oder gedämpft.
Eine Sache, von der ich ja auch schon viel erzählt habe, sind fried bananas. Analog gibt es frittierte Süßkartoffeln (klingt vielleicht erstmal komisch, schmeckt aber sehr gut!). Bei Gedämpftem musste ich gerade zuerst an Dumplings denken, die gibt es hier an jeder Ecke (auch wenn sie nicht aus Kambodscha stammen). Zu Veranstaltungen im Museum hatten wir aber auch schon traditionell Kambodschanisches: Ein Nachtisch aus Reis oder Reismehl mit Banane und/oder Palmzucker, der in Bananenblätter eingewickelt und anschließend gedämpft wird. Die gibt es in verschiedenen Varianten und mit verschiedenen Füllungen, hier nur beispielhaft zwei Fotos 😊


Letztens hatten wir kleine Küchlein mit Palmfrucht und Kokossoße, die waren auch echt lecker. Generell gibt es zu solchen süßen Sachen häufig noch ein paar frische Kokosraspel oder Kokossoße dazu, das ist echt cool.

Ich persönlich bin auch ein großer Fan von Sticky Rice, der ja auch gedämpft wird, nur leider habe ich den noch nicht allzu häufig an Straßenständen gefunden...
Das einzige, was ich bisher probiert habe und was ich nicht allzu sehr mag, ist fermentierter roter Reis. Ich weiß nicht genau, wie er gemacht wird, aber es ist auf jeden Fall nicht mein Lieblingsnachtisch😅
Neben süßen Snacks haben wir manchmal auch Frühlings- oder Sommerrollen (auch wenn die nicht traditionell aus der kambodschanischen Küche stammen) oder Obst mit Chilisalz. Letzteres klingt erstmal gewöhnungsbedürftig, ist aber echt lecker.
Auf dem Markt gibt es auch immer verschiedene gut gewürzte Insekten oder Muscheln als Snacks für gemeinsame Abende mit Freund:innen zum Beispiel. Ich persönlich muss sagen, dass die nicht zu meinen Favoriten gehören. Die Insekten schmecken aber auch nicht so komisch, wie die meisten sich das wahrscheinlich vorstellen.
Und eine Sache noch: Es gibt hier enorm viele Stände, die Kaffee- und Teegetränke in verschiedensten Variationen verkaufen. Meistens gibt es dabei auch verschiedene Fruchtsäfte oder Smoothies. Das gehört glaube ich auch zu den Dingen, die ich in Deutschland vermissen werde...
Die Vielfalt dessen, was es hier zu Essen gibt und was wir essen, ist deutlich größer als das, was ich hier beschreiben könnte, aber ich hoffe, dass ich trotzdem einen kleinen Einblick in die hiesige Esskultur geben konnte 🙂



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